UN-Abkommen gegen Plastikmüll
: Verhandlungen nach drei Jahren vorerst gescheitert

Das geplante UN-Abkommen gegen Plastikmüll ist nach drei Jahren Verhandlungen vorerst gescheitert. Die Fronten zwischen ehrgeizigen Staaten und Ländern, welche Produktionslimits ablehnen, bleiben verhärtet.
Von
David Hahn
Genf
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Plastikverschmutzung in Südafrika: ARCHIV - 27.11.2024, Südafrika, Johannesburg: Freiwillige der Alexandra Water Warriors entfernen Plastikmüll aus dem Jukskei-Fluss . (zu dpa: «Letzte Chance für Deal bei UN-Plastik-Konvention») Foto: Jerome Delay/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Freiwillige der Alexandra Water Warriors entfernen im November 2024 Plastikmüll aus dem Jukskei-Fluss in Südafrika .

Jerome Delay/AP/dpa

Die Hoffnungen auf ein globales Abkommen zur Bekämpfung der Plastikflut haben einen schweren Rückschlag erlitten. Nach drei Jahren intensiver Verhandlungen ist die Einigung auf einen verbindlichen Vertrag gegen Plastikmüll in der Abschlusswoche in Genf gescheitert. Vertreter von rund 180 Staaten konnten sich weder auf konkrete Maßnahmen noch auf ein gemeinsames Ziel einigen. Wie es weitergeht, blieb zunächst unklar. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am 15. August 2025.

Kein Konsens nach zähen Verhandlungen

Bereits zur Wochenmitte zeichnete sich ab, dass die Positionen unvereinbar bleiben. Ein Vertragsentwurf, aus dem nahezu alle bindenden Verpflichtungen gestrichen worden waren, stieß auf breite Ablehnung. Auch ein am Freitagmorgen vorgelegter, leicht veränderter Text fand keine einhellige Zustimmung. Wie es mit dem UN-Prozess nun weitergeht, ist offen.

„Kein Abkommen ist in diesem Fall besser als eines, das den Status quo auf UN-Ebene zementiert, anstatt eine echte Lösung für die Plastik-Krise zu sein“, sagte Florian Tize von der Umweltstiftung WWF. Die Organisation fordert ein starkes Regelwerk, das nicht nur die Abfallentsorgung, sondern auch Produktion und Design von Kunststoffen umfasst.

Zwei Lager – zwei Strategien

In den Verhandlungen standen sich zwei klar definierte Blöcke gegenüber:

  • High Ambition Coalition: mehr als 100 Staaten, darunter Deutschland, die EU-Mitgliedsländer sowie zahlreiche Nationen in Südamerika, Afrika und Asien. Sie fordern eine drastische Reduzierung der Plastikproduktion auf ein nachhaltiges Maß, ein Verbot von Einwegprodukten wie Bechern und Besteck sowie die Förderung von Mehrweg- und Kreislaufwirtschaft.
  • Like-Minded Group: hauptsächlich rohstoffreiche Ölförderländer wie Saudi-Arabien, Iran und Russland. Sie setzen auf ein verbessertes Abfallmanagement, lehnen jedoch Produktionsbeschränkungen weitgehend ab.

Das UN-Mandat von 2022 sah eigentlich vor, den gesamten Lebenszyklus von Plastik zu regulieren,  von der Herstellung über das Produktdesign bis hin zur Entsorgung.

Plastik als globale Umwelt- und Gesundheitsgefahr

Plastikmüll gilt als eine der größten ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Er verschmutzt Meere und Flüsse, zerstört Lebensräume, gefährdet Tiere und wirkt sich zunehmend auf die menschliche Gesundheit aus. Wissenschaftliche Studien weisen Mikro- und Nanoplastikpartikel inzwischen in Organen und sogar im Gehirn nach. Diese Partikel können das Immunsystem schwächen, Entzündungen fördern und sich in Blutgefäßen ablagern.

Die wachsende Plastikflut in Zahlen

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat sich die weltweite Kunststoffproduktion seit den 1970er-Jahren auf 367 Millionen Tonnen jährlich im Jahr 2020 versiebenfacht. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sie bis 2050 auf fast 600 Millionen Tonnen steigen.

Einen großen Teil machen demnach Einwegprodukte aus, darunter Verpackungen. Insgesamt seien bislang 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert. Davon landeten 6,3 Milliarden Tonnen als Abfall größtenteils auf Deponien. Schätzungen zufolge treiben derzeit 152 Millionen Tonnen Plastikmüll in Flüssen und Ozeanen, mit verheerenden Folgen für Ökosysteme und Küstenregionen.