Schultüten und Zuckertüten
: Beliebter Brauch kommt aus Sachsen und Thüringen

Warum man heutzutage Schultüten zur Einschulung an die Erstklässler verschenkt.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Dresden
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Dorothea Henzler, heute Kultusministerin des Landes Hessen, steht mit einer Schultüte an ihrem ersten Schultag im April 1955 auf einer Straße in Hamburg. Für Hessens Schüler beginnt am 16. August ein neues Schuljahr. Besonders aufgeregt sind die Jungen und Mädchen, die ihren allerersten Schultag vor sich haben. Henzler (61) erinnert sich noch an ihre Schulzeit. dpa/lhe (zu lhe 7026 vom 10.08.2010) ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Woher der Brauch der Schultüte kommt.

picture alliance / dpa | Frm

Jedes Kind in Deutschland bekommt eine Schultüte zur Einschulung geschenkt. Warum eigentlich? Die Zuckertüte kommt ursprünglich aus Sachsen und Thüringen - wer hätte es gedacht! Warum die Schultüten verschenkt wurden, wie sie sich über ganz Deutschland verbreiteten und womit die Tüten früher gefüllt wurden.

Die Schultüte kommt aus Sachsen und Thüringen

Zum ersten Mal dokumentiert wurde der Brauch der Zuckertüte im Jahr 1782 in Gersdorf bei Hohenstein-Ernstthal in Sachsen. Karl Gottlieb Bretschneider schrieb in einer Autobiografie, er habe zur Einschulung eine Zuckertüte von dem Schulmeister erhalten. 1801 wurde auch in Benshausen in Thüringen einer Vergabe einer Zuckertüte durch den Kantor dokumentiert. Erich Kästner erzählte in „Als ich ein kleiner Junge war“ von einer Zuckertüte mit einer seidenen Schleife zu seiner Einschulung im Jahr 1906 in Dresden. Die Schultüte wurde den Kindern zum Schuleintritt geschenkt, um ihnen die Schulzeit im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen.

Der Brauch der Schultüten breitete sich zunächst in Mitteldeutschland aus. Berlin war die erste Großstadt, die schon vor dem 1. Weltkrieg vereinzelt die Tradition übernahm. Auch in Westdeutschland breitete sich der Brauch aus, mitunter bereits vor dem 1. Weltkrieg, aber besonders danach.

Nach der Teilung Deutschlands waren in der DDR sechseckige Schultüten und in der BRD runde verbreitet.

Was früher in den Zuckertüten war

Die Zuckertüte hat ihren Namen von ihrem ursprünglichen Inhalt: Es wurden Süßigkeiten in den Schultüten verschenkt. Erich Kästner erzählte in seinen Kindheitserinnerungen, dass in seiner Schultüte im Jahr 1906 „Bonbons, Pralinen, Datteln, Osterhasen, Feigen, Apfelsinen, Törtchen, Waffeln und goldenen Maikäfern“ waren.

Ursprünglich bekamen die Kinder die Schultüten von der Schule geschenkt. Später war es die Aufgabe der Paten, den Kindern eine Zuckertüte zu schenken. Heutzutage bekommen die Erstklässler die Schultüte von ihren Eltern.