Ukraine: Konflikt, Militär, Einwohner, EU – Russlands Nachbarland im Porträt

Wie groß ist die Ukraine? Und warum gibt es Krieg mit Russland? Alle Informationen über das Land hier.
Marijan Murat/dpaMit dem Einmarsch der Russischen Armee am 24. Februar 2022, herrscht in der Ukraine Krieg. Mehrere Städte wurden von den Truppen bereits bombardiert. Seit der Auflösung der Sowjetunion 1991 ist die Ukraine unabhängig. Dabei besteht die Ukrainische Volksrepublik seit 1917. Alle wichtigen Daten und Fakten zum Land hier.
Fläche, Einwohnerzahl, Währung – die wichtigsten Daten der Ukraine im Überblick
- Fläche: 603 550 Quadratkilometer
- Einwohner: 41,6 Millionen
- Regierungsform: parlamentarisch-präsidiale Republik
- Hauptstadt: Kiew (2,9 Millionen Einwohner)
- Lebenserwartung: 76,2 (Frauen), 66,4 (Männer)
- Arbeitslosenquote: 9,5 Prozent
- Währung: Griwna (100 Griwna rund 3 Euro)
- Haupthandelspartner: China, Polen, Russland, Deutschland
- Exportgüter: Getreide, Eisen und Stahl, tierische Fette
- Importgüter: Mineralöl, Maschinen, Kraftfahrzeuge
- BIP: 152 Milliarden US-Dollar
- BIP pro Einwohner: 3653 US-Dollar
Größe, Lage und Nachbarstaaten der Ukraine
Die Ukraine befindet sich in Osteuropa. Mit einer Fläche von 603.700 Quadratkilometern ist das Land das größte, das vollständig in Europa liegt und verfügt nach Russland über das zweitgrößte Staatsgebiet in Europa.
Im Nordosten und Osten grenzt die Ukraine an Russland, im Norden an Belarus, im Westen an Polen, die Slowakei und Ungarn, an Rumänien und Moldau im Südwesten, sowie an das Schwarze und Asowsche Meer im Süden.
Bevölkerung – Wie viele Menschen leben in der Ukraine?
Im April 2020 lebten mehr als 41,8 Millionen Menschen in der Ukraine. Aufgrund der niedrigen Lebenserwartung, der Auswanderung und niedriger Geburtenzahlen sinkt die Einwohnerzahl tendenziell ab. Das Land hat zudem eine der höchsten Sterberaten der Welt.
2017 lebten fast sechs Millionen in der Ukraine geborene Personen im Ausland. Mehr als die Hälfte davon in Russland.
Nach der offiziellen Volkszählung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 Prozent Ukrainer, 17,3 Prozent Russen und über 100 weitere Ethnien.
Ukrainisch und Russisch – Diese Sprachen werden in der Ukraine gesprochen
Aufgrund der verschiedenen Ethnien und der historischen Entwicklung des Landes, werden verschiedene Sprachen gesprochen. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht sowohl Ukrainisch als auch Russisch. Eine Mischform beider Sprachen, der Surschyk, ist weit verbreitet.
Verfassung und Präsident – Wie wird die Ukraine regiert?
Laut Verfassung ist die Ukraine ein demokratischer, republikanisch, sozial- und rechtsstaatlich organisierter Einheitsstaat. Staatsoberhaupt ist der Präsident, die Regierung wird von einem Ministerpräsidenten geleitet.
- Die Verfassung der Ukraine existiert seit 1996 und ist das höchste Organ des Landes. Alle Maßnahmen und Verträge müssen mit ihr im Einklang stehen.
- Der Präsident vertritt die Ukraine in innen- und außenpolitischen Angelegenheiten. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und besitzt legislative Kompetenzen. Das Staatsoberhaupt wird für fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Aktueller Präsident ist Wolodymyr Selenskyj.
- Die Regierung besteht aus dem Ministerkabinett, das sich aus den Ministerpräsidenten und Ministern zusammensetzt. Der Ministerpräsident wird vom Präsidenten des Landes ernannt. Die Amtszeit der Minister richtet sich nach der des Ministerpräsidenten. Aktueller Ministerpräsident in der Ukraine ist Denys Schmyhal.
- Das Parlament der Ukraine besteht aus 450 Sitzen. Alle fünf Jahre werden die Abgeordneten zur Hälfte direkt in den Wahlkreisen gewählt. Die zweite Hälfte wird über Parteienlisten in Verhältniswahl bestimmt.
Bei den letzten Parlamentswahlen 2019 trat die Partei des nun regierenden Präsidenten Selenskyj, „Sluha Narodu“, erstmals an und ging direkt als stärkste Kraft hervor.
Von der Volksrepublik zur Unabhängigkeit – Die Geschichte der Ukraine
Anfang des 20. Jahrhundert kam es in Russland zu einem politischen Umbruch, aus dem 1922 die Sowjetunion hervorging und die Ukraine als Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Teil der UdSSR wurde. Die Ukraine wurde in der Sowjetunion als eigene Nation anerkannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Ukraine Teil der Sowjetunion, allerdings kam es zu großen Bevölkerungsumsiedlungen, vor allem der polnischen Bevölkerung in dem Gebiet.
Nach der Auflösung der Sowjetunion feierte die Ukraine 1991 seine Unabhängigkeit. Seitdem kämpft das Land zwischen der westlich und russisch geprägten Orientierung.
West gegen Ost – Der Ukraine-Konflikt
Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion kämpft die Ukraine mit seiner Ausrichtung nach Europa und Russland. Während Teile des Landes eher europäisch ausgerichtet sind, streben andere nach Russland. Ende 2013 kam es erstmals zu Unruhen in Kiew, die sich gegen die Regierung richteten. Auslöser war die überraschende Erklärung der ukrainischen Regierung, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorerst nicht unterzeichnen zu wollen. Im Frühjahr 2014 kam es zur Abspaltung der Halbinsel Krim nach Russland. Die dortigen Separatisten fordern mehr Eigenständigkeit bis hin zu einem Anschluss an Russland.
Während sich also der östliche Teil der Ukraine Richtung Russland orientierte, wollte der Westen näher an Europa rücken. Auch in die Nato wollte das Land eintreten. Das möchte Russland, mit seinem Präsidenten Wladimir Putin, verhindern. Aus Sorge vor einer Annäherung der Ukraine an den Westen entzündete sich auch der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Halbinsel Krim im Osten des Landes. Russlands Präsident Putin annektierte die Krim schließlich, was der Westen als völkerrechtswidrig verurteilte. Seither herrscht im Osten der Ukraine ein Bürgerkrieg zwischen dem westlich-orientierten und dem pro-russischen Teil der Bevölkerung.
Ende Februar 2022 erreichte der Konflikt seinen Höhepunkt. Am 24.2.2022 marschierte Russland mit seiner Armee in der Ukraine ein. Seitdem herrscht in dem Land Krieg.
Alle aktuellen Entwicklungen im Russland-Ukraine-Konflikt lest ihr hier.
Die Außenpolitische Rolle der Ukraine
Aufgrund ihrer Lage wird der EU eine Schnittstelle zwischen Europa und Asien zugesprochen. Zudem ist sie Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen. Unter anderem in:
- UNO
- UNESCO
- Europarat
- Weltgesundheitsorganisation (WHO)
- Internationales Olympisches Komitee (IOC)
- Internationaler Währungsfonds (IWF)
- Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
Die Ukraine in Zusammenarbeit mit der EU
Mitglied der Europäischen Union ist die Ukraine nicht. Dennoch arbeitet das Land in einigen Aspekten mit der EU zusammen. 2004 wurde ein gemeinsamer Aktionsplan auf den Weg gebracht. Unter anderem folgende Punkte werden darin aufgefasst:
- Ukrainische Gesetze, Normen und Standards werden schrittweise an die der EU angleichen
- Erleichterungen bei der Erteilung von Reisevisa
- Beschäftigungsfragen, zum Beispiel Möglichkeiten für Bürger der Ukraine, in der EU zu arbeiten
- Erleichterung der Einfuhr von Textilien und Stahl aus der Ukraine in die EU
- Engere Zusammenarbeit bei Energie, Umwelt und Verkehr
Militär – So stark sind die Ukrainischen Streitkräfte
Das Ukrainische Militär besteht aus dem Heer, Luftstreitkräften und der Marine. 2015 leisteten dort rund 204.000 Soldaten ihren Dienst.
Zum Wehrdienst verpflichtet sind alle Männer ab dem 20. Lebensjahr und dauert ein Jahr. Ursprünglich war geplant die Wehrpflicht 2014 abzusetzen. Die Verschlechterung der politischen Situation im Land verhinderte das Vorhaben jedoch.
Oberster Befehlshaber des Militärs ist laut Verfassung der Präsident der Ukraine.
Hier einige Daten zum Militär der Ukraine:
- Gründung: 1991
- Aktive Soldaten: 209.000
- Reservisten: 900.000
- Wehrpflicht: 12 Monate
- Wehrtaugliche Bevölkerung: 23,2 Millionen
- Wehrtauglichkeitsalter: 18. Lebensjahr
- Militärbudget: 5,9 Milliarden US-Dollar