Legionellen auf Kreta
: So schützt man sich im Urlaub vor einer Infektion

Auf der griechischen Insel Kreta wurden in unzähligen Wasserproben Legionellen gefunden. So können Urlauber sich schützen.
Von
Nicole Züge
Berlin/Heraklion
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Tourismus in Griechenland: ARCHIV - 13.05.2022, Griechenland, Chania: Touristen genießen den Swimmingpool des Panorama-Hotels in Agia Marina, in der Nähe der Stadt Chania auf der Insel Kreta. (zu dpa: «Brand auf Kreta ausgebrochen - Hotels evakuiert») Foto: Socrates Baltagiannis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kurz vor der Sommerurlaubs-Saison gibt es Legionellen-Alarm auf Kreta. Ein Experte gibt Hinweise, wie man sich schützen kann.

Socrates Baltagiannis/dpa

Auf Kreta wurden in zahlreichen Wasserproben gesundheitsgefährdende Legionellen nachgewiesen. „Das pathogene Bakterium scheint außer Kontrolle zu geraten“, warnt Antonis Papadakis, Direktor für öffentliche Gesundheit in Heraklion. Eine britische Urlauberin liegt nach einer Infektion im künstlichen Koma. Behörden und Hoteliers beraten über Schutzmaßnahmen. Die wichtigsten Fakten zur Lage, den Risiken und zum eigenen Schutz im Urlaub.

Legionellen-Alarm auf Kreta: Was bisher passiert ist

Nach übereinstimmenden Berichten griechischer Medien hat sich eine 57-jährige Touristin aus Großbritannien Mitte Juni mit Legionellen infiziert. Sie wird derzeit im Venizelio-Krankenhaus in Heraklion intensivmedizinisch behandelt. Ihr Zustand ist kritisch. Die Patientin liegt intubiert im künstlichen Koma. Am 17. Juni fand eine Krisensitzung unter Leitung der Gesundheitsbehörden statt. Beteiligt waren unter anderem Vertreter der Tourismusbranche sowie Experten des öffentlichen Gesundheitswesens. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Hotels besser kontrolliert und Gäste wirksamer geschützt werden können.

Hälfte aller Wasserproben positiv: „Besorgniserregend“

Die regionale Gesundheitsbehörde spricht von „besorgniserregenden“ Befunden. In fast der Hälfte der untersuchten Wasserleitungen auf Kreta wurden Legionellen nachgewiesen. Die Gefahr sei real, betont Papadakis: „Wir müssen handeln, um den Tourismus zu schützen. Es geht nicht um Panik, sondern um Prävention.“ Geplant sind jetzt Schulungen für Hotelpersonal und engmaschigere Kontrollen von Wasseranlagen. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, sei eine Reisewarnung durch die EU-Gesundheitsbehörde möglich, so Papadakis.

Was macht Legionellen so gefährlich?

Legionellen vermehren sich in stehendem Wasser mit Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) können sie beim Einatmen feiner Wassertröpfchen in die Lunge gelangen – etwa beim Duschen. Das Bakterium verursacht zwei Krankheitsbilder:

1. Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie):

  • Schwere Lungenentzündung
  • Häufig Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Verwirrtheit, Durchfall
  • Inkubationszeit: 5 bis 6 Tage
  • Lebensbedrohlich für Ältere, Raucher, Immungeschwächte und Menschen mit Vorerkrankungen

2. Pontiac-Fieber:

  • Grippeähnlicher Infekt ohne Lungenentzündung
  • Tritt meist plötzlich auf
  • Typische Symptome: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten
  • Verläuft mild, heilt meist ohne Antibiotika aus

Schutz im Hotel: So lässt sich das Risiko senken

Wasserinstallationen in Hotels sind potenzielle Quellen für Legionellen, vor allem bei selten genutzten Leitungen. Dr. Peter Arens, Trinkwasserfachmann beim Armaturenhersteller Schell, gibt Tipps, wie man sich im Urlaub vor Legionellen schützen kann:

  • Schritt 1: Vor der ersten Nutzung dreht man den Wasserhahn am Waschtisch nach ganz rechts auf „kalt“ und hält den Handrücken unter den Wasserstrahl. Kommt es lauwarm, wartet man, bis es sich kühler anfühlt. Danach wiederholt man diese Vorgehensweise in der Stellung warm und wartet, bis heißes Wasser kommt - doch Vorsicht, Verbrühungsgefahr!
  • Schritt 2: Danach macht man dasselbe kurz in der Dusche. Um dabei ein möglicherweise gefährliches Wasser-Luft-Legionellen-Gemisch erst gar nicht entstehen zu lassen oder gar einzuatmen, nimmt man die Brause in die Hand und lässt das Wasser auf kurzem Weg direkt in die Duschtasse ablaufen. Dann ist auch das kritische Wasser im Brauseschlauch ausgetauscht, erklärt Arens.

Die Bild-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet. Grundlage war der Bericht von Creta24.gr.