High Protein Trend
: Warum das für junge Menschen gefährlich sein könnte

Eine Studie untersucht den Zusammenhang zwischen hoher Eiweißzufuhr, Alter und der Sterblichkeit und kommt zu erschreckenden Ergebnissen.
Von
Nicole Züge
Berlin
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High-Protein-Food steht bei der Gen Z hoch im Kurs: Hier liefern unter anderem Eier, Hühnchen, Quark und Brokkoli Eiweiße für den Muskelaufbau. (zu dpa: «Fleischlos und ruckzuck zubereitet: So isst die Generation Z»)

High-Protein-Food steht bei der Gen Z hoch im Kurs: Allerdings birgt der Trend auch Gefahren, wie Studien zeigen.

Christin Klose/dpa

Joghurts mit extra viel Proteinanteil, Proteinpulver als Lifestyle-Element, Proteinriegel: Wer durch einen Supermarkt geht oder auf Instagram und TikTok unterwegs ist, kommt an solchen High Protein Produkten kaum vorbei. Angepriesen werden die Lebensmittel mit viel Eiweiß als besonders gesund. Zielgruppe sind dabei vor allem junge Menschen, die fit bleiben (oder werden) möchten. Eine Studie stellt allerdings einen erschreckenden Zusammenhang zwischen hoher Proteinzufuhr und erhöhter Sterblichkeit her, sogar das Krebsrisiko erhöht sich laut der Untersuchung. Was ist da dran und ist zu viel Eiweiß essen gefährlich?

Studien zu Proteinzufuhr: Das wurde untersucht

Eine Studie aus dem Jahr 2014, die sich mit den Auswirkungen eines hohen Proteinkonsums bei gleichzeitig niedriger Aufnahme von Ballaststoffen befasst, kommt zu teilweise erschreckenden Ergebnissen. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Eiweißzufuhr, Alter und Sterblichkeit anhand von Daten von Menschen und Mäusen. Der Fokus lag auf dem Wachstumshormonrezeptor (GHR) und dem sog. IGF-1-Signalweg.

Ergebnisse der High Protein Studie:

  • Menschen im Alter von 50 bis 65 Jahren hatten bei hoher Eiweißzufuhr (aus tierischem Eiweiß) eine bis zu 75 % erhöhte Gesamtsterblichkeit sowie ein 4-Mal höheres Krebsrisiko. Wenn das Eiweiß aus Pflanzen stammte, verringerte sich das Risiko deutlich oder war nicht vorhanden
  • Menschen im Alter über 65 Jahren hatten im Studiensetting bei hoher Eiweißzufuhr seltener Krebs, eine geringere Gesamtsterblichkeit aber auch ein 5-fach höheres Diabetes-Risiko.

Fazit der Studie: Eine hohe Proteinzufuhr, insbesondere aus tierischen Quellen, kann mit einem erhöhten Risiko für Krebs und eine höhere Gesamtsterblichkeit verbunden sein – insbesondere bei Personen unter 65 Jahren. Pflanzliche Proteine hingegen zeigen keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Im Gegensatz dazu kann eine moderate bis hohe Proteinzufuhr im höheren Alter (ab 65 Jahren) die Gesundheit fördern und die Lebenserwartung erhöhen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung, die den individuellen Bedürfnissen und dem Alter entspricht.

Weitere Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2018 kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Im Studienfazit heißt es: Eine eiweißarme Ernährung ohne Mangelernährung ist eine wirksame Maßnahme, um Krankheiten vorzubeugen und die gesunde Lebenszeit zu verlängern. Studien zeigen, dass eine eiweißarme Ernährung mit einem geringeren Krebsrisiko und weniger Todesfällen durch Krebs beim Menschen verbunden ist. Bei Mäusen hemmt eine Eiweißrestriktion das Tumorwachstum über den mTOR-Signalweg. Weitere mögliche Mechanismen sind der Einfluss auf IGF-1, den Aminosäurestoffwechsel, den Botenstoff FGF21 und die Autophagie (zellulärer Recyclingprozess). Heißt einfach gesagt: Eine gezielte Reduktion der Eiweißzufuhr kann Krebs vorbeugen. Wichtig dabei ist, dass gleichzeitig die Ballaststoffzufuhr hoch ist, da Ballaststoffe nachweislich Entzündungsreaktionen im Körper verhindern und/oder mildern.

DGE: High Protein hat keinen Mehrwert

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht den High Protein Trend kritisch: „Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind High-Protein-Produkte überflüssig. Wer die Vielfalt herkömmlicher Lebensmittel nutzt, bekommt genug Protein und spart sich das Geld für die meist teureren Produkte“, sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der DGE. „Lediglich einzelne Innovationen können sinnvoll sein, etwa Nudeln aus Linsen oder Erbsen für Menschen mit Zöliakie“, ergänzt Gahl.

Protein ist lebenswichtig für Muskeln, Knochen, Bindegewebe, Immunsystem und Blutgerinnung. Aber: Nur eine Ernährung mit weitgehend naturbelassenen oder wenig verarbeiteten und abwechslungsreich ausgewählten Lebensmitteln liefert die richtige Nährstoffzusammensetzung, die der Körper letztlich benötigt. Die Expertin sieht auch den Trend, auf hochverarbeitete Produkte einfach „High Protein“ zu schreiben, kritisch: Chips und Schokoriegel sind kein „gesunder Genuss“, nur weil viel Protein zugesetzt wurde.

Wie viel Protein sollten Erwachsene aufnehmen?

Für Erwachsene gilt: Eine Proteinzufuhr von 0,8 g pro kg Körpergewicht pro Tag ist ein optimaler Referenzwert. Bei einem Menschen, der 68 kg wiegt, sind das 54 g Protein pro Tag, rechnet die DGE vor. So eine Menge steckt z. B. in 2 Scheiben Vollkornbrot mit Erdnussmus (15 g Protein), 250 g Ofenkartoffeln mit 150 g Quark (25 g Protein) und 150 g gegarten Linsen (14 g Protein). Hier stecken dann neben Eiweiß auch noch andere, wichtige Mineralstoffe und Vitamine drin, auch die so wichtigen Ballaststoffe.