Richard Lutz
: Chef der Deutschen Bahn muss gehen

Ursprünglich lief der Vertrag von Richard Lutz als Vorstandschef noch bis 2027. Jetzt wurde bekannt, dass dieser vorzeitig beendet wird.
Von
David Hahn
Berlin
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(FILES) Richard Lutz, chairman of German railway operator Deutsche Bahn (DB), listens during a press conference to present the groups's annual results on March 28, 2019 in Berlin. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Richard Lutz während einer Pressekonferenz der Deutschen Bahn 2019.

TOBIAS SCHWARZ/AFP

Die Deutsche Bahn steht vor einem Führungswechsel: Vorstandschef Richard Lutz, seit 2017 im Amt, wird sein Mandat vorzeitig niederlegen. Obwohl sein Vertrag noch bis 2027 läuft, soll der 61-Jährige den Konzern nur noch leiten, bis ein Nachfolger gefunden ist, wie die Deutsche Presse-Agentur am 14. August 2025 berichtet.

Deutsche Bahn unter Richard Lutz: Pünktlichkeit nahm ab

Lutz leitet den bundeseigenen Konzern seit Anfang 2017. Davor war er von 2010 bis 2017 Finanzvorstand der DB. Im Konzern arbeitet der 61 Jahre alte Pfälzer seit 1994. Lutz gilt laut dpa als disziplinierter Arbeiter und guter Schachspieler. Seine Arbeitstage beginnen in der Regel bereits um 4.00 Uhr morgens und dauern bis in den späten Abend. Auch am Wochenende machte er selten frei. Bis zuletzt betonte er seine Leidenschaft für den Job und die Verbindung zum Unternehmen. Solange man ihn lasse, sei er mit Freude dabei, hieß es stets. Jetzt muss Lutz seinen Posten jedoch räumen.

Seit Jahren steckt die Bahn in einer wirtschaftlichen und betrieblichen Krise. Hintergrund für die Personalentscheidung seien laut dpa anhaltende wirtschaftliche Probleme, massive Verspätungen und eine marode Infrastruktur. Unter Lutz sank die Pünktlichkeit im Fernverkehr von 78,5 Prozent im Jahr 2017 auf 62,5 Prozent 2024. Der bundeseigene Konzern schreibt seit Jahren rote Zahlen. Mit einem im vergangenen Jahr gestarteten Sanierungsprogramm wollte Lutz die Bahn durch Generalsanierungen und einen Stellenabbau auf Kurs bringen, der schnelle Erfolge blieb jedoch aus.

Richard Lutz trägt Einschätzungen der dpa nicht allein die Verantwortung für die Krise der Deutschen Bahn. Die Probleme seien auch auf jahrzehntelange Unterinvestitionen in Sanierung, Instandhaltung und Ausbau der Infrastruktur sowie auf das wenig erfolgreiche Handeln seiner Vorgänger zurückzuführen.

Abgang nach Regierungswechsel

Mit dem früheren Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) arbeitete Lutz eng zusammen, insbesondere beim Generalsanierungsprogramm. Nach dem Regierungswechsel verschlechterte sich das Verhältnis zum neuen Minister Patrick Schnieder, und es wurde früh über Lutz’ Abgang spekuliert. Lutz kritisierte trotz zusätzlicher Milliardenhilfen die unzureichende Finanzierung und warnte, ohne höhere Förderungen für Trassenpreise könne es zu Angebotskürzungen im Fernverkehr kommen, was Kritiker als Drohung deuteten.

Nachfolger gesucht

Gerüchte um mögliche Nachfolger nennen unter anderem die DB-Regio-Chefin Evelyn Palla und Ex-Staatssekretär Jörg Kukies. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will im Spätsommer eine neue Bahn-Strategie vorstellen. Eine kurzfristige Verbesserung für Fahrgäste ist jedoch nicht in Sicht.