Höhere Tabaksteuer: Kosten Zigaretten bald viel mehr?

Wird Rauchen in Deutschland künftig teurer? Aus Brüssel gibt es jetzt Vorschläge dazu.
Sebastian Kahnert/dpaAktuell wird über einen Vorschlag der EU-Kommission heftig diskutiert. Die Brüsseler Behörde schlägt vor, Zigaretten deutlich stärker zu besteuern. Erst vor Kurzem hat die Weltgesundheitsdiskussion Deutschland kritisiert, weil die Tabaksteuer im Vergleich zu niedrig sei.
Steigt die Tabaksteuer? So teuer könnten Zigaretten werden
Das Vorhaben der EU-Kommission könnte dazu führen, dass der Mindeststeuersatz für Zigaretten auf 215 Euro pro 1000 Zigaretten erhöht wird. Bislang liegt der Wert bei 90 Euro. Bei Feinschnitt soll es pro Kilo von 60 auf 215 Euro in die Höhe gehen. Zu den Preisen macht das geplante EU-Regelwerk zwar keine Vorgaben. Allerdings dürften die Tabakfirmen die Preise anheben, wenn sie mehr Steuern zahlen müssen. Wieviele die Zigaretten dann konkret kosten würden, hat der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartigen Erzeugnisse (BVTE) ausgerechnet. „Das Vorhaben würde dazu führen, dass der Preis für eine Packung Markenzigaretten in Deutschland von derzeit etwa 8,50 Euro auf mehr als 12 Euro steigt“, sagte Jan Mücke vom Lobbyverband BVTE.
Was sind die Befürchtungen bei einer Verteuerung?
Nach Einschätzung des Branchenvertreters Mücke würden Kriminelle bei Umsetzung der diskutierten Tabaksteuererhöhung ihre Anstrengungen verstärken, in Deutschland unversteuerte illegale Zigaretten zu verkaufen, schließlich würde ihr Geschäft wegen der höheren Zigarettenpreise in Läden lukrativer. „Viele Raucher, die bislang ganz legal Zigaretten gekauft haben, würden auf illegale Warenströme ausweichen.“ Der drohende Schwarzmarkt-Boom könnte auch zum Anstieg der Raucherquote unter Jugendlichen führen. „Dealer nehmen keine Altersüberprüfung vor.“
WHO kritisiert „zu niedrige“ Tabaksteuer in Deutschland
Erst im Juni 2025 gab es von der Weltgesundheitsorganisation WHO an der Tabaksteuer in Deutschland. Die im europäischen Vergleich niedrigen deutschen Steuern auf Tabakprodukte sind der Behörde ein Dorn im Auge. „Deutschland tut mit einem effizienten und teuren Gesundheitssystem alles dafür, Menschenleben zu retten. Da ist es erstaunlich, dass durch eine recht laxe Tabakkontrolle so viele Leben aufs Spiel gesetzt werden“, sagte Rüdiger Krech, WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, der Deutschen Presse-Agentur. Weltweit gibt es 1,3 Milliarden Tabaknutzer und acht Millionen Menschen sterben nach Schätzungen jedes Jahr durch den Konsum.
Nach WHO-Empfehlungen soll die Steuer mindestens 75 Prozent des Preises von Tabakprodukten ausmachen. Das sei die effektivste Maßnahme, um den Konsum einzuschränken. Für Deutschland nennt sie ein Steuerniveau von durchschnittlich 61,4 Prozent. Rund 40 Länder weltweit lägen über 75 Prozent. In der WHO-Europa-Region mit 53 Ländern liegt Deutschland mit seinen Steuern im unteren Viertel, wie unter anderem auch Norwegen und die Schweiz.
