Biotonne in Sachsen: Dieser Fehler ist lästig und teuer

Die Biotonnen in Sachsen bleiben seit Mai dieses Jahres immer häufiger am Straßenrand stehen. Grund ist eine Gesetzesnovelle. Was dann zu tun ist und welcher Irrtum immer wieder dafür sorgt, dass der Biomüll nicht abgeholt wird.
Marijan Murat/dpaSeit Mai schreibt die Bioabfallverordnung deutschlandweit vor, dass der Anteil an Fremdstoffen im Biomüll höchstens drei Prozent betragen darf. Auch in Sachsen wird seither sehr viel weitreichender kontrolliert, ob die Biotonne richtig befüllt ist. Erreicht werden soll damit, dass möglichst reiner Biomüll in den Entsorgungsanlagen landet. Denn Störstoffe, die vor oder nach der Kompostierung entfernt werden müssen, machen den Verwertungsprozess deutlich aufwändiger und kostenintensiver.
Finden sich zu viele Fremdstoffe in einer Tonne, bleibt diese ungeleert stehen. Das kam nach Aussagen der Abfuhrunternehmen seither viele tausendmal in Sachsen vor. Was Kundinnen und Kunden dann tun müssen, um den Biomüll loszuwerden und welche Stoffe in der Biotonne verboten sind - eine Übersicht.
So oft bleibt die Biotonne in Sachsen stehen
Voriges Jahr seien in Dresden 167 falsch befüllte Biotonnen als Restabfall entsorgt worden. In Chemnitz bleiben nach Angaben der Abfallentsorgung jährlich 1.600 bis 1.700 Biotonnen bei der Leerung stehen.
Der Abfallentsorger im Landkreis Leipzig, die KELL GmbH, erfasst erst seit diesem Jahr, wie viele falsch befüllte Biotonnen nicht mitgenommen werden. Schätzungsweise seien es 125 bis 150 Stück jährlich, teilte Sprecherin Sandra Fröbel mit. Seit der Verschärfung der Regeln im Mai habe der Entsorger insgesamt 38 Biotonnen gesondert entleert. Anders sieht es in Leipzig aus. Hier nimmt die Stadtreinigung jährlich rund 10.000 Biotonnen nicht mit, weil sie zu viele Fremdstoffe enthalten, teilte Sprecherin Claudia Ballhause gegenüber der Deutschen Presseagentur mit.
So werden die Biotonnen geprüft
Kontrolliert wird das per „Sichtprüfung“ - die Mitarbeiter werfen also einen Blick in die Tonne. In anderen Teilen Deutschlands wird schon fortschrittlicher geprüft, beispielsweise per KI-Scanner. So wollen beispielsweise Landkreise wie Esslingen oder Böblingen in Baden-Württemberg in Zukunft mithilfe von KI gegen Müllsünden vorgehen. Die Alba-Gruppe, die zum Beispiel in Braunschweig und Cottbus den Müll entsorgt, testet ebenfalls seit längerer Zeit neue Technologien, unter anderem das Detektorsystem „Deep Scan“.
Bio-Plastikbeutel vielerorts nicht erlaubt
In die Biotonne gehören Küchenreste, Lebensmittel und Grünabfälle aus dem Garten. Allerdings finden die Entsorger auch immer wieder Steine, Babywindeln oder Asche im Biomüll. Auch Kunststoffbeutel werden immer wieder als Fremdstoffe aus dem Biomüll herausgefischt. Vor allem der Anteil an Kunststoffen soll durch die Prüfungen aber auf ein Minimum reduziert werden. Ein Problem stellen die handelsüblichen Bioabfallsammelbeutel aus Bioplastik dar.
Einerseits sind die bei den Sichtprüfungen nicht immer als solche erkennbar, andererseits zersetzen sich die Tüten auf Basis von pflanzlicher Stärke nicht vollständig oder zu langsam. Bioplastiktüten mit einer anerkannten Zertifizierung (Voraussetzungen kann man hier einsehen) sind zwar grundsätzlich legal, viele Kommunen erlauben sie aber dennoch nicht oder bitten (z.B. Berlin) darum, diese Beutel nicht einzusetzen. Stattdessen sollen Bioabfallbeutel aus Papier genutzt werden. Da dies nicht in jeder Kommune gilt, ist es ratsam, sich beim örtlichen Entsorgungsunternehmen direkt zu erkundigen, welche Beutel grundsätzlich verwendet werden dürfen.
Biotonne in Sachsen nicht entleert: Was dann zu tun ist
Hat die eigene Biotonne die „Sichtprüfung“ nicht bestanden oder hat gar ein Scanner angeschlagen, landet sie ungeleert wieder am Straßenrand. Die Entsorger informieren Kundinnen und Kunden dann mit einem Aufkleber oder einer Banderole über die falsche Befüllung. Die Bürgerinnen und Bürger können dann entweder den falschen Müll aus der Tonne fischen und sie beim nächsten Mal leeren lassen, oder sie entscheiden sich für eine sogenannte Sonderentleerung, was extra Gebühren kostet.
Übersicht: Das gehört in die Biotonne, das nicht
In die Biotonne dürfen: Eierschalen, feste Speisereste, Wurst, Fleisch, Fisch, Gemüse- und Obstabfälle (auch Südfrüchte), Kaffeefilter, Kaffeesatz und Teebeutel, Küchen- und Papiertücher, Baum- und Strauchschnitt in Kleinmengen, Laub, Rasenschnitt, Topf- und Balkonpflanzen mit Erde, Unkräuter und Wildkräuter sowie verwelkte Blumen.
Nicht in die Biotonne gehören: Kunststoffbeutel, flüssige Speisereste (z. B. Öl, Getränke), Hydrokultur-Substrat, Kehricht, Kleintierstreu, Katzenstreu, Kohle- und Holzasche sowie Ölruß, Leder- und Kleiderreste, Staubsaugerbeutel, Windeln, Zigarettenkippen und -asche.
