Schon ab Mai
: Das darf nicht mehr in die Biotonne

Ab dem 1. Mai wird beim Biomüll noch genauer hingeschaut: strengere Regeln für die Biotonne treten in Kraft. Das müssen Sie jetzt wissen.
Von
Nicole Züge
Cottbus
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ARCHIV - Eine rheinland-pfälzische Biotonne steht am 07.03.2014 in einem Innenhof in Mainz (Rheinland-Pfalz). Foto: Fredrik von Erichsen/dpa (zu dpa "Biotonnen-Pflicht ab Januar" vom 29.12.2014) +++ dpa-Bildfunk +++

Ab dem 1. Mai gelten strengere Regeln für den Biomüll. Was darf dann noch in die Biotonne, was nicht? (Symbolbild)

Frederik von Erichsen / dpa

Ab dem 1. Mai 2025 treten strengere Regeln für den Biomüll in Kraft. Ein sehr beliebtes Produkt darf dann in den meisten Kommunen nicht mehr in die Biotonne. Das zwingt Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher zum Umdenken. Worum es sich handelt und welche Alternativen es gibt.

Biomüll und Biotonne: Darum ist der organische Abfall so wertvoll

Küchenreste, Lebensmittel und Grünabfälle aus dem Garten sind bei der Mülltrennung in den letzten Jahren als wertvolle Ressourcen noch mehr in den Fokus gerückt. Bereits seit 2015 gibt es die EU-Vorgabe, organische Abfälle getrennt über die Biotonne zu entsorgen. Die organischen Abfälle werden in Vergärungsanlagen zu Biogas (zum Heizen) und zu Kompost verarbeitet. Das spart Ressourcen und reduziert auch das Restmüllaufkommen. Ein Beispiel: Laut der Berliner Stadtreinigung (BSR) werden jährlich 2,5 Millionen Liter Diesel durch Biogas ersetzt, welches aus Bioabfall hergestellt wurde. Somit werden allein in Berlin jährlich mehr als 9.000 Tonnen CO₂ eingespart. In Cottbus werden nach Angaben der Stadt aus 1.000 Kilogramm Bioabfall etwa 160 Kilowattstunden Strom, 160 Kilowattstunden Wärme und um die 350 Kilogramm Kompost gewonnen.

Ab 1. Mai strengere Regeln für den Biomüll

Damit der Bioabfall aber auch wirklich reibungslos und effizient verwertet werden kann, muss er möglichst frei von Fremdstoffen sein. Ab Mai tritt darum eine Gesetzesnovelle in Kraft, die sich genau auf diese Fremdstoffe bezieht. Demnach dürfen künftig maximal 3 Prozent Fremdstoffe im Biomüll enthalten sein, bei Kunststoff liegt die Obergrenze sogar bei maximal 1 Prozent.

Biomüll-Kontrollen: So sollen Müllsünder auffliegen

Das Gesetz an sich gilt bundesweit, die Umsetzung obliegt aber den einzelnen Landkreisen. Manche Landkreise wie Esslingen oder Böblingen in Baden-Württemberg wollen in Zukunft mithilfe von KI gegen Müllsünden vorgehen. Dazu werden Fahrzeuge mit KI-basierter Kameraerkennungstechnologie eingesetzt. Die Sensoren können dann schon vor der Leerung erkennen, ob die Biotonne richtig befüllt ist. Befinden sich zu viele Fremdstoffe in der Biotonne, bleibt diese Tonne ungeleert am Straßenrand stehen. Auch Techniken, die eine digitale Sperrung der grünen Tonne ermöglichen, werden in Deutschland bereits getestet.

In Ulm soll es ab dem Sommer sogar möglich sein, einzelne Tonnen digital zu sperren. Eine Freigabe erfolgt dann erst nach Zahlung einer Strafe von 25 Euro. Bereits im Jahr 2020 hatte Ulm rote und gelbe Karten eingeführt, um Biomüll-Sünden einzudämmen. Andere Bundesländer planen eine kostenpflichtige Entsorgung falsch befüllter Tonnen über den Restmüll. Diese Strafen treffen nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mieterinnen und Mieter, die die zusätzlichen Gebühren und Strafen dann über die Betriebskosten mittragen müssen.

Die Alba-Gruppe, die zum Beispiel in Braunschweig und Cottbus den Müll entsorgt, testet bereits seit längerer Zeit neue Technologien, um die Qualität des Biomülls bei der Abfuhr zu prüfen. Eingesetzt wird das Detektorensystem „Deep Scan“, welches Fremdstoffe wie Plastik, Baby-Windeln und Kaffeekapseln erkennen soll. Zusätzlich werden weitere Verfahren zur Analyse der Inhalte von Biomülltonnen getestet.

Dürfen Bio-Plastikbeutel in die Biotonne? Das gilt ab dem 1. Mai

Kunststoffe sollen also auf ein Minimum eingeschränkt werden. Aber wie steht es um die beliebten Bioabfallsammelbeutel aus Bioplastik? Die sind oft auf Basis von Stärke hergestellt und sollen vollständig kompostierbar sein. Bioplastiktüten mit einer anerkannten Zertifizierung (Voraussetzungen kann man hier einsehen) sind grundsätzlich erlaubt. Viele Kommunen erlauben sie aber dennoch nicht oder bitten (z.B. Berlin) darum, diese Beutel nicht einzusetzen. Stattdessen sollte man Bioabfallbeutel aus Papier nutzen oder die Küchenreste (besonders sehr feuchte Abfälle) in Zeitungspapier einwickeln. Es ist also ratsam, sich beim örtlichen Entsorgungsunternehmen zu erkundigen, ob Bio-Plastikbeutel grundsätzlich verwendet werden dürfen.

Laut der Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft (INAK) können Detektorensysteme wie „Deep Scan“ richtig zertifizierte Bioabfallbeutel erkennen. Die Berliner Stadtreinigung bittet allerdings zum Beispiel darum, keine Plastikbeutel jedweder Art zu verwenden, da diese in den Sortieranlagen aufwendig aussortiert werden müssen.

Was gehört in die Biotonne?

In die Biotonne dürfen: Eierschalen, feste Speisereste, Wurst, Fleisch, Fisch, Gemüse- und Obstabfälle (auch Südfrüchte), Kaffeefilter, Kaffeesatz und Teebeutel, Küchen- und Papiertücher, Baum- und Strauchschnitt in Kleinmengen, Laub, Rasenschnitt, Topf- und Balkonpflanzen mit Erde, Unkräuter und Wildkräuter sowie verwelkte Blumen.

Nicht in die Biotonne gehören: Kunststoffbeutel, flüssige Speisereste (z. B. Öl, Getränke), Hydrokultur-Substrat, Kehricht, Kleintierstreu, Katzenstreu, Kohle- und Holzasche sowie Ölruß, Leder- und Kleiderreste, Staubsaugerbeutel, Windeln, Zigarettenkippen und -asche.

Stinkt eine Biotonne und welcher Standort ist geeignet?

Eine Biotonne stinkt nicht und zieht auch kein Ungeziefer an, wenn sie richtig behandelt wird. Nach der Leerung kann sie in den Sommermonaten mit etwas Wasser gespült werden. Eine Lage Zeitungspapier am Boden verhindert, dass Reste kleben bleiben. Feuchte oder sehr nasse Küchenabfälle sollten in Zeitungspapier eingewickelt werden. Auch der Standort ist wichtig: Die Biotonne sollte an einem schattigen, kühlen Ort stehen, um Madenbefall vorzubeugen. Der Deckel muss stets geschlossen sein. Nicht als Aufstellort geeignet sind Innenräume.

Welchen Vorteil hat die Biotonne gegenüber einem Komposthaufen?

Menschen mit Haus und Grundstück können Biomüll teilweise auch selbst kompostieren. Die BSR gibt an, dass dies nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist. Um eine Überdüngung zu vermeiden, sollte laut BSR idealerweise die Aufbringungsfläche für den Kompost 50 m² pro Person betragen. Bei weniger als 25 m² pro im Haushalt lebender Personen kann nicht mehr von einer sachgerechten Nutzung des Kompostes ausgegangen werden.

Wer also einen großen Garten hat und den wertvollen Kompost selbst verwenden möchte, kann dies weiterhin tun. Auch die Gesetzesnovelle ab dem 1. Mai ändert daran nichts. Allerdings können auf dem Kompost eben doch nicht alle Küchenabfälle verwertet werden: Fleisch, Milchprodukte, Käse – all das darf nicht auf dem Kompost landen. Auch gekochte Speisereste gehören nicht hinein. All diese Dinge kann man allerdings über eine Biotonne wieder in den Kreislauf zurückgeben und so einen bedeutenden Teil zur Müllvermeidung und Nachhaltigkeit beitragen.