Beschluss am 5.12.
: Deswegen gibt es heftige Kritik am Rentenpaket

Das sind die Gründe für die heftige Kritik an dem Rentenpaket, was am 5.12.2025 beschlossen werden soll.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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Eine Frau liest ein Schreiben der Deutschen Rentenversicherung in ihrer Wohnung. Die Spitzen von Union und SPD wollen heute Abend im Koalitionsausschusses unter anderem nach einer Lösung im Streit über das Rentenpaket suchen. +++ dpa-Bildfunk +++

Deswegen wird das neue Rentenpaket so heftig kritisiert.

Patrick Pleul/dpa

Das Rentenpaket der Bundesregierung, welches am Freitag, 5. Dezember 2025, beschlossen werden soll, sorgte in den letzten Wochen und Monaten für heftige Kritik und Diskussionen. Das sind die Hauptkritikpunkte und die Argumente der Gegner.

Hauptkritikpunkte am Rentenpaket 2025

Das ist die wesentliche Kritik an dem Rentenpaket, welches am 5. Dezember 2025 beschlossen werden soll.

Hohe und langfristige Kosten

Das Institut für Wirtschaftsforschung ifo warnt, dass das Rentenpaket eine enorme Belastung für den Bundeshaushalt darstelle. Besonders nach Ablauf der jetzt gesetzten Haltelinie beim Rentenniveau belaste das Paket den Bundeshaushalt. Ab 2032 seien deutlich höhere Bundeszuschüsse notwendig. Das ifo-Institut schätzt diese auf rund 15 Milliarden Euro pro Jahr.

ifo hält das Paket außerdem für systemisch riskant. Wenn staatliche Zuschüsse unbegrenzt ausgedehnt werden, drohe eine steigende Steuer- und Abgabenlast, was negative wirtschaftliche Folgen und eine Belastung der jüngeren Generationen hätte.

Laut Kritikern sei das Paket eine dauerhafte Milliardenlast auf den Schultern der jungen Generation. Diesen Standpunkt vertritt insbesondere die Junge Gruppe der CDU/CSU. Die Junge Union (JU) bezeichnet das Vorhaben ausdrücklich als nicht zustimmungsfähig, solange keine klaren tragfähigen Finanzierungskonzepte vorlägen.

Generationengerechtigkeit

Ein weiterer Kritikpunkt des ifo-Instituts ist, dass das Paket die Kosten von heutigen Rentnern zu den Beitrags- und Steuerzahlenden der Zukunft, also den jüngeren Generationen verlagere. Laut Kritikern kann eine solche Verschiebung das Vertrauen in ein generationengerechtes Rentensystem untergraben.  Besonders angesichts demografischer Veränderungen, die weniger Einzahler, aber mehr Rentner mit sich bringen.

Die JU und andere Gegner des Rentenpakets fordern, dass künftige Rentenreformen realistischere Demografie- und Finanzierungsmodelle berücksichtigen und nicht einfach alte Leistungsniveaus dauerhaft ohne klare Gegenfinanzierung sichern sollten.

Fehlende Systemreform

Manche Kritik richtet sich darauf, dass das Paket zwar eine Haltelinie bei dem bisherigen Rentenniveau vorsieht, aber strukturelle Probleme (demografischer Wandel, Alterung der Gesellschaft, Rückgang der Beitragszahler) nicht dauerhaft gelöst würden.

Der Nachhaltigkeitsfaktor sieht die automatische Rentenangleichung/Beitragserhöhungen vor, wenn die Anzahl der Beitragszahler sinkt. Dieser Nachhaltigkeitsfaktor soll wegfallen. Für das ifo-Institut sei diese Entscheidung kritisch, weil auf lange Sicht die Finanzierung der Rentenversicherung unsicher bleibe.

Kritiker argumentieren, Altersvorsorge müsse „demografie-gerecht“ umgebaut werden, zum Beispiel durch eine flexible Verbindung von Rentenalter und Lebenserwartung. Das Rentenpaket setze stattdessen auf relativ starre Systeme, so das ifo-Institut.

Ungleiche Vorteile: Risiko sozialer Ungerechtigkeit

Der Teil der Reform, der das Weiterarbeiten über das gesetzliche Rentenalter hinaus (sogenannte „Aktivrente“) fördert, riskierte laut Gegnern, vor allem Besserverdiener zu begünstigen. Für niedrige Einkommen oder Selbstständige und Beamte sei der Vorteil geringer oder gar nicht vorhanden. Einige Experten sehen darin ein Problem für den sozialen Zusammenhalt. Staatliche Subventionen dürften nicht je nach Einkommen unterschiedlich wirken, so die Kritik.

Vertrauensfrage und Koalitionsrisiko

Innerhalb der Regierungskoalition gibt es deutlichen Widerstand. Die Junge Union sieht in dem Rentenpaket eine Überschreitung des mit dem Koalitionsvertrag vereinbarten Rahmens und erklärt das Gesetz in der aktuellen Form für „nicht zustimmungsfähig“. Für viele Kritiker ist das Vorgehen ein Vertrauensproblem, weil laut ihnen kein klarer langfristiger Gesamtplan für Altersvorsorge, demografischen Wandel und Finanzierbarkeit vorliege. Einige warnen sogar davor, dass das Gesetz politisch mehr die kurzfristige Rentenangst, etwa bei älteren Wählern, adressiere, statt nachhaltige Reformen zu ermöglichen.

Gegenargumente: Nicht alle sehen das Rentenpaket als Problem

Es gibt auch Studien und Einschätzungen, die besagen, das Rentenpaket sei nicht per se generationenungerecht und könne sich lohnen. Eine Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) kommt zu dem Schluss, dass alle Generationen, auch die jüngeren, vom Rentenpaket profitieren könnten. Es sei also ein „Fairness-Konzept statt Generationenkonflikt“. Laut dieser Untersuchung wirft die umlagefinanzierte gesetzliche Rente für alle betrachteten Jahrgänge „ordentliche Renditen“ ab. Das heißt, Einzahlungen könnten sich über ein ganzes Arbeitsleben gerechnet als lohnend erweisen. Anhänger des Pakets argumentieren außerdem, dass ohne Stabilisierung des Rentenniveaus massive Rentenkürzungen, vor allem für die Beitragszahler von heute, drohen.