Rätselhaftes Phänomen
: Plötzlich ein lauter Knall im Kopf beim Einschlafen?

Kurz vor dem Einschlafen nehmen Betroffene ein lautes Geräusch wahr, als würde ihr Kopf explodieren: Dabei könnte es sich um das Exploding Head Syndrome handeln.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Ein Mann liegt mit Schlafstörungen im Bett: ILLUSTRATION - Schlafprobleme infolge des Jetlags können einem am Reiseziel länger begleiten. (zu dpa: «Kampf mit innerer Uhr: Wie Jetlag entsteht – und was hilft») Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Ein Mann liegt mit Schlafstörungen im Bett. (Symbolbild)

Christin Klose/dpa-tmn/dpa

Gerade noch döst man ein – und dann passiert es: Ein lauter Knall, ein explosionsartiges Geräusch oder das Gefühl, als wäre direkt neben dem Bett etwas detoniert. Viele Menschen schrecken in diesem Moment panisch hoch. Manche befürchten sogar einen Schlaganfall oder eine andere ernste Erkrankung.

Doch hinter dem erschreckenden Erlebnis steckt oft etwas ganz anderes: das sogenannte Exploding Head Syndrome.

Der „explodierende Kopf“ ist real – aber meist harmlos

Trotz seines dramatischen Namens hat das Exploding Head Syndrome (EHS) nichts mit einer tatsächlichen Explosion zu tun. Betroffene hören beim Einschlafen oder kurz vor dem Aufwachen plötzlich einen extrem lauten Knall, einen Schuss, einen Donnerschlag oder ein anderes explosives Geräusch.

Manche berichten zusätzlich von hellen Lichtblitzen oder einem kurzen Zucken des Körpers.

Das Besondere: Obwohl die Erfahrung oft beängstigend ist, verursacht sie normalerweise keine Schmerzen. Experten ordnen das Phänomen den sogenannten Parasomnien zu – also ungewöhnlichen Erlebnissen rund um den Schlaf.

Viele glauben zunächst an einen medizinischen Notfall

Wer das Exploding Head Syndrome zum ersten Mal erlebt, denkt häufig an eine schwere Erkrankung. Das ist verständlich: Das Geräusch wirkt oft so real, dass Betroffene überzeugt sind, es müsse eine äußere Ursache geben.

Mediziner gehen jedoch davon aus, dass das Phänomen selbst in der Regel ungefährlich ist. Problematisch sind vor allem die Folgen: Angst vor dem Einschlafen, nächtliches Aufschrecken und eine schlechtere Schlafqualität.

Einige Menschen vermeiden nach wiederholten Episoden sogar bewusst das Zubettgehen, weil sie befürchten, den Knall erneut zu erleben.

Wie fühlt sich das Exploding Head Syndrome an?

Die Beschreibungen ähneln sich weltweit erstaunlich stark. Betroffene berichten unter anderem von:

  • einem lauten Knall oder Explosionsgeräusch
  • dem Eindruck eines Schusses oder Donnerschlags
  • hellen Lichtblitzen vor den Augen
  • plötzlichem Herzrasen nach dem Ereignis
  • Muskelzuckungen oder einem kurzen Erschrecken

Die Episode dauert meist nur Sekundenbruchteile. Schmerzen treten normalerweise nicht auf.

Warum kommt es zu dem rätselhaften Knall?

Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Forscher vermuten, dass während des Übergangs zwischen Wachsein und Schlaf bestimmte Bereiche des Gehirns nicht synchron „herunterfahren“.

Eine verbreitete Theorie geht davon aus, dass Nervenzellen, die für die Verarbeitung von Geräuschen zuständig sind, in diesem Moment kurzzeitig gleichzeitig aktiv werden. Das Gehirn interpretiert diese Aktivität dann als lauten Knall, obwohl tatsächlich kein Geräusch vorhanden ist.

Daneben werden weitere mögliche Auslöser diskutiert, darunter:

  • Stress und psychische Belastungen
  • Schlafmangel
  • Migräne
  • Veränderungen bestimmter Medikamente
  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus

Häufiger als lange angenommen

Lange galt das Exploding Head Syndrome als seltene Kuriosität. Neuere Untersuchungen zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Studien deuten darauf hin, dass überraschend viele Menschen mindestens einmal im Leben eine solche Episode erleben. Besonders bei jüngeren Erwachsenen wurden deutlich höhere Zahlen festgestellt als früher angenommen.

Viele Betroffene sprechen allerdings nie darüber – oft aus Sorge, nicht ernst genommen zu werden oder weil sie das Erlebnis selbst nicht einordnen können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein einzelnes Erlebnis ist meist kein Grund zur Sorge. Wer jedoch regelmäßig unter nächtlichen Knallgeräuschen leidet, starke Ängste entwickelt oder andere Beschwerden bemerkt, sollte die Symptome ärztlich abklären lassen.

Wichtig ist vor allem die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen oder Schlafstörungen.

Was hilft gegen das Exploding Head Syndrome?

Eine spezielle Standardtherapie gibt es bislang nicht. Experten empfehlen vor allem Maßnahmen, die den Schlaf stabilisieren und Stress reduzieren.

Dazu gehören:

  • ausreichend Schlaf
  • feste Schlafenszeiten
  • weniger Stress im Alltag
  • Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga
  • Verzicht auf Alkohol und andere schlafstörende Substanzen

Viele Betroffene berichten bereits von einer Besserung, nachdem sie erfahren haben, dass das Phänomen zwar erschreckend, aber in den meisten Fällen harmlos ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

Ein lauter Knall im Kopf kurz vor dem Einschlafen kann beängstigend wirken. Dahinter steckt jedoch oft das Exploding Head Syndrome – eine ungewöhnliche, aber meist harmlose Schlafstörung. Obwohl die Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, sprechen aktuelle Erkenntnisse dafür, dass deutlich mehr Menschen betroffen sind als lange angenommen wurde. Wer wiederholt darunter leidet oder unsicher ist, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen.