Krieg im Nahen Osten: Welche Reiseziele sind aktuell gefährdet?

In welchen Ländern haben die Konflikte im Nahen Osten zuletzt zu veränderten Risikobewertungen geführt?
Uncredited/AP/dpaWährend einige Urlaubsländer stabil bleiben, gilt das für andere Regionen im Nahen Osten nicht mehr. Wir haben mit dem Reiseexperten Marcel Conrad, Chief Content Manager bei A3M Global Monitoring, gesprochen: Bei welchen Reisezielen ist man als Folge aktuell Risiken ausgesetzt?
Krieg im Iran: Aktuelle Sicherheitslage im Nahen Osten
„Die Sicherheitslage in großen Teilen des Nahen Ostens hat sich durch den Irankrieg deutlich verschlechtert“, sagt Marcel Conrad. „Besonders betroffen sind der Südlibanon, die Kurdengebiete im Irak, Israel und die Golfstaaten, wo es nahezu täglich zu Luftangriffen kommt.“
Selbst dort, wo Angriffe abgewehrt werden, bleibt die Gefahr bestehen. „Viele Drohnen- und Raketenangriffe aus dem Iran werden zwar abgefangen, doch auch Trümmerteile können Schäden und Opfer verursachen“, erklärt Conrad.
Hinzu kommen Risiken auf See: „Schiffe im Persischen Golf und im Golf von Oman sind ebenfalls Angriffen ausgesetzt.“
Urlaub 2026: Türkei, Ägypten und Zypern
Nicht alle beliebten Reiseziele der Deutschen sind gleichermaßen betroffen. Conrad differenziert: „Im äußersten Süden der Türkei wurden seit Beginn des Krieges am 28. Februar einzelne iranische Raketen von der Luftabwehr abgefangen. Die beliebten Urlaubsregionen liegen jedoch hunderte Kilometer weiter westlich und sind derzeit nicht betroffen.“
Auch Ägypten bleibt bislang stabil: „Ägypten war bisher nicht betroffen.“ Anders ist die Lage auf Zypern: „In Zypern wurden vereinzelt Drohnen abgeschossen; in der Nähe von Militärstützpunkten und am Flughafen in Paphos kam es zwischenzeitlich zu Evakuierungen.“ Der Flugverkehr habe sich zwar beruhigt, „Zwischenfälle bleiben jedoch möglich.“
Reisen nach Asien: Thailand, Australien, Bali und Co.
Auch weit entfernte Reiseziele sind indirekt über den Flugverkehr betroffen. „Die Golf-Region dient hier als zentrales Drehkreuz für Umsteigerverbindungen, die derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden“, sagt Conrad. Große Drehkreuze seien weiterhin beeinträchtigt: „An großen Drehkreuzen wie Dubai hat sich der Betrieb noch nicht normalisiert.“
Das hat konkrete Folgen: „Entsprechend muss hier auf Direktverbindungen ausgewichen werden, die jedoch extrem gefragt und damit sehr teuer sind.“ Besonders bei Reisen nach Thailand, Bali oder Australien könnten Urlauber diese Entwicklung merken.
Das hat direkte Folgen für Passagiere: „Luftraumsperrungen führen auf Routen zwischen Europa und Asien zu erheblichen Verspätungen.“ Airlines reagieren mit Umleitungen. „Fluggesellschaften meiden voraussichtlich langfristig den iranischen Luftraum, sodass Reisende weiterhin mit verlängerten Flugzeiten rechnen müssen.“
Tipps und Hinweise: Was sollten Reisende aktuell beachten?
Bei der Vorbereitung einer Reise in betroffene Regionen sollte man informiert bleiben. „Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind ein guter Ausgangspunkt“, sagt Marcel Conrad. Ergänzend empfiehlt er aktuelle Nachrichtenquellen wie „Newsticker großer Medien wie BBC oder Al Jazeera“.
Auch die Art der Buchung spielt eine entscheidende Rolle. „Bei einer unklaren Sicherheitslage oder um grundsätzlich gegenüber Risiken besser abgesichert zu sein, empfiehlt sich die Buchung einer Pauschalreise“, so Conrad. Denn: „Pauschalreisen in Länder mit aktueller Reisewarnung können kostenlos storniert oder umgebucht werden.“
Für Individualreisende gilt das nicht. Deshalb rät Conrad zur Vorsicht: „Bei privat gebuchten Reisen ist es sinnvoll, die Reisewarnungen regelmäßig zu prüfen und gegebenenfalls selbst zu stornieren.“ „Wer unsicher ist, sollte Flexoptionen buchen, um kurzfristig umbuchen zu können.“ Zudem sollten sich Reisende „in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen“.
Für Fernreisen gilt laut Conrad: „Fernreisen Richtung Westen sind unkritisch, Richtung Südostasien sollte man auf Direktflüge setzen. Nicht jede Fernreise ist derzeit unvernünftig – aber Umsteigeverbindungen über die Golf-Hubs sind momentan klar störanfälliger als üblich.“
