Sanktionen in Russland: Leitzins, Rubel, Börse – Russische Wirtschaft hart getroffen

Der Wert der russischen Währung Rubel sinkt. Die Europäische Union hat in der Nacht zum Montag ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft gesetzt.
Sven Hoppe/dpaDie EU, USA und andere Staaten wie Singapur und Japan haben schwere Sanktionen gegen Russland beschlossen. Grund dafür ist die Invasion in der Ukraine, die die Weltgemeinschaft schockiert hat. Die Sanktionen sollen die russische Wirtschaft schwer treffen. Am Montag, 28. Februar 2022, war der erste Wochentag nach den beschlossenen Sanktionen: Der Rubel ist abgestürzt.
- Wirtschaftliche Sanktionen: Wie wirken sie sich auf die Börse aus?
- Der Rubel verliert an Wert – was sind die Konsequenzen?
- Der Reaktion der Notenbank: Leitzins anheben – warum?
- Was passiert, wenn es einen „bank run“ in Russland gibt?
Russische Börse macht Montag nicht auf – Rubel verliert an Wert
Die verschärften Sanktionen des Westens gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs haben die russische Währung zum Absturz gebracht und die Zentralbank zu drastischen Maßnahmen veranlasst. Der Rubel brach am Montagmorgen um mehr als 20 Prozent ein. Die russische Zentralbank verdoppelte zur Stärkung ihrer Währung den Leitzins - von 9,5 Prozent auf 20 Prozent. Moskau gestand ein, dass die Sanktionen „hart“ seien.
Der Rubel stand zum Handelsbeginn am Montagmorgen bei knapp 101 zum Dollar und bei gut 113 zum Euro - verglichen mit 83,50 beziehungsweise 93,50 vor Russlands Angriff auf das Nachbarland. Das war eine direkte Reaktion auf die Ankündigung aus Brüssel, eine Reihe russischer Banken auf dem internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen und Russlands Zentralbank zu sanktionieren.
Damit könnten die betroffenen Banken nicht mehr mit Geldhäusern in anderen Ländern kommunizieren, was Zahlungen und Warenströme empfindlich treffen dürfte. Der Zentralbank soll es erschwert werden, mit internationalen Finanzgeschäften den Rubel zu stützen. Das alles schwächt die Nachfrage nach der russischen Währung massiv und lässt ihren Wert sinken.
Abwertung einer Währung – einfach erklärt
Das, was in Russland gerade passiert, ist eine massive Abwertung der Währung (Rubel). Das bedeutet, dass der Rubel aktuell im Vergleich zu anderen internationalen Währungen weniger Wert ist. Das muss an sich nicht nur etwas schlechtes sein – manchmal versuchen Banken auch absichtlich, die heimische Währung abzuwerten. Wenn eine Währung abgewertet wird, dann werden Exporte für das Ausland attraktiver. Denn: Der Kauf der Güter in einer billigeren Währung als der heimischen ist natürlich von Vorteil für den Auslandskunden. Das kurbelt die Wirtschaft an. Im Gegenzug sind Importe, also im Ausland produzierte Waren, teurer.
Das aktuelle Problem für Russland: Die Sanktionen verhindern auch, dass ausländische Partner mit Russland handeln. Der Export wird ebenfalls gestoppt, sodass es keine Chance gibt, durch die Abwertung die Wirtschaft anzukurbeln. Den Vorteil der Abwertung kann die russische Wirtschaft also nicht nutzen – und erntet nur die Nachteile. Das ist im Grunde auch das erklärte Ziel: „Unsere Strategie ist es, einfach ausgedrückt, dafür zu sorgen, dass die russische Wirtschaft sich zurückentwickelt - so lange Präsident [Wladimir] Putin sich entscheidet, die Invasion in die Ukraine voranzutreiben“, sagte das US-Finanzministerium.
Wertverlust - kommt die Hyperinflation?
Wenn der Rubel weiter an Wert verliert, steigt die Inflation. Die Inflation wird auch Teuerung genannt – Güter und Waren werden nämlich teurer. Das bedeutet, dass mehr Geld benötigt wird, um die gleichen Güter zu kaufen. Also: Die Menschen heben mehr Geld ab, es ist also mehr Geld im Umlauf, was die Inflation weiter anheizen kann. Um dagegen zu steuern kann eine Zentralbank den Leitzins anheben (siehe unten).
Inflationen gehören in der Regel zum normalen wirtschaftlichen Auf und Ab. Es gibt aber ein Gespenst: Die Hyperinflation. Die Hyperinflation wird definiert als eine Inflationsrate von über 50 %. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Inflationssrate aktuell bei rund 5%. In Russland lag sie im Januar 2022 bei etwa 9%. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Hyperinflation so:
„Bei Hyperinflation nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu, da jeder sein Geld möglichst sofort für Güter ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.“
Russlands Präsident Wladimir Putin wollte noch am Montag mit seinen Ministern über die Folgen der Strafmaßnahmen für die Wirtschaft seines Landes beraten. „Die Sanktionen sind hart, sie bereiten Probleme“, räumte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ein. „Aber Russland hat das nötige Potenzial, um den Schaden auszugleichen.“ Putin werde sich mit „Wirtschaftsfragen“ befassen und wichtige Minister treffen.
„Bank run“ in Russland: Was bedeutet das?
Eine weitere Sorge, die infolge der Sanktionen die russische Wirtschaft umtreiben könnte ist der sogenannte „bank run“ – also einen Sturm auf die Banken. Beim bank run versuchen sehr viele Menschen gleichzeitig ihr Geld abzuheben, was für Banken extrem gefährlich ist, da sie so viel Geld in Bar gar nicht parat haben. Das heißt, dass im schlimmsten Fall eine Bank wegen eines Bankenansturms insolvent wird.
Schon in den vergangenen Tagen war der Rubel wegen des Krieges eingebrochen. Am Wochenende bildeten sich noch vor Bekanntwerden der neuen Maßnahmen Schlangen vor russischen Bankautomaten. Die Menschen versuchen eilig, ihre ersparten Rubel abzuheben und sie in ausländische Devisen umzutauschen, bevor die Kurse weiter fallen. Außerdem hatten kürzlich sanktionierte Banken zu bedenken gegeben, dass die Nutzung von Visa- und Mastercard-Karten im Ausland unmöglich sei und das Abheben von Bargeld empfohlen.
Leitzins in Russland: Zentralbank will Inflation stoppen
Russland hatte schon vor dem Angriff auf die Ukraine und den Sanktionen des Westens eine sehr hohe Inflation; die Zentralbank hatte den Leitzins in mehreren Schritten bereits stark angehoben. Der Zinssatz gilt als wichtigstes Instrument im Kampf gegen die Teuerung, da eine Zentralbank damit die Menge und somit auch den Wert des Geldes beeinflussen kann. Steigt der Zins, verteuert das Kredite und die im Umlauf befindliche Geldmenge sinkt - das hält auch den Währungsverfall auf.
Die Zentralbank in Moskau reagierte mit einem mehr als verdoppelten Leitzins. Damit wolle sie „finanzielle Stabilität und Preisstabilität gewährleisten und die Ersparnisse der Bürger vor Wertminderung schützen“, erklärte die Notenbank. Weitere Anpassungen schloss sie nicht aus. Russische Firmen, die Einkommen aus Exporten erzielen, müssen außerdem 80 Prozent ihrer ausländischen Devisen verkaufen.
Unterdessen kappten weitere europäische Firmen ihre Zusammenarbeit mit Russland. Daimler Truck fror alle Aktivitäten mit seinem russischen Kooperationspartner Kamaz ein. „Mit sofortiger Wirkung“ würden die geschäftlichen Aktivitäten in Russland bis auf Weiteres eingestellt, hieß es. Im Gemeinschaftsunternehmen werden Lkw und Kabinen gebaut. Der norwegische Energiekonzern Equinor verkündete einen Stopp seiner Investitionen in Russland sowie den Rückzug aus Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Partnern.
Sanktionen Folgen: Ein Fazit
Die Sanktionen hindern die russische Zentralbank daran, den Wertverlust des Rubel wirklich zu stoppen. Das Land kann nicht ohne Weiteres mit anderen Ländern handeln, kann die abstürzende Währung nicht in Dollar oder Euro umwandeln. Eine schwere Bankkrise könnte die Folge sein. Die Folgen der Sanktionen werden aber nicht sofort sichtbar sein.

