Märtha Louise von Norwegen: Warum sie nicht Königin von Norwegen geworden ist

Nach dem Tod von König Harald: 31.08.2026, Norwegen, Oslo: Königin Sonja und Prinzessin Märtha Louise stehen auf dem Schlossplatz. König Harald V. ist am 28.08.2026 im Alter von 89 Jahren gestorben. Foto: Cornelius Poppe/NTB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Cornelius Poppe/NTB/dpaEigentlich könnte man auf den ersten Blick erwarten, dass Märtha Louise nach ihrem Vater Königin geworden wäre. Sie kam am 22. September 1971 zur Welt und ist damit das älteste Kind von König Harald V. und Königin Sonja. Ihr Bruder Haakon wurde erst am 20. Juli 1973 geboren.
Doch bei der norwegischen Thronfolge entschied damals nicht allein das Geburtsdatum, sondern auch das Geschlecht. Als Märtha Louise geboren wurde, konnten Frauen den norwegischen Thron nach den damals geltenden Regeln nicht erben. Sie hatte bei ihrer Geburt deshalb überhaupt keinen Platz in der Thronfolge. Als knapp zwei Jahre später Haakon zur Welt kam, war er als Sohn des damaligen Kronprinzen Harald dessen vorgesehener Nachfolger.
Norwegen änderte 1990 die Thronfolge
Das änderte sich erst im Jahr 1990. Am 29. Mai beschloss das norwegische Parlament eine Reform der Verfassung: Seither soll grundsätzlich das älteste Kind Vorrang haben – unabhängig davon, ob es sich um einen Sohn oder eine Tochter handelt.
Damit erhielt auch Märtha Louise ein Recht auf den norwegischen Thron. Die Änderung wurde für ihre Generation jedoch nicht vollständig rückwirkend angewendet. Für Mitglieder der Königsfamilie, die vor 1990 geboren wurden, blieb die Regel bestehen, dass ein Mann vor einer Frau steht. Genau diese Übergangsbestimmung sorgte dafür, dass der 1973 geborene Haakon seinen Platz vor seiner 1971 geborenen Schwester behielt.
Märtha Louise wurde also nicht deshalb übergangen, weil das Königshaus oder ihr Vater dies entschieden hätten. Die Reihenfolge war durch die norwegische Verfassung festgelegt.
Bei Ingrid Alexandra gelten andere Regeln

Kronprinzessin Ingrid Alexandra (l) und ihr Bruder Sverre Magnus.
ODD ANDERSEN/afpWie groß der Unterschied zwischen den Generationen ist, zeigt Haakons eigene Familie. Seine Tochter Ingrid Alexandra wurde 2004 geboren, ihr Bruder Sverre Magnus 2005. Für beide gilt bereits die geschlechtsunabhängige Thronfolge. Deshalb steht Kronprinzessin Ingrid Alexandra als älteres Kind an erster Stelle der Thronfolge, obwohl sie einen jüngeren Bruder hat.
Nach dem Tod Haralds V. und dem Amtsantritt von Haakon VIII. steht Ingrid Alexandra damit unmittelbar hinter ihrem Vater. Es folgt Prinz Sverre Magnus. Märtha Louise ist derzeit die Nummer drei der norwegischen Thronfolge.
Märtha Louises Rückzug hat damit nichts zu tun
Nicht zu verwechseln ist die Frage der Thronfolge mit Märtha Louises heutiger Rolle im Königshaus. 2022 entschied sie in Absprache mit König Harald und ihrer Familie, keine offiziellen Aufgaben für das Königshaus mehr wahrzunehmen. Damit sollte vor allem eine deutlichere Trennung zwischen ihren kommerziellen Tätigkeiten und ihrer Zugehörigkeit zur Königsfamilie geschaffen werden. Ihre Prinzessinnentitel behielt sie.
Auf ihre Stellung in der Thronfolge hatte dieser Schritt keinen Einfluss. Dass Haakon und nicht Märtha Louise König wurde, war bereits seit Jahrzehnten verfassungsrechtlich festgelegt.
Die Besonderheit dürfte sich in der nächsten Generation nicht wiederholen: Sollte Ingrid Alexandra eines Tages ihrem Vater auf den Thron folgen, wäre sie die erste norwegische Königin der modernen Monarchie, die aufgrund der heute geltenden geschlechtsneutralen Erbfolge an die Spitze des Staates gelangt.

