Besonderer Moment in Oslo
: Dieses Gebet sprach Victoria auf Haralds Beerdigung

Kronprinzessin Victoria übernahm bei der Beerdigung von König Harald V. eine persönliche Rolle: Im Osloer Dom las sie das sogenannte Gebet des heiligen Franziskus.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Abschied von König Harald V.: 09.09.2026, Norwegen, Oslo: Die schwedische Kronprinzessin Victoria hält während der Trauerfeier für König Harald V. in der Kathedrale von Oslo eine Rede. Foto: Lise Åserud/NTB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die schwedische Kronprinzessin Victoria spricht während der Trauerfeier für König Harald V. in der Kathedrale von Oslo ein Gebet.

Lise Åserud/NTB/dpa

Bei der Trauerfeier für König Harald V. im Osloer Dom trat Kronprinzessin Victoria von Schweden ans Rednerpult und sprach ein Gebet auf Schwedisch. Ihre Wahl hatte eine besondere Bedeutung: Victoria las das sogenannte Gebet des heiligen Franziskus, auch als „Friedensgebet“ oder „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ bekannt.

In deutscher Übersetzung lautet die von Victoria vorgetragene Fassung:

O Herr –
mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo Hass ist, lass mich Liebe bringen.
Wo Bosheit ist, lass mich Vergebung bringen.
Wo Uneinigkeit ist, lass mich Einigkeit bringen.
Wo Zweifel ist, lass mich Glauben bringen.
Wo Unwahrheit ist, lass mich Wahrheit bringen.
Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung bringen.
Wo Trauer herrscht, lass mich Freude bringen.
Wo Dunkelheit herrscht, lass mich Licht bringen.

O göttlicher Meister –
lass mich nicht so sehr danach streben, getröstet zu werden, als vielmehr zu trösten.
Nicht so sehr danach, verstanden zu werden, als vielmehr zu verstehen.
Nicht so sehr danach, geliebt zu werden, als vielmehr zu lieben.
Denn durch das Geben erhält man,
durch das Vergeben wird einem vergeben,
und durch das Sterben erwacht man zum ewigen Leben.

Dasselbe Gebet sprach Victoria bei Haakons Hochzeit

Für Victoria ist der Text eng mit der norwegischen Königsfamilie verbunden. Bereits 2001 bei der Hochzeit des heutigen Königs Haakon und Königin Mette-Marit hatte sie das Gebet im Osloer Dom vorgelesen. Damals galt ihre Beteiligung auch als Zeichen der engen Freundschaft zu Haakon.

2013 trug Victoria das Gebet außerdem bei der Hochzeit ihrer Schwester Prinzessin Madeleine mit Christopher O’Neill vor.

Dass sie gerade diesen Text nun auch beim Abschied von König Harald wählte, schließt damit einen besonderen Kreis. Harald war zudem einer der Taufpaten der schwedischen Kronprinzessin.

Gebet stammt wohl nicht von Franz von Assisi

Der Name des Gebets ist historisch allerdings etwas irreführend. Obwohl es Franz von Assisi zugeschrieben wird, stammt der Text nach heutigem Forschungsstand nicht von dem im 13. Jahrhundert lebenden Heiligen.

Das Gebet lässt sich vielmehr erstmals im Jahr 1912 in einer französischen spirituellen Zeitschrift nachweisen. Der ursprüngliche Verfasser ist unbekannt. Erst später wurde der Text mit Franz von Assisi in Verbindung gebracht und unter seinem Namen weltweit bekannt.

Inhaltlich passt er dennoch zu den Idealen, für die Franz von Assisi steht: Frieden, Versöhnung, Bescheidenheit und die Hinwendung zu anderen Menschen.

Bei der Beerdigung König Haralds bekam das Gebet eine zusätzliche Bedeutung. Sätze über Hoffnung in der Verzweiflung, Licht in der Dunkelheit und Trost in der Trauer richteten sich an diesem Tag nicht nur an die Königsfamilie, sondern an ein ganzes Land, das von seinem langjährigen Monarchen Abschied nahm.