Emotionaler Termin für Königin Sonja
: Sie liest die rührenden Abschiedsbriefe an König Harald

Für Königin Sonja (89) war es ein besonders bewegender Termin: Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres geliebten Mannes besuchte sie das Nationalarchiv in Oslo.
Von
Katrin Jokic
Oslo
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Abschied von König Harald V.: Norwegens Königin Sonja legt während der Trauerfeier für König Harald V. in der Kathedrale von Oslo eine Rose auf den Sarg. (zu dpa: «Königin Sonja gehört nicht mehr zum norwegischen Königshaus»)

Abschied von König Harald V.: Norwegens Königin Sonja legt während der Trauerfeier für König Harald V. in der Kathedrale von Oslo eine Rose auf den Sarg.

Lise Åserud/POOL NTB/dpa

Es sind Worte voller Liebe, Trauer und Dankbarkeit: Nach dem Tod von König Harald V. hatten unzählige Menschen vor dem Königsschloss in Oslo Blumen, Briefe, Zeichnungen und persönliche Abschiedsgrüße niedergelegt. Nun konnte seine Witwe Königin Sonja einen Teil dieser Erinnerungsstücke selbst in Augenschein nehmen.

Am Montag, dem 12. Oktober, besuchte die 89-Jährige das norwegische Nationalarchiv in Oslo. Dort werden die zahlreichen Trauerbekundungen aufbewahrt, die in den Tagen vor und nach Haralds Tod auf dem Schlossplatz zusammengetragen worden waren.

Bewegende Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann

Für Sonja dürfte der Besuch eine emotionale Erfahrung gewesen sein. Schließlich erinnern die persönlichen Botschaften nicht nur an einen König, sondern auch an den Mann, mit dem sie jahrzehntelang ihr Leben geteilt hatte.

Die Mitarbeiter des Nationalarchivs zeigten der Königin, wie die Erinnerungsstücke gesammelt, gesichert und für kommende Generationen aufbewahrt werden. Viele der Briefe und Zeichnungen wurden von den Menschen ganz persönlich gestaltet, um ihrer Verbundenheit mit dem verstorbenen Monarchen Ausdruck zu verleihen.

„Die Grüße, die auf dem Schlossplatz niedergelegt wurden, bringen auf einzigartige Weise zum Ausdruck, was König Harald für uns, das norwegische Volk, bedeutet hat“, erklärte Nationalarchivarin Inga Bolstad im Vorfeld des Besuchs.

Die Abschiedsbriefe sollen für immer erhalten bleiben

Damit die persönlichen Erinnerungen nicht verloren gehen, betreibt das Nationalarchiv einen besonderen Aufwand. Die gesammelten Gegenstände wurden zunächst eingefroren, um sie vor Schäden zu schützen. Anschließend wird das Material gesichtet. Eine repräsentative Auswahl soll dauerhaft in speziellen Archivkartons in einem gesicherten Magazin im Felsen aufbewahrt werden. Zahlreiche Erinnerungsstücke wurden zudem fotografiert und sollen digital erhalten bleiben.

Die Botschaften werden damit zu einem Teil des nationalen Gedächtnisses. Auch künftige Generationen sollen nachvollziehen können, welche Bedeutung König Harald für die Menschen in Norwegen hatte.

Dass Sonja persönlich vorbeikam, hatte für die Mitarbeiter des Archivs eine besondere Bedeutung. „Es ist eine Ehre, dass Königin Sonja uns besuchen und mehr über diese Arbeit erfahren möchte“, betonte Bolstad.

Königin Sonja kehrt langsam in den royalen Alltag zurück

Der Besuch fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Sonja nach dem Verlust ihres Mannes wieder verstärkt öffentliche Verpflichtungen übernimmt. Für die Königin ist es eine schwierige Zeit, in der sie sich an ein Leben ohne Harald gewöhnen muss.

Doch trotz ihrer persönlichen Trauer setzt die 89-Jährige ihre Aufgaben fort. Bereits Ende Oktober steht für sie eine Reise nach Spanien auf dem Programm. Am 29. Oktober wird sie in Málaga die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Edvard Munch und Pablo Picasso besuchen.

Zuvor stand jedoch die Erinnerung an ihren verstorbenen Mann im Mittelpunkt. Der Besuch im Nationalarchiv machte noch einmal deutlich, wie groß die Anteilnahme der norwegischen Bevölkerung nach Haralds Tod war – und wie viele Menschen mit ihren persönlichen Worten Abschied von dem König nehmen wollten.