Vogelgrippe
: Symptome, Übertragung, Impfung - Alle Infos zur Geflügelpest

Wie ansteckend ist eigentlich die Vogelgrippe? Können Menschen sich anstecken? Hier gibt es alle Infos zur Vogelgrippe.
Von
Theresa Thiem
Berlin
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Gänse

Hier gibt es alle Infos zur Vogelgrippe.

Matthias Bein/dpa

Vor mittlerweile fast zwanzig Jahren wurde die aus Asien stammende Vogelgrippe erstmalig in Europa nachgewiesen. Inzwischen ist der H5N1-Virus auf der ganzen Welt verbreitet. Hier gibt es alle Infos zur Vogelgrippe oder Geflügelpest.

Was genau ist die Vogelgrippe?

Vor allem Hühner und Puten leiden unter der tödlich verlaufenden Erkrankung Geflügelpest, während Enten oder Gänse nicht ganz so empfindlich reagieren. Die Vogelgrippe wird ausgelöst durch stark krankmachende aviäre Influenzaviren der Subtypen H5 und H7. Die Geflügelpest ist hoch ansteckend unter Geflügel und verursacht heftige Krankheitsverläufe. Außerdem besteht eine Sterblichkeit von bis zu 100 Prozent.

Vogelgrippe: Welche Symptome gibt es?

Zwischen der Infizierung mit der Vogelgrippe bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es nur Stunden oder wenige Tage. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein.

Das ist eine Auswahl von häufigen Symptome bei Hühnervögeln:

  • Stumpfes, gesträubtes Federkleid
  • Schnell fortschreitende Teilnahmslosigkeit
  • Verweigerung von Futter und Wasser
  • Atemnot
  • Niesen
  • Ausfluss aus Augen und Schnabel
  • Wässrig-schleimiger grünlicher Durchfall
  • Zentralnervöse Störungen (abnorme Kopfhaltung, Gleichgewichtsstörungen)
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) am Kopf
  • Blutstauung oder Unterhautblutungen mit blauroter Verfärbung an Kopfanhängen und Füßen
  • Plötzliches Aussetzen der Legeleistung oder dünne, verformte Eier

Das ist eine Auswahl von häufigen Symptomen bei Enten und Gänsen:

  • Teilnahmslosigkeit
  • Ausfluss aus Augen und Schnabel
  • Verweigerung von Futter und Wasser
  • Durchfall
  • Atemnot
  • Zentralnervöse Störungen (abnorme Kopfhaltung, Gleichgewichtsstörungen, Zwangsbewegungen)

Epizootie: Wir befinden uns in einer Vogelgrippen-Epidemie

In Deutschland und Europa gab es von Anfang 2006 bis Herbst 2020 immer wieder Ausbruchswellen von verschiedenen Varianten der Vogelgrippe. Über die Sommermonate kamen die Ausbrüche jedoch immer zum Stillstand. Nach dem Herbstvogelzug im Jahr 2020 brach bei Wildvögeln, gehaltenen Vögeln und Geflügel in Europa eine Epizootie, also eine Epidemie bei Tieren, aus. Im Sommer 2021 kam diese Epizootie zwar langsam zur Ruhe, wurde aber nie vollständig ausgelöscht. Hierbei entstand aus verschiedenen Mischviren der Vogelgrippe im Herbst/Winter 2021 das Geflügelpestvirus H5N1, das nun ganzjährig auftritt.

Kann Geflügel gegen die Vogelgrippe geimpft werden?

Bisher fand die Bekämpfung der Geflügelpest durch die schnelle Erkennung des Virus und die Tötung erkrankter Vögel statt. Die Impfung von Geflügel war in Europa bislang verboten. Da es sich vor 2021 jedoch um seltene Ausbrüche handelte, ist die Ausgangssituation nun eine ganz andere. Die Geflügelpest wird das ganze Jahr über bei Wildvögeln nachgewiesen, wodurch auch ein höheres Infektionsrisiko für Geflügel besteht.

Können Säugetiere die Vogelgrippe bekommen?

Tatsächlich gibt es mittlerweile weltweit Berichte über infizierte Säugetiere. Meist handelt es sich dabei um Aas- oder Fleischfresser wie Otter, Füchse, Robben, Bären oder Katzen, die wahrscheinlich erkrankte oder tote wilde Wasservögel zu sich genommen haben. Die infizierten Säugetiere reagieren laut dem Friedrich-Loeffler-Institut unterschiedlich auf die Vogelgrippe. Einige erkranken schwer bis tödlich, wohingegen es auch Hinweise darauf gibt, dass viele die Erkrankung überleben und sogar eine Immunität entwickeln. In jedem Fall sollten Totfunde sowie auffälliges Verhalten von Wildvögeln und Säugetieren den Veterinärbehörden gemeldet werden.

Können Säugetiere die Vogelgrippe weitergeben?

Bereits 2022 und 2023 gab es einige Fälle, in denen sich die Vogelgrippe unter Säugetieren vermehrt hat. Dies war zum Beispiel auf spanischen und finnischen Pelztierfarmen der Fall, bei denen eine hohe Anzahl an Tieren auf engem Raum lebt. Ein anderer Fall wird in Südamerika beobachtet, wo seit 2023 serielle Übertragungen bei wildlebenden Robben stattfinden. Hierbei könnte es sich möglicherweise bereits um eine Anpassung des Virus an Robben handeln. Auch bei Rindern in den USA konnten bereits Infektionen mit der Geflügelpest festgestellt werden. Hier scheint das Virus in das Euter der Kühe gelangt zu sein, was die unbehandelte Milch erkrankter Kühe hochinfektiös macht und dadurch ein erhöhtes Risiko für den Menschen darstellt.

Können Menschen die Vogelgrippe bekommen?

Grundsätzlich besteht durchaus ein Infektionsrisiko mit der Geflügelpest. Dazu wäre jedoch ein intensiver Kontakt zu infiziertem Geflügel oder der Konsum kontaminierter Lebensmittel wie Rohmilchprodukten oder nicht ausreichend erhitztem Geflügelfleisch nötig. Im Jahr 2024 gab es in den USA mehrere Ausbrüche der Vogelgrippe in Geflügelbetrieben, wobei auch zum ersten Mal Milchkuhherden von dem Virus betroffen waren. In diesem Zusammenhang wurden ebenfalls erste Infektionsfälle bei Menschen nachgewiesen, die durch ihren Beruf im engen Kontakt mit infiziertem Geflügel oder infizierten Milchkühen waren. Die meisten Infektionen beim Menschen wiesen einen leichten Verlauf mit Symptomen wie Bindehautentzündung auf. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch fand bisher nicht statt.

Gibt es eine Impfung gegen HPAIV H5N1 - Vogelgrippe?

Es gibt bereits wirksame, sogenannte präpandemische Impfstoffe für den Menschen gegen den H5N1 Virus. Im Rahmen von nationalen Impfplänen sollen die bislang reglementierten Impfstoffe zum Einsatz kommen. So plant beispielsweise Finnland momentan die Impfung des Personals von Pelztierfarmen.

Besteht ein Gesundheitsrisiko durch Geflügelprodukte?

Eine Ansteckung über Lebensmittel wie durch infiziertes Geflügel ist zwar grundsätzlich möglich, gilt jedoch als unwahrscheinlich. In Deutschland können durch das Tierseuchenbekämpfungssystem infizierte Bestände schnell erkannt werden, sodass Produkte aus diesen Betrieben nicht in den Verkehr gelangen.