Kultige DEFA-Filme
: Wer diese Märchen kennt, ist im Osten aufgewachsen

DEFA-Märchen sind auch heute noch Kult. Diese DDR-Filme wecken Kindheitserinnerungen bei denjenigen, die in der ehemaligen DDR groß wurden.
Von
Nicole Züge
Frankfurt (Oder)
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MDR FRAU HOLLE, DEFA Spielfilm von 1963 nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm, Regie Gottfried Kolditz, am Samstag (16.09.00) um 16.00 Uhr im MDR Fernsehen.
Pechmarie (Katharina Lind, li.), Witwe (Elfriede Florin).
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Der DEFA-Film Frau Holle und viele weitere DDR-Märchen sind heute noch Kult. Wer diese beliebten Märchen kennt, ist im Osten aufgewachsen.

Horst Blümel/MDR/Progress

Wer im Osten groß geworden ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schon mindestens ein DEFA-Märchen gesehen. Die DDR-Filme bestechen durch eine, für damalige Zeiten, liebevolle Ausstattung mit handgenähten Kostümen und Spezialeffekten. Gerade letztere sind oft komplett aus der Zeit gefallen, gerade das macht aber für viele Menschen die Faszination der ostdeutschen, russischen oder tschechischen Produktionen aus.

Gerade zur Weihnachtszeit gehören die DDR-Märchenfilme für viele Familien zum festen Ablauf im Weihnachtsprogramm. Das sind die beliebtesten DEFA-Märchen, die auch heute im Osten noch unzählige viele Fans haben.

Das kalte Herz(1950)

Das düstere Märchen von Wilhelm Hauff erzählt die Geschichte vom armen Köhler Peter, der sein Herz verliert. Der Stoff ist eines der bekanntesten Märchen der Romantik und veranlasste die DEFA seinerzeit, daraus einen Film zu machen. Es sollte allerdings nicht nur das erste DEFA-Märchen überhaupt werden, sondern auch der erste DEFA-Film in Farbe. Das war nicht günstig: „Das kalte Herz“ kostete ganze 4 Millionen DDR-Mark. Kostentreiber waren vor allem die vielen Trickeinstellungen im Film. Der Film wurde während der Produktion von DEFA-Mitarbeitenden selbst aufgrund der hohen Produktionskosten und der düsteren Inszenierung kritisiert, lockte dann allerdings knapp 10 Millionen Menschen ins Kino. Der immense Erfolg legte den Grundstein für die weitere Märchenfilmproduktion in der damaligen DDR.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973)

Der DEFA-Film von 1974 ist eine tschechische Produktion und basiert auf einer Abwandlung des Grimm-Märchens Aschenputtel. Die Vorlage schrieb die tschechische Autorin Božena Němcová zwischen 1842 und 1845. Gedreht wurde „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ an mehreren Orten: Teile entstanden auf Schloss Moritzburg in Sachsen, wo heute im Winter die Aschenbrödel-Ausstellung stattfindet. Die Studioaufnahmen wurden in den DEFA-Studios Babelsberg und in den Barrandov-Studios in Prag produziert. Außenaufnahmen entstanden im Böhmerwald und auf Burg Schihau (Švihov) in Tschechien. Der DDR-Film wird noch heute mehrmals pro Jahr im Fernsehen gezeigt, vor allem kurz vor oder an Weihnachten.

Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“: HANDOUT - 24.12.2022, ---: ARCHIV - Der Prinz (Pavel Trávnícek) passt Aschenbrödel (Libuse Safránková) den verlorenen Schuh an - eine Szene aus «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» (undatiert). Der Film wird am 17.12.2023 um 15:50 Uhr im Ersten gezeigt. Der MDR feiert das 50. Jubiläum von «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» und blickt in einer Dokumentation erstmals auch hinter die Kulissen des Märchenklassikers. (zu dpa: «Weihnachtsfilme: Viel mehr als Kitsch mit Happy End») Foto: Degeto/WDR/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist eines der beliebtesten DEFA-Märchen.

Degeto/WDR/dpa

Frau Holle (1963)

Der Film „Frau Holle“ wurde 1963 komplett in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg gedreht. Der Stoff selbst, im Original von den Gebrüdern Grimm, gilt als eines der ältesten Märchen in Deutschland und basiert auf alten germanischen Sagen. Die Figur der Frau Holle könnte eine Interpretation der germanischen Göttin Holla sein.

Die Geschichte vom kleinen Muck (1950)

„Der kleine Muck“ feierte am 23.12.1953 Kinopremiere im Kino Babylon in Berlin. Der Film wurde allerdings erst zu Weihnachten 1955 bundesweit gezeigt. Die zweijährige Verzögerung tat dem Erfolg des Filmes keinen Abbruch: Bis heute ist „Die Geschichte vom kleinen Muck“ die erfolgreichste DEFA-Produktion in der DDR. Mehr als 11 Millionen Menschen in über 60 Ländern sahen den Film im Kino.

Das singende, klingende Bäumchen (1957)

Auch „Das singende, klingende Bäumchen“ aus dem Jahr 1957 wurde komplett in den damaligen Ateliers des DEFA-Studiogeländes gedreht. In der Hauptrolle des Märchenklassikers sahen (und liebten) Generationen von Ossis die Ende 2024 verstorbene Schauspielerin Christel Bodenstein als „Prinzessin Tausendschön“. Der junge Prinz wurde seinerzeit von Eckart Dux verkörpert.

Rumpelstilzchen oder Das Zaubermännchen (1960)

„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Das Märchen vom Rumpelstilzchen kennt wohl jeder. Auch die DEFA hat den Stoff im Jahr 1960 in der ehemaligen DDR auf die Kinoleinwand gebracht.

Dornröschen (1971)

Eine verfluchte Prinzessin, ein ganzes Schloss im Schlaf und schließlich kommt ein tapferer Prinz zur Rettung. Die Dornröschen-Geschichte kennt wohl jeder. Der Stoff stammt aus den Aufzeichnungen der Gebrüder Grimm und wurde Anfang der 1970-er Jahre von der DEFA verfilmt. Das DDR-Märchen aus den Filmstudios in Potsdam Babelsberg erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit, vor allem in der Vorweihnachtszeit.

Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus (1977)

Der Film „Wer reißt denn gleich vor’m Teufel aus“ basiert auf dem Märchen der Brüder Grimm mit dem Titel „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Die Erzählung ist allerdings an einigen Stellen sehr frei interpretiert oder wird überzeichnet. Wie die meisten Märchen, die in der DDR von der DEFA produziert wurden, ist auch hier der Hauptdrehort Potsdam-Babelsberg. Außerdem wurde an einigen Orten des heutigen Landkreises Potsdam-Mittelmark gedreht, zum Beispiel am Schloss Wiesenburg und am Kähnsdorfer See.

Das blaue Licht (1976)

Die Geschichte von „Das blaue Licht“ ist ein Märchen der Brüder Grimm. Es ist aber nicht die einzige Version dieser Geschichte. Mit „Das Feuerzeug“ erschuf Hans Christian Andersen eine abgewandelte Form des Märchens. Auch diese Geschichte hat die DEFA verfilmt. „Das Feuerzeug“ wurde in der DDR erstmals im Jahr 1959 gezeigt.

Schneewittchen (1961)

Der DEFA-Film „Schneewittchen“ von 1961 ist eine reine Studioinszenierung und beruht auf dem bekannten Märchenstoff der Gebrüder Grimm. Der Film wurde in den DEFA-Studios in Babelsbergh produziert und lockte knapp 7,6 Millionen Menschen in die Kinos der DDR. Das macht den Film zu einer der bekanntesten Verfilmungen des Schneewittchen-Stoffs.