Wal in der Ostsee gestrandet
: Buckelwal Timmy verharrt wieder an einer Stelle

UPDATE 10.44 Uhr: Kaum losgeschwommen, könnte der Wal Timmy an der Ostsee wieder festsitzen. Der Weg aus dem Kirchsee ist teilweise sehr flach.
Von
dpa
Wismar
Jetzt in der App anhören

Ein Arbeitsponton mit einem speziellen Bagger und kleinere Begleitboote sind in der Nähe des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Einsatz. Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal wurde ein neuer Rettungsversuch gestartet. Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative.

Stefan Sauer/dpa
  • Vor Poel schwimmt der zuvor gestrandete Buckelwal Timmy und ändert mehrfach die Richtung.
  • Eine private Initiative startet einen neuen Rettungsversuch, Boote stehen in Kirchdorf bereit.
  • Plan B: DLRG-Boote wollen den Wal bei eigener Befreiung bis Nordsee und Atlantik leiten.
  • Financier Walter Gunz zweifelt, ob sich der Wal noch führen lässt – er wirke völlig frei.
  • Der etwa 12,35 Meter lange Wal steckte seit dem 31. März in der Wismarbucht fest.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rund zwei Stunden, nachdem der Buckelwal vor Poel bei steigenden Wasserständen losgeschwommen ist, stoppte er offenbar. Auf Livestreams ist zu sehen, wie das Tier nahe von Fahrwassertonnen zu liegen scheint. Die Begleitboote, die ihn zuvor Richtung offene Ostsee getrieben hatten, hielten zumeist Abstand.

Der Meeressäuger war am Morgen losgeschwommen. Er wechselte mehrfach die Richtung - mit Kirchdorf am Ende der Bucht auf der einen und dem Weg in die Ostsee auf der anderen Seite. Letztlich schwamm er geleitet von den Booten anhaltend in die richtige Richtung - bis zum Stopp am Ende der Kirchsee genannten Bucht.

Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen ist auch der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht. Dieses sei mindestens mehr als neun Meter tief. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.

Der Buckelwal vor der Insel Poel bei Wismar soll nach Angaben des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern nach Möglichkeit besendert werden. Sollte sich die Gelegenheit bieten, könnte das Tier in Kürze mit einem Sender zur Ortung versehen werden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Der Meeressäuger hatte seit dem 31. März in der Wismarbucht vor der Insel Poel festgelegen.

Die Vertreter der Rettungsinitiative auf Poel sahen sich zuletzt auf sehr gutem Weg und im Zeitplan. Der Wal habe am Sonntagmorgen „tolle Reaktionen“ und viel Lebensenergie gezeigt. Sie schlossen am Sonntag nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife „Plan B“. „Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können“, sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.

Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich pessimistischer. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, „ob sich dieser Wal noch geleiten lässt“.

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace bedeutet die aktuelle Situation für den Buckelwal vor Poel eine hohe Stressbelastung. „Das ist natürlich ein Megastress für das Tier“, sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt. „Der Stress für das Tier ist enorm.“

Seit 20 Tagen in der Wismarbucht

Bislang geplant war, dass unter den Wal eine zwischen Pontons - also schwimmenden Plattformen - befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Die Netzplane, auf der das Tier zwischen Pontons in die Nordsee und in den Atlantik transportiert werden soll, war nach Behördenangaben bereits im Wasser.

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel. 

Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse.

Jens Büttner/dpa

Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren zuletzt DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort waren. 

Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs

Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit. Mehrfach lag der Wal fest.