Ergebnisse der Wahlen in Bolivien 2025
: Rodrigo Paz vor Jorge Quiroga – Stichwahl am 19. Oktober

Am Sonntag hat Bolivien einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament gewählt. Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl bedeuten einen tiefgreifenden politischen Umbruch.
Von
David Hahn
Sucre
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Präsidenten- und Parlamentswahl in Bolivien: 18.08.2025, Bolivien, La Paz: Präsidentschaftskandidat Rodrigo Paz (M) spricht zu seinen Anhängern nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse bei den Präsidentschaftswahlen. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Präsidentschaftskandidat Rodrigo Paz (M) spricht zu seinen Anhängern nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse bei den Präsidentschaftswahlen am 18.08.2025 in Bolivien, La Paz.

Natacha Pisarenko/AP/dpa

Erstmals seit fast 20 Jahren wird die linksgerichtete „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) von der Macht verdrängt. Im ersten Wahlgang setzte sich bei der Präsidentschaftswahl der Christdemokrat Rodrigo Paz überraschend gegen seine Konkurrenten durch.

Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Bolivien 2025

Paz liegt nach Angaben von CNN nach der Auszählung von 95,47 % Stimmen mit 32,2 Prozent vorn. Auf dem zweiten Platz folgt der ehemalige Präsident Jorge Quiroga, der etwa 26,8 Prozent erreichte. Damit stehen sich beide konservativen Kandidaten am 19. Oktober in einer Stichwahl gegenüber.

Der Unternehmer Samuel Doria Medina, lange Zeit Favorit in den Umfragen, landete überraschend nur auf dem dritten Platz mit 19,9 Prozent. Der junge Linkspolitiker Andrónico Rodríguez erhielt 8,2 Prozent der Stimmen. Auffällig hoch war der Anteil ungültiger Stimmen: 19 Prozent folgten dem Aufruf von Morales, den Wahlzettel zu entwerten, weitere zwei Prozent gaben leere Stimmzettel ab. Morales durfte aufgrund der verfassungsrechtlichen Amtszeitbegrenzung nicht erneut kandidieren. Gleichzeitig steht er wegen eines Haftbefehls im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch einer Minderjährigen unter Druck und hält sich seit Monaten in Cochabamba auf, wo ihn Anhänger schützen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am 18. August 2025.

Für die MAS-Partei, die unter Evo Morales und später Luis Arce fast zwei Jahrzehnte lang Bolivien dominierte, ist das Ergebnis ein herber Rückschlag. Ihr Kandidat Eduardo del Castillo kam lediglich auf 3,2 Prozent. Damit sicherte die Partei nur knapp ihren Status, wird künftig aber eine unbedeutende Rolle spielen. Die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl auf einen Blick:

  • Rodrigo Paz (Christdemokraten): 32 %
  • Jorge Quiroga (Neoliberal, Ex-Präsident): 26 %
  • Samuel Doria Medina (Unternehmer, Umfragefavorit): 19 %
  • Andrónico Rodríguez (linksgerichtet): 8 %
  • Eduardo del Castillo (MAS – Bewegung zum Sozialismus): 3 %

Besondere Stimmen

  • Ungültige Stimmen (Boykottaufruf Evo Morales): 19 %
  • Leere Wahlzettel: ca. 2 %

Die BBC berichtet nach dem ersten Wahlgang von einer Wahlbeteiligung von 78,55 %.

Wirtschaftskrise als Auslöser

Bolivien hat über 12 Millionen Einwohner und ist rund dreimal so groß wie Deutschland. Es zählt laut dpa zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Hintergrund der politischen Neuorientierung ist die schwere Wirtschaftskrise, unter der das Land leidet. Die Inflation liegt bei 25 Prozent, zugleich gibt es Engpässe bei Treibstoff, Medikamenten und Grundnahrungsmitteln. Jahrzehntelang setzte die linke Regierung auf teure Subventionen, vor allem für Treibstoffe, was die Finanzlage zusätzlich verschärfte. Besonders ländliche und indigene Regionen leiden unter Armut, Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist weit verbreitet.