Bluttat in Stade: Bericht: Todesschütze soll Tochter missbraucht haben und aus Gefängnis geflohen sein

Nach tödlichen Schüssen in einer Jugendeinrichtung in Stade herrscht auch mehrere Tage später noch Trauer.
Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa- In Stade wurden in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen erschossen.
- Der 45-Jährige sitzt in U-Haft – die Polizei vermutet einen Sorgerechtsstreit als Motiv.
- Laut Bild war der Mann in der Türkei mehrfach auffällig und 2021 aus einem Gefängnis geflohen.
- Die Staatsanwaltschaft Stade kennt keine türkischen Verfahren gegen ihn, bestätigt aber Aggressivität.
- Die Mutter des Kindes und das drei Monate alte Kind leben, beide zählen nicht zu den Opfern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach dem gewaltsamen Tod von sechs Menschen im niedersächsischen Stade gibt es neue Informationen zum mutmaßlichen Schützen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, ist der 45-Jährige, der in U-Haft sitzt, in der Türkei bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Laut der „Bild“-Recherche, die sich auf Auszüge aus dem türkischen Justizsystem UYAP bezieht, lief gegen ihn bereits im Jahr 2007 ein Strafverfahren wegen eines schweren Sexualdelikts in Kahramanmaraş im Süden Anatoliens. Zudem wird ihm demnach vorgeworfen, im Jahr 2022 seine Tochter aus einer früheren Beziehung in Gaziantep sexuell missbraucht zu haben. Zuvor sei er nach einem anderen Delikt 2021 aus einem türkischen Gefängnis geflohen – und seitdem auf der Flucht.
Den deutschen Behörden sind diese Informationen offenbar nicht bekannt gewesen. Auf Anfrage der „Bild“-Zeitung verneinte die Stader Staatsanwältin, über Straftaten des Schützen in der Türkei informiert zu sein. In Deutschland selbst war der Tatverdächtige der Polizei bisher nicht wegen schwerer Gewaltdelikte bekannt, er war aber unter anderem gegenüber Behörden und Ärzten aggressiv geworden.
45-Jähriger tötete sechs Menschen mit Schüssen
Der Mann, der in Deutschland geboren wurde, aber türkische Wurzeln hat, soll am Montag, 29. Juni 2026, bei einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade, westlich von Hamburg, sechs Menschen erschossen haben. Laut Polizei waren die getöteten Frauen und Männer alle in der Jugendhilfe beschäftigt. Er sitzt in Untersuchungshaft.
Hintergrund der Tat war nach Angaben der Polizei vermutlich ein Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige hatte demnach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine Tochter. Das Jugendamt hatte mehreren Medienberichten zufolge das Kind aus der Familie genommen, da Ärzten bei einem Klinikaufenthalt des Säuglings der Verdacht auf Gewalt durch „Schütteln“ gekommen war. Die Mutter des Kindes, eine 34 Jahre alte Frau, sowie das drei Monate alte Kind zählen nicht zu den Todesopfern.
Nach den tödlichen Schüssen nehmen unterdessen viele Menschen Anteil am Schicksal der Opfer – und dem zweier kleiner Kinder. Für die Drei- und Vierjährigen, deren Mutter getötet wurde und die bereits zuvor ihren Vater verloren hatten, kamen über die Spendenplattform GoFundMe binnen kurzer Zeit mehr als 620.000 Euro zusammen.
Nach Angaben der Spendenseite beteiligten sich bis Mittag über 24.000 Menschen an der Aktion. Dem Aufruf zufolge war der Vater der beiden Drei- und Vierjährigen wenige Wochen zuvor gestorben. „Am 9. Juni nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mama viel zu früh aus dem Leben gerissen“, steht in dem Aufruf.
Auf der Spendenseite heißt es über die 32-Jährige: „Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen.“ Weiter heißt es dort: „Ihre eigenen Kinder waren ihr größter Schatz. Sie waren ihr Stolz, ihre Freude und ihr Ein und Alles. Sie hat ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit geschenkt und alles dafür getan, dass es ihnen gut geht. Auch nach dem Verlust ihres Mannes blieb sie stark und kämpfte jeden Tag für ihre beiden Kinder.“
Mit dem Geld solle den Kindern ein möglichst sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden. Dabei gehe es um Versorgung, Betreuung, Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie Kosten rund um die Beerdigung. Wie der weitere Weg der Kinder aussehe, sei noch ungewiss.
Mit Material von dpa

