Hochwasser an der Oder: Frankfurt (Oder) und Słubice bereiten sich auf Ernstfall vor

Blick auf die Stadtbrücke in Frankfurt (Oder) und Slubice und die darunter fließende Oder.
Thomas GutkeWie hoch steigen die Pegel der Oder in der Doppelstadt Frankfurt (Oder) und Słubice? Noch sind viele Voraussagen mit Unsicherheiten behaftet. Klar ist: Nach den heftigen, tagelangen Regenfällen in Tschechien und Südpolen rollt viel Wasser auf Brandenburg und Lubuskie zu.
Für Frankfurt (Oder) veröffentlichte das Landesamt für Umwelt (LfU) am Montagnachmittag (16.9.) prognostizierte Wasserstände bis einschließlich Sonntag (22.9.). Darin hieß es zunächst, dass der Pegel der Oder bis Sonntagmittag bis auf 5,63 Meter steigen könnte. Diese Vorhersage schwächte sich dann im Laufe des Nachmittags leicht auf 5,45 Meter ab.
Am Montag um 12 Uhr stand das Wasser bei 1,82 Meter. Bis Montagabend waren 2,10 Meter vorhergesagt. Am Dienstag, spätestens Mittwochfrüh (18.9.) könnte der Pegel die Marke von 3 Metern überschreiten. Alarmstufe 1 wird ab 4,20 Meter ausgerufen, womit den Modellen des LfU zufolge am Donnerstag (19.9.) zu rechnen ist.
Alarmstufe 3 wird ab einer Pegelhöhe von 5,30 Meter ausgerufen
Die Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) geht aktuell vom Erreichen der Hochwasserwarnstufe 3 aus, die in der Stadt ab einer Pegelhöhe von 5,30 Meter ausgerufen wird. Allerdings sei auch Alarmstufe 4 „nicht ausgeschlossen“ – was gleichbedeutend mit einem Pegelstand von mehr als 6 Metern ist. Am 27. Juli 1997 stand der Pegel in Frankfurt (Oder) bei 6,56 Meter und damit so hoch wie nie.
Bereits seit Mitte vergangener Woche sei die Verwaltung mit Vorkehrungen, Analysen und Prognosen zur potenziellen Hochwasserlage befasst, und zwar auch in Abstimmung mit der polnischen Seite, informierte Pressereferentin Kora Kutschbach. „Seitens des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen wird der Hochwasseralarmplan in Ansatz gebracht. „Im Katastrophenschutzlager erfolgte die Vorbereitung zum eventuell erforderlichen Transport der Hochwasserschutzwand für den Bereich Holzmarkt“, berichtet sie weiter.
Am Sonntag war OB René Wilke zudem bei einer gemeinsamen Telefonkonferenz der Landräte der betroffenen Kreise, dem Ministerpräsidenten, der Bundeswehr und dem Landesumweltamt mit dabei. „Die Prognosen des LfU sind unsere Richtschnur. Auf dieser Grundlage arbeiten wir bereits seit einigen Tagen an verschiedenen Szenarien“, erklärte er am Montag.
Die kritischen Areale seien wie bei früheren Hochwassern der Buschmühlenweg und die Fischerstraße, darüber hinaus die Oderpromenade, auch wenn dort mit mobilen Schutzwänden gearbeitet werden könne. „Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Aber wir wollen auch keine Panik verbreiten“, so der OB, der für Dienstag (17.9.) den Krisenstab einberufen hat.
„Wir leben derzeit von Prognosen“, sagt auch Mark Langhammer angesprochen auf die zu erwartenden Hochwasserwelle. Der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) und seine Kollegen aus dem Ortsverband Frankfurt (Oder) jedenfalls halten sich bereit. „Wir warten darauf, wo wir gebraucht werden.“ Ein Einsatz sei für die Ehrenamtler in Frankfurt (Oder) ebenso denkbar wie ein Hilferuf aus Südbrandenburg oder Sachsen.
Aktuell steigt das Wasser stündlich um ein bis vier Zentimeter
Für Słubice hat das polnische Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft ebenfalls eine Prognose bis einschließlich Montag (23.9.) veröffentlicht. Wie die Berechnungen von Montagvormittag zeigten, könnte der Pegel bis dahin in der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder) auf 5,73 Meter angestiegen sein. Der bisherige Rekordpegel vom 27. Juli 1997 liegt in Slubice bei 6,36 Meter. Der zweithöchste Wert in der Geschichte der Messstelle war mit 5,72 Meter beim Hochwasser im Juni 2010 gemessen worden.
Am Montagvormittag stand der Pegel in Slubice bei 1,61 Meter, der Zufluss jedoch ist hoch. Das Wasser steigt ebenso wie in Frankfurt (Oder) stündlich um ein bis vier Zentimeter.
Vorbereitungen zur Katastrophenabwehr sind ebenso in Słubice in der Woiwodschaft Lubuskie angelaufen. Hunderte Einsatzkräfte der Feuerwehren seien in Alarmbereitschaft, informierte Woiwode Marek Cebula gegenüber dem Nachrichtenportal Slubice24. In den Lagern stünden 1,5 Millionen Sandsäcke bereit, dazu mehrere Kilometer mobile Hochwasserschutzwände und Hochleistungstechnik wie zum Beispiel Schlammpumpen.
Der stellvertretende Bürgermeister von Słubice Tomasz Stefanski betonte mit Blick auf die Sanierung der Deiche in den letzten Jahren, „dass wir uns heute sicherer fühlen können als 1997“. Gleichwohl seien in der tief gelegenen polnischen Grenzstadt Unterschwemmungen und damit beispielsweise nasse Kellern nicht ausgeschlossen. Besonders im Blick habe man zudem das zur Gemeinde gehörende Dorf Nowy Lubusz im Norden von Słubice, das hinter der alten, nicht verstärkten Deichlinie liegt. Dort könne es im Ernstfall kritisch werden, so Tomasz Stefanski.


