Heftiger Schneesturm im Anmarsch
: So kleiden sich Menschen in Skandinavien bei minus 20 Grad

Ein heftiger Schneesturm rollt auf Deutschland zu. So sollte man sich bei Dauerfrost und extremen winterlichen Verhältnissen kleiden.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Cottbus
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Zwei Passanten gehen über einen verschneiten Gehweg. Schneechaos, heftiger Wind und heranziehende Eiseskälte haben in Teilen Skandinaviens Stromausfälle, Verkehrsbehinderungen und weitere Probleme verursacht. +++ dpa-Bildfunk +++

So sollte man sich bei eisigen Temperaturen kleiden.

Vesa Moilanen/dpa

In weiten Teilen Skandinaviens gehören Temperaturen von minus 20 Grad Celsius im Winter zum Alltag. Regionen wie Nordschweden, Nordnorwegen und Lappland in Finnland erleben oft lang anhaltende Kälte, starken Wind und Schnee über Monate hinweg. Um im Alltag draußen unterwegs zu sein und Beruf, Schule oder Freizeitaktivitäten zu bewältigen, hat sich dort über Generationen eine Kleidungstradition entwickelt, die sowohl funktional als auch an das harte Klima angepasst ist. Diese Art des Anziehens unterscheidet sich deutlich von der simplen Wintermode in gemäßigteren Regionen und basiert auf wissenschaftlich belegten Prinzipien der Thermoregulation und praktischen Erfahrungen vor Ort.

Was anziehen bei –20 Grad?: Schichtenprinzip und Materialien

Zentral für das Anziehen bei extremen Temperaturen ist das sogenannte Zwiebelprinzip oder Schichtenprinzip, bei dem mehrere Kleidungslagen übereinander getragen werden, um Körperwärme zu speichern und Feuchtigkeit von der Haut wegzuleiten.

  • Die erste Schicht direkt auf der Haut besteht meist aus Merinowolle oder synthetischen Thermounterwäschen, da diese Materialien Feuchtigkeit nach außen transportieren und gleichzeitig isolieren.
  • Darüber folgt eine isolierende Mittelschicht aus Fleece oder dicker Wolle, die Wärme speichert, aber zugleich atmungsaktiv bleibt.
  • Die äußerste Schicht ist winddicht und wasserdicht, etwa eine technische Jacke mit Membran wie Gore Tex oder spezialisierte Parkas, die Wind und Schnee abhalten und so den Wärmeverlust verhindern.

Dieser Schichtaufbau gilt als Standard für Temperaturen unter minus 20 Grad, weil er einerseits Wärme speichert und andererseits die Funktionalität für Bewegung im Alltag sicherstellt.

Eisige Temperaturen - Schutz für Hände, Füße und Kopf

Nicht nur der Rumpf, sondern auch Hände, Füße und Kopf benötigen besonderen Schutz, da über diese Körperteile besonders viel Wärme verloren geht. In Skandinavien setzen Menschen daher auf dicke Wollsocken, oft aus Merinowolle, und wasserfeste, isolierte Winterstiefel, die vor Kälte und Nässe schützen. Handschuhe und Fäustlinge kommen in mehreren Schichten zum Einsatz, mit dünneren Innenhandschuhen und darüber liegenden, dick isolierten Modellen. Auch Kopfbedeckung ist essenziell, denn ein großer Teil der Körperwärme entweicht über den Kopf. Mützen aus Wolle oder Fleece und bei stärkstem Frost häufig Gesichtsschutz wie Balaclavas sind gängige Mittel, um Kopf und Gesicht warm zu halten.

Traditionelle und moderne Elemente

Auch traditionelle Kleidungsstücke haben ihren Platz in skandinavischen Wintergarderoben. Bei indigenen Völkern wie den Samen sind spezielle Umhänge aus dickem Gewebe verbreitet, die über der normalen Kleidung getragen werden und zusätzlich Wärme bieten. Diese traditionellen Kleidungsstücke haben sich über Jahrhunderte bewährt und sind ein Zeugnis der kulturellen Anpassung an extreme Temperaturen im Norden. Gleichzeitig sind moderne technische Materialien und gut konzipierte Winterjacken weit verbreitet. Viele Menschen in Ländern wie Island besitzen hochwertige Jacken, die speziell für arktische Bedingungen entwickelt wurden und sowohl im Alltag als auch bei Outdoor-Aktivitäten wie Hundeschlittenfahrten oder Skitouren zum Einsatz kommen.

Kleidung bei starkem Dauerfrost

Im urbanen Alltag in Städten wie Stockholm, Oslo oder Helsinki achten viele Skandinavier darauf, funktionale Kleidung mit Alltagstauglichkeit zu verbinden. Die äußere Schicht bleibt technisch leistungsfähig, während untere Schichten und Accessoires wie Schals, Mützen und Handschuhe oft auch Elemente des persönlichen Stils zeigen. Trotz winterlicher Temperaturen ist es vielen Menschen möglich, sich während des täglichen Wegs zur Arbeit oder zum Einkaufen angemessen warmzuhalten, ohne sich ausschließlich wie bei einer Expedition auszurüsten. Der Schlüssel liegt in der klugen Kombination von Schichten, der Wahl geeigneter Materialien und der Beachtung von Windschutz und Feuchtigkeitsmanagement.