Jugendwort 2025
: Das sind die Favoriten mit den größten Chancen

Die Nominierten für das Jugendwort des Jahres stehen fest. Gibt es Muster bei den Gewinnern der letzten 15 Jahre, die Rückschlüsse auf Favoriten 2025 zulassen?
Von
Nicole Züge
Cottbus
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Jugendliche wählen „Goofy“ zum Jugendwort des Jahres

Welches Wort wird Jugendwort des Jahres 2025. Wir haben Künstliche Intelligenz gebeten, Muster aus den Gewinnern der vergangenen Jahre zu ermitteln. Das sind die Favoriten.

Carla Benkö/dpa

Bei den Nominierten für das Jugendwort des Jahres 2025 gibt es jedes Jahr Überraschungen, besonders für diejenigen, die mit der Jugendsprache nicht (mehr) viele Überschneidungen haben. Oft sorgen sowohl die Nominierten, als auch die Gewinner für Aufsehen.

Legendär sind beispielsweise die Ausschnitte aus einer Tagesschau-Ausgabe im Jahr 2021. Der damalige Gewinner war das Wort „cringe“. Ein Video ging seinerzeit sogar viral. Niemand erklärte das Jugendwort 2021 – „cringe“ – so gut, wie Susanne Daubner, die zugleich auch direkt noch das zugehörige „cringige Gefühl“ mitliefert, wie hier zu sehen ist:

Wir haben die Jugendwörter der vergangenen 15 Jahre mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um herauszufinden, welche Nominierten 2025 das Rennen machen könnten. Das sind Favoriten und die Außenseiter mit Potenzial.

Das waren die Jugendwörter der vergangenen 15 Jahre

„I bims, der Babo mit Swag und Fly-Aura – YOLO, läuft bei dir, dachte ich, aber dann kam der Goofy-Move, voll cringe, komplett lost, richtig Niveaulimbo – Ehre genommen, Smombie!“

Der Satz oben wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so niemals aus dem Mund eines oder einer Jugendlichen kommen. Es ist eine Aneinanderreihung der Jugendwörter der vergangenen 15 Jahre. Das ist die vollständige Liste:

  • 2024: Aura – beschreibt die persönliche Ausstrahlung oder den Status einer Person
  • 2023: goofy – eine tollpatschige oder alberne Person oder Verhaltensweise
  • 2022: smash – etwas mit jemandem anfangen
  • 2021: cringe – peinlich, zum Fremdschämen
  • 2020: lost – ahnungslos, verwirrt
  • 2019: Kein Jugendwort des Jahres gewählt, aber starke Kandidaten waren „Ehre genommen“ und „stabil“
  • 2018: Ehrenmann/Ehrenfrau – ein guter Mensch
  • 2017: I bims – Ich bin's
  • 2016: fly sein – besonders abgehen, toll sein
  • 2015: Smombie – Zusammensetzung aus Smartphone und Zombie
  • 2014: läuft bei dir – „gut gemacht!“
  • 2013: Babo – Boss, Chef/in
  • 2012: YOLO – „You only live once“‚ („Man lebt nur einmal“; synonym gebraucht für Möglichkeiten/Chancen nutzen)
  • 2011: Swag – Coolness, Lässigkeit
  • 2010: Niveaulimbo – sinnlose Gespräche, bei denen das Niveau stetig sinkt

Diese Liste haben wir, zusammen mit den eingereichten Vorschlägen des Jahres 2025, ChatGPT zur Verfügung gestellt und die KI gebeten, Muster zu erkennen, die Rückschlüsse auf potenzielle Gewinner für das Jugendwort des Jahres 2025 identifizieren. Das Ergebnis steht weiter unten. Ob die Künstliche Intelligenz richtig lag, können wir aber erst im Herbst herausfinden, wenn das Jugendwort des Jahres 2025 gekürt wird. Bis dahin kann man hier für den persönlichen Favoriten abstimmen.

Das sind die Nominierten für 2025

Einige Ausdrücke kommen immer wieder an die Oberfläche, zumindest war „Digga(h)“ auch 2025 wieder unter den eingereichten Vorschlägen und hat es auf die Liste der Nominierten geschafft, obwohl das Wort, welches vermutlich aus dem Hamburger Sprachschatz kommt, sicherlich zum Sprachgebrauch so einiger Jugend-Generationen gehörte. Das sind alle Nominierten für 2025:

  • goonen: Slangwort für stundenlange Selbstbefriedigung und exzessive Pornosucht. Der Begriff steht auch für die dauerhafte sexuelle Stimulation ohne Höhepunkt.
  • sybau: Klingt niedlich, bedeutet aber: „Shut your bitch ass up“. Ältere Generationen sagten dazu noch „Halt die Fresse“, wie der Verlag erläutert. Wobei der Begriff im Gegensatz dazu auch ironisch und augenzwinkernd in den Kommentarspalten auftauchen kann: „Bro redet seit zehn Minuten Unsinn - sybau.“
  • tuff: Abgewandelte Schreibweise von „tough“, beschreibt aber nicht wie im Englischen nur Hartes oder Schwieriges, sondern steht breiter als Synonym für „krass“, „cool“ oder „beeindruckend“. Beispiel: „Der Trick war echt tuff, Bruder.“
  • Schere: Der Begriff stammt ursprünglich aus der Gaming-Szene und ist ein Bekenntnis zu einem Fehler. Anstatt Ausreden zu verwenden, wird die Schuld humorvoll anerkannt, indem man „die Schere hebt“. Im Fußball wäre dies die gehobene Hand zur Entschuldigung nach einem Foul: „Oh nein, jetzt ist unser Magier gestorben. Schere!“
  • rede: Bedeutet enthusiastische Zustimmung mit Nachdruck - es ist sozusagen ein verbaler Applaus: Der Begriff wird gerufen, wenn jemand genau das ausspricht, was alle denken: „Lehrer sollten mehr verdienen!“ - „Rede!“
  • das crazy: Allzweckfloskel, wenn man sprachlos ist oder keine Lust auf eine richtige Antwort hat. Vergleichbar mit „Aha“ oder „Okay“. Beispiel: „Er hat ihr einfach vor dem ganzen Kurs einen Antrag gemacht! - das crazy.“
  • tot: Wird als Reaktion („Ich bin tot“) ironisch verwendet oder kann eine langweilige Situation beschreiben. „Alle auf der Party sitzen am Handy, Musik leise - tot.“
  • checkst du: Verstehst du?
  • Digga(h): Eine Art „Kosename“, wird als Ansprache, aber auch als Ausruf verwendet. Beispiel: „Digga, was war da los?“
  • lowkey: heimlich, zurückhaltend, unaufdringlich, diskret, ein bisschen; Der Begriff wird genutzt, um etwas zurückhaltend auszudrücken, um nicht zu dramatisch zu wirken: „Lowkey feiere ich das Outfit schon.“

Diese Jugendwörter sind die Favoriten (wenn man KI fragt)

Anhand bisheriger Muster bei den Gewinnern der letzten Jahre hat die Künstliche Intelligenz diese Favoriten gekürt: Die besten Chancen auf den Titel „Jugendwort des Jahres 2025“ haben laut der KI-Analyse bisheriger Trends „lowkey“„goonen“, „tuff“ und „Digga(h)“, wobei Chat-GPT ganz klar „lowkey“ vorn sieht. 

Auch nach dem „Warum“ haben wir die KI natürlich gefragt, die Begründung lautet so: Das Wort „lowkey“ habe die besten Chancen, da es seit Jahren breit genutzt werde, vor allem auf TikTok, Instagram und in Popkultur-Memes. Es bedeutet so viel wie „heimlich“, „insgeheim“ oder „zurückhaltend“. Der Begriff sei, so ChatGPT, „sprachlich anschlussfähig und funktioniert flexibel in verschiedenen Kontexten“.

Wie benutzt man „lowkey“? Zum Beispiel kann etwas „lowkey stressig“, „lowkey cute“ oder „lowkey mad“ sein. Der englische Lehnbegriff reiht sich ein in eine Reihe früherer Gewinner wie „YOLO“ (2012), „Swag“ (2011), „Fly sein“ (2016) oder „Smash“ (2022). Er klingt unaufdringlich, ist aber jugendtypisch markiert – genau das spricht viele an, orakelt die KI.

Aber auch im Falle von „goonen“, „tuff“ und „Digga(h)“ sieht die KI durchaus Gewinnchancen, wobei „goonen“ und „tuff“ als Außenseiter mit Potenzial identifiziert werden. Beim Vorschlag „Digga“ könnte es sein, dass das Wort sprachlich bereits zu etabliert ist. Es ist seit Jahren im Umlauf und somit ggf. zu alt für den Titel.

Als unwahrscheinlich sieht ChatGPT allerdings einen Gewinn für die Vorschläge „Schere“, „rede“, „tot“ und „checkst du“ an. Die Begriffe seien zu generisch, erklärungsbedürftig oder sprachlich unauffällig, also nicht den typischen Kriterien für ein Jugendwort entsprechend, das „hängen bleiben“ soll und bereits zuvor eine gewisse virale Verbreitung erreicht habe.

Jugendwort-Wahl des Jahres 2025: So geht es jetzt weiter

Ob die künstliche Intelligenz recht hat, erfahren wir im Herbst. Weiter geht es nun zunächst mit dem Voting der Top 10 bis zum 2. September 2025. Danach folgt die Auswertung der Stimmen, aus denen eine Top 3 ermittelt wird, für die dann zwischen dem 9. September und 7. Oktober gevotet werden kann. Das Jugendwort des Jahres 2025 wird schließlich am 18. Oktober 2025 auf der Frankfurter Buchmesse verkündet.