Hochzeit von Charles und Diana: Als die ganze Welt an ein Märchen glauben wollte

Prinz Charles und Prinzessin Diana verlassen nach der Trauungszeremonie die St.-Pauls-Kathedrale.
picture alliance/dpaAls Lady Diana Spencer am 29. Juli 1981 vor St Paul’s Cathedral aus der Kutsche stieg, war sie gerade 20 Jahre alt. Vor der Kirche warteten Menschenmassen, vor den Fernsehern saßen Zuschauer auf mehreren Kontinenten. Die Bilder versprachen ein Märchen. Tatsächlich begann an diesem Tag etwas anderes: Aus Diana wurde eine globale Projektionsfläche – und aus einer königlichen Trauung eine weltweite Liveshow.
Die Ehe scheiterte. Die mediale Wirkung der Hochzeit dagegen hält bis heute an.
Der Tag, an dem die Welt zusah
Am 29. Juli 1981 richtete sich die Aufmerksamkeit der Welt auf London. In der St Paul’s Cathedral heiratete der britische Thronfolger Prinz Charles die 13 Jahre jüngere Lady Diana Spencer.
Schon Stunden vor der Zeremonie säumten Menschen die Straßen der britischen Hauptstadt. Entlang der Strecke zwischen den königlichen Residenzen und der Kathedrale warteten die Zuschauer auf einen kurzen Blick auf die Kutschen, die Uniformen und vor allem auf die junge Braut. Fähnchen wurden geschwenkt, Balkone und Bürgersteige waren gefüllt. London wurde an diesem Tag selbst zur Bühne.

Die Gottesdienstordnung von der royalen Hochzeit von Diana, Prinzessin von Wales, die Diana an ihre Haushälterin Violet Collison geschickt hat.
picture alliance/dpa/PA WireAuch die Wahl der Kirche gehörte zu dieser Inszenierung. Königliche Hochzeiten fanden traditionell häufig in der Westminster Abbey statt. St Paul’s bot jedoch mehr Platz für Gäste und ermöglichte eine längere Prozessionsroute durch die Stadt. Dadurch konnten deutlich mehr Menschen das Paar auf dem Weg zur Trauung sehen. Die Hochzeit sollte nicht nur hinter den Mauern einer Kirche stattfinden. Sie sollte von der Öffentlichkeit erlebt werden – auf den Straßen ebenso wie vor den Fernsehern.
Schätzungsweise 750 Millionen Menschen weltweit verfolgten die Übertragung. Kameras begleiteten nahezu jeden Schritt: die Ankunft der Braut, das Entfalten der meterlangen Schleppe, den Gang durch die Kathedrale und später den Auftritt auf dem Balkon des Buckingham Palace.
Dass die Ehe später scheitern würde, konnte an diesem Tag kaum jemand wissen. Doch der Kontrast zwischen der gewaltigen öffentlichen Inszenierung und der privaten Wirklichkeit des Paares prägt den Blick auf die Hochzeit bis heute. Das Versprechen des Märchens hielt nicht. Die Bilder, mit denen es erzählt wurde, blieben.

Nach der kirchlichen Trauung in der Londoner St. Paul's Kathedrale fahren Prinzessin Diana und Prinz Charles in der State-Landau-Kutsche zum Buckingham Palast.
picture alliance / --/PA/dpaDiana im Zentrum der Inszenierung
Noch wenige Monate zuvor war Lady Diana Spencer außerhalb Großbritanniens kaum bekannt. Mit der Verlobung änderte sich das schlagartig. Zeitungen, Magazine und Fernsehsender machten ihr Gesicht weltweit bekannt – lange bevor sie am Altar stand. Später sollte sie zeitweise als meistfotografierte Frau der Welt gelten.
Am Hochzeitstag richteten sich die Kameras vor allem auf sie. Das Kleid mit seiner großen Silhouette, dem langen Schleier und der über sieben Meter langen Schleppe war nicht nur Mode, sondern Teil der Inszenierung. Entworfen von David und Elizabeth Emanuel, bestand es aus elfenbeinfarbenem Seidentaft, Spitze, Perlen und Pailletten. Es war darauf ausgelegt, selbst aus der Ferne und auf Fernsehbildern Wirkung zu entfalten.

Das Foto vom 29.07.81 zeigt wie Diana, Prinzessin von Wales, in ihrem Brautkleid im Buckingham Palast sitzt. Vier Jahrzehnte nach der Hochzeit von Prinz Charles und Prinzessin Diana wird das Brautkleid der «Königin der Herzen» bei einer Ausstellung im Kensington-Palast in London gezeigt.
picture alliance/dpa/PA WireDem Kleid wurde ein Wert von rund £9.000 beigemessen, was heutzutage über 40.000 Euro entsprechen würde.
Auch Dianas Körpersprache prägte die Wahrnehmung: ihre Nervosität, ihr gesenkter Blick, ihre zurückhaltenden Bewegungen. Charles war der Thronfolger. Doch Diana wurde zur visuellen Hauptfigur dieses Tages.
Was man damals wusste – und was erst später bekannt wurde
Rückblickend wirken manche Szenen der Hochzeit wie Vorzeichen einer unglücklichen Ehe. Doch vieles, was heute bekannt ist, war für die Öffentlichkeit 1981 noch nicht erkennbar. Sichtbar waren vor allem der Altersunterschied von zwölf Jahren, die kurze Verlobungszeit und der enorme Druck, unter dem die 20-jährige Diana stand.
Für Aufmerksamkeit sorgte bereits das Verlobungsinterview. Auf die Frage, ob das Paar verliebt sei, antwortete Charles mit dem später vielfach zitierten Satz: „Whatever ‚in love‘ means“ – was auch immer „verliebt sein“ bedeute. Der Moment fiel schon damals auf, ließ jedoch noch keine sicheren Rückschlüsse auf den späteren Verlauf der Ehe zu.
Erst in den folgenden Jahren wurde das Ausmaß der Probleme bekannt: die wachsende Entfremdung, Beziehungen außerhalb der Ehe, Dianas psychische Belastungen und der zunehmend öffentlich ausgetragene Konflikt. 1992 gab das Paar seine Trennung bekannt, 1996 wurde die Ehe geschieden.
Warum der Tag bis heute nachwirkt
Die Ehe von Charles und Diana zerbrach, doch die Bilder ihrer Hochzeit blieben. Das Kleid, die Kutsche und die Menschenmengen wurden Teil des kollektiven Gedächtnisses und zur Vorlage für nahezu jede große royale Hochzeit, die danach folgte. Ein zentraler Teil davon: Der Kuss auf dem Balkon des Buckingham Palace – eine Tradition, für die Charles und Diana den Grundstein legten.

Hochzeitskuss des damaligen Traumpaares, Prinz Charles und Lady Diana Spencer. Der schnelle Schmatz geht am 29. Juli 1981 um die Welt. Hunderte Millionen verfolgen im Fernsehen, wie die damals 20 Jahre alte Diana Spencer den frisch angetrauten britischen Thronfolger Charles auf dem Balkon des Buckingham Palace küsst.
picture alliance/dpaDiana selbst lernte später, mit der Aufmerksamkeit der Medien anders umzugehen. Sie war ihr nicht mehr nur ausgeliefert, sondern nutzte öffentliche Auftritte und Bilder zunehmend, um eigene Botschaften zu vermitteln. Damit veränderte sie nicht nur ihr persönliches Verhältnis zur Presse, sondern auch die öffentliche Rolle eines Mitglieds der Königsfamilie.
Die Hochzeit von 1981 zeigt deshalb bis heute, wie mächtig sorgfältig inszenierte Bilder sein können. Sie erschaffen Nähe, wecken Erwartungen und erzählen eine scheinbar eindeutige Geschichte. Über das private Verhältnis der Menschen, die darin zu sehen sind, sagen sie jedoch nur wenig aus.
Das Märchen hielt nicht. Die Bilder, mit denen es erzählt wurde, erwiesen sich dagegen als nahezu unzerstörbar.
