„Shithouse Country“
: Norweger machen Trumps Wutrede zum Social-Media-Trend

Donald Trump nennt Norwegen ein „beschissenes Land“ - und liefert damit unfreiwillig den Soundtrack für eine ziemlich gelungene Gegenreaktion.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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US-Midterms - US-Präsident Trump in Michigan: ARCHIV - 25.10.2026, USA, Port Huron: US-Präsident Donald Trump hält eine Rede während einer Wahlkampfveranstaltung im McMorran Place Sports and Entertainment Center. (zu dpa: «Norweger machen sich über Trumps «Scheißhaus»-Spruch lustig») Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

USA, Port Huron: US-Präsident Donald Trump hält eine Rede während einer Wahlkampfveranstaltung im McMorran Place Sports and Entertainment Center.

Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Majestätische Fjorde, schneebedeckte Berge, glasklare Seen und spektakuläre Nordlichter: Wer derzeit durch Social Media scrollt, kann auf eine ungewöhnliche Liebeserklärung an Norwegen stoßen. Zu beeindruckenden Naturaufnahmen läuft ausgerechnet die Stimme von US-Präsident Donald Trump. „Frankly, Norway sucks. Norway has become a shithouse country, actually“, ist da zu hören. Frei übersetzt: „Offen gesagt ist Norwegen ätzend. Norwegen ist tatsächlich zu einem beschissenen Land geworden.“

Was als Beleidigung gedacht war, wird nun zum ironischen Soundtrack für Bilder, die genau das Gegenteil vermitteln.

Traumhafte Landschaften statt politischer Empörung

Auf Social Media wird Trumps Aussage mit Aufnahmen von Norwegens beeindruckender Natur kombiniert. Statt auf die Beschimpfung mit wütenden Kommentaren zu reagieren, lassen die Beiträge die Bilder für sich sprechen.

Ein norwegischer Outdoor-Verband etwa unterlegte spektakuläre Aufnahmen von Naturerlebnissen mit dem Originalton des US-Präsidenten. Dazu schrieb der Verband sinngemäß: „Einfach wir, wie wir in unserem beschissenen Land leben.“

Die Pointe funktioniert ganz ohne lange Erklärung: Während Trump über Norwegen schimpft, sieht man Landschaften, die eher an einen Reisewerbespot erinnern.

Die Idee bietet reichlich Möglichkeiten für weitere Beiträge – von Wanderungen durch die Berge über Begegnungen mit Rentieren bis hin zu Alltagsszenen aus norwegischen Städten. Auch Fans des skandinavischen Landes können den Sound nutzen, um ihre eigenen schönsten Norwegen-Momente mit einem Augenzwinkern zu präsentieren.

Auslöser ist Trumps Ärger über den Friedensnobelpreis

Hinter der ungewöhnlichen Social-Media-Reaktion steckt ein politischer Ausbruch vom 25. Oktober. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Michigan hatte Trump Norwegen scharf angegriffen.

Grund für seinen Ärger: Er war bei der Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises erneut leer ausgegangen. Stattdessen wurde die südafrikanische Menschenrechtsjuristin Navi Pillay ausgezeichnet.

Trump erklärte daraufhin sogar, er wolle keine Einwanderer aus Norwegen mehr in den USA haben. Hinweise auf eine entsprechende Änderung der amerikanischen Einwanderungspolitik gab es allerdings nicht.

Dabei wird der Friedensnobelpreis nicht von der norwegischen Regierung vergeben, sondern von einem unabhängigen Nobelkomitee. Norwegens Außenminister Espen Barth Eide stellte klar, dass Trump diese Unabhängigkeit sehr wohl kenne.

Auch Norwegens Tourismusorganisation macht mit

Besonders kreativ reagierte die offizielle Tourismusorganisation Visit Norway. Sie nahm den Begriff „Shithouse Country“ kurzerhand wörtlich und präsentierte einige der spektakulärsten öffentlichen Toiletten des Landes.

Unter dem Motto „Norway makes shit houses great again“ – einer Anspielung auf Trumps berühmten Wahlslogan – zeigt die Organisation architektonisch außergewöhnliche Toiletten mit Blick auf Fjorde, Berge und wilde Küstenlandschaften.

Dazu gehören beispielsweise die Toiletten am Aussichtspunkt Stegastein mit ihren großen Panoramafenstern oder die futuristisch gestaltete Anlage Ureddplassen an der norwegischen Küste.

Die Botschaft: Wenn Norwegen schon ein „beschissenes Land“ oder, wörtlich, ein „Scheißhaus-Land“ sein soll, dann wenigstens eines mit den schönsten Toiletten der Welt.

Mit Humor gegen die Beleidigung

Ob beeindruckende Naturvideos mit Trumps Originalton oder die augenzwinkernde Toilettenkampagne von Visit Norway: Die Reaktionen zeigen, wie sich eine politische Provokation in den sozialen Netzwerken ins Gegenteil verkehren lässt.

Statt dem US-Präsidenten mit ebenso scharfen Worten zu begegnen, nutzen die Norweger seine eigene Stimme, um ihr Land von seiner schönsten Seite zu zeigen.

Und möglicherweise ist genau das die wirkungsvollste Antwort auf Trumps Tirade: Während er Norwegen schlechtredet, bekommen Menschen auf der ganzen Welt Bilder zu sehen, die vor allem eines auslösen dürften – Lust auf einen Urlaub dort.