Falsche Polizisten in Sachsen: So erkennt man echte Dienstausweise

Jährlich geschehen dutzende Betrugsfälle mit „falschen Polizisten“ in Sachsen. Wie schützt man sich am besten davor?
Pia Bayer/dpaKlingeln vermeintliche Polizisten an der Haustür, sollte man sich immer den Dienstausweis zeigen lassen. Echte Beamtinnen und Beamte führen diesen immer mit und können sich damit eindeutig legitimieren. Unter anderem in Sachsen wird jetzt bis Ende 2026 ein neuer Dienstausweis eingeführt. Wie erkennt man, dass es sich dabei um einen echten Nachweis handelt?
Sachsen: Betrugsfälle mit falschen Polizisten
Zwischen 2020 und 2023 registrierte die Polizei sinkende Fallzahlen in Bezug auf Betrugsfälle mit „falschen Polizisten“: von 587 Versuchen (447 vollendet) im Jahr 2020 auf 117 Fälle im Jahr 2023 (56 vollendet). Die Schadenssummen schwankten stark. 2021 lag der Verlust bei fast einer Million Euro, 2023 noch bei rund 473.000 Euro.
Besonders betroffen sind Senioren: Allein 2023 gab es in Sachsen 34 Geschädigte zwischen 70 und 79 Jahren, 61 zwischen 80 und 89 sowie 15 im Alter von über 90 Jahren. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Betroffene aus Angst oder Scham keine Anzeige erstatten.
Neuer Dienstausweis: Echte Polizisten erkennen
Die neuen Dienstausweise der Polizei Sachsen sind im Chipkarten-Format (85,6 mm x 53,98 mm) gestaltet und gelten als besonders fälschungssicher. Sie sind hellblau und tragen auf der Vorderseite neben Foto, Namen und Dienstgrad ein zweites Bild als Kippbild sowie eine fühlbare Erhebung am unteren linken Rand. Zusätzlich sind der Polizeistern als Hologramm und das jeweilige Landeswappen integriert.
Die Rückseite kennzeichnet sich durch den 110-Schriftzug in optisch variabler Tinte. Darüber hinaus ist das Wort „Polizei“ in Brailleschrift abgebildet, sodass auch sehbehinderte Menschen die Echtheit des Ausweises überprüfen können. Als ausstellende Behörde ist das Sächsische Staatsministerium des Innern benannt.
Bis Ende 2026 sollen alle Polizeibediensteten in Sachsen mit dem neuen, bundeseinheitlichen Ausweis ausgestattet sein. Bis dahin behalten auch die bisherigen Ausweise ihre Gültigkeit.

Der neue Dienstausweis der Polizei Sachsen.
Polizei SachsenBeispiel: So läuft die Betrugsmasche ab
Der Ablauf des Betrugs kann sich von Fall zu Fall unterscheiden. Die Polizei Sachsen beschreibt eine gängige Masche wie folgt: Die Betrüger rufen meist ältere Menschen an und geben sich als Polizisten aus. Sie behaupten, in der Nachbarschaft seien Einbrecher festgenommen worden. Bei ihnen habe man eine Liste mit weiteren Zielen gefunden, auf der auch der Name des Angerufenen stehe. So erzeugen sie Angst und den Eindruck akuter Gefahr.
Im nächsten Schritt kündigen die Täter an, ein angeblicher Kollege in Zivil werde vorbeikommen, um Geld, Schmuck oder andere Wertsachen „in Sicherheit“ zu bringen. Teilweise werden die Opfer auch aufgefordert, Bargeld oder Wertgegenstände an einem Treffpunkt zu hinterlegen oder an einen Kurier zu übergeben. Ist das Vermögen bei der Bank, behaupten die Anrufer, Bankangestellte seien korrupt. Die Opfer sollen dann ihre Konten leeren und das Geld an den vermeintlichen Polizisten aushändigen.
Damit das glaubwürdig wirkt, setzen die Täter technische Tricks ein: Auf dem Telefondisplay erscheint die Nummer 110 oder eine örtliche Telefonnummer. Außerdem drängen sie ihre Opfer zu absoluter Verschwiegenheit, z. B., weil es sich um ein geheimes Ermittlungsverfahren handle. So verhindern sie, dass Betroffene mit Angehörigen oder der echten Polizei sprechen. Oft halten die Betrüger ihre Opfer stundenlang am Telefon, bis zur geplanten Geldübergabe. Wer misstrauisch reagiert, wird eingeschüchtert oder mit angeblichen Konsequenzen bedroht.
Wichtige Hinweise der Polizei Sachsen
Wer an der Haustür Zweifel an der Echtheit von Polizisten oder deren Ausweisen hat, sollte nicht zögern, selbst die Polizei zu verständigen. Entweder man ruft bei der nächsten Dienststelle oder im Ernstfall bei der 110 an. Die Telefonnummer gilt es dabei selber herauszusuchen. Eine von den angeblichen Amtspersonen genannte Nummer könnte ebenfalls gefälscht sein. Während des Verifizierungsvorgangs sollen die entsprechenden Personen vor der verschlossenen Tür warten.
Die Polizei Sachsen weist zudem darauf hin, dass sie niemals unter der 110 anruft. Echte Beamten fragen nie nach Bargeld oder Wertgegenständen und die Polizei nimmt auch keine Wertsachen zur Verwahrung entgegen. Man sollte keine Auskünfte über Geld oder Eigentum am Telefon geben, Gespräche bei Zweifeln sofort beenden und niemals Bargeld oder Schmuck an Unbekannte übergeben. Der Dienstausweis kann immer verlangt werden. Wer sich unsicher fühlt, sollte Angehörige oder Nachbarn miteinbeziehen.
Weiter Informationen rund um das Thema bietet hier die Polizei Sachsen.
