91 Prozent nennen diesen Grund
: Warum der Traum vom Eigenheim platzt

Eine neue Forsa-Umfrage zeigt, welche Kosten den Immobilienkauf in Deutschland besonders belasten.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Neue Einfamilienhäuser entstehen am südwestlichen Stadtrand von Leipzig. (zu dpa: «Viel Andrang auf der Baumesse «Haus» in Dresden») +++ dpa-Bildfunk +++

Der Weg zum Eigenheim scheint für viele Deutsche unerreichbar.

picture alliance/dpa

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) zeigt, warum viele Deutsche den Weg ins Eigenheim heute als deutlich schwieriger empfinden als noch vor fünf Jahren. Befragt wurden 2.248 Menschen in Deutschland zwischen dem 8. Juni und dem 27. Juli 2026.

Der Traum vom eigenen Haus ist in Deutschland weiterhin weit verbreitet. Wenn sie frei wählen könnten, würden 59 Prozent der Befragten in einem eigenen Einfamilienhaus leben. Weitere 17 Prozent bevorzugen eine Eigentumswohnung, sechs Prozent ein eigenes Zweifamilienhaus. Nur zehn Prozent würden sich für eine Mietwohnung entscheiden.

Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. 87 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es heute schwieriger ist, ein Eigenheim zu bauen oder zu erwerben als noch vor fünf Jahren. Nur zwei Prozent halten es für einfacher.

Warum der Weg in die eigenen vier Wände schwieriger geworden ist, beantwortet die Umfrage ebenfalls. Und ein Grund sticht besonders heraus.

91 Prozent nennen gestiegene Baukosten

Unter den Befragten, die den Erwerb oder Bau eines Eigenheims heute für schwieriger halten, nennen 91 Prozent gestiegene Baukosten als Hindernis. Damit liegen sie deutlich vor allen anderen abgefragten Faktoren.

Doch die Baukosten sind längst nicht das einzige Problem. 80 Prozent sagen, dass hohe Lebenshaltungskosten die Möglichkeiten zum Sparen einschränken. 68 Prozent nennen gestiegene Hausnebenkosten. Hohe Zinsen sowie fehlendes Eigenkapital oder mangelnde Kreditwürdigkeit folgen mit jeweils 62 Prozent.

Das Problem besteht damit nicht aus einem einzigen Preistreiber. Für Kaufinteressenten kommen mehrere Belastungen gleichzeitig zusammen: Bauen ist teurer geworden, der Alltag kostet mehr, Finanzierungen belasten stärker und das notwendige Eigenkapital lässt sich schwieriger ansparen.

Hohe Zinsen treffen vor allem Jüngere

Bei einem Blick auf die Altersgruppen zeigen sich zusätzliche Unterschiede. Unter den 18- bis 29-Jährigen, die den Erwerb schwieriger finden, nennen 72 Prozent hohe Zinsen als Hindernis. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es sogar 75 Prozent. Unter den Befragten ab 60 Jahren liegt der Wert dagegen bei 52 Prozent.

Auch fehlendes Eigenkapital spielt für die 30- bis 44-Jährigen eine besonders große Rolle: 72 Prozent nennen mangelndes Eigenkapital oder fehlende Kreditwürdigkeit als Hürde.

Dabei ist gerade bei jüngeren Menschen der Wunsch nach Wohneigentum ausgeprägt. 32 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben an, die Anschaffung einer Immobilie zu planen. Gleichzeitig würden 61 Prozent dieser Altersgruppe bei freier Wahl am liebsten in einem eigenen Einfamilienhaus leben.

Einkommen entscheidet immer stärker über Wohneigentum

Wie groß die finanzielle Hürde ist, zeigt auch der Blick auf das Haushaltsnettoeinkommen. Bei einem Einkommen von weniger als 2.500 Euro besitzen 22 Prozent ein Einfamilienhaus, sechs Prozent eine Eigentumswohnung. Bei Haushalten mit mindestens 4.000 Euro netto sind es dagegen 41 beziehungsweise 13 Prozent.

Der Wunsch nach Eigentum ist allerdings auch unter Menschen mit niedrigeren Einkommen vorhanden. Bei Haushalten mit weniger als 2.500 Euro netto würden 43 Prozent gerne in einem eigenen Einfamilienhaus und 19 Prozent in einer Eigentumswohnung leben.

Die Zahlen legen damit eine klare Diskrepanz nahe: Wohneigentum bleibt attraktiv, ist aber für Haushalte mit geringeren finanziellen Möglichkeiten wesentlich schwerer erreichbar.

Selbst bestehende Eigentümer spüren den finanziellen Druck

Die Belastung endet nicht unbedingt mit dem Kauf. Unter den bereits vorhandenen Eigenheimbesitzern machen sich 20 Prozent Sorgen, ob sie ihr Eigentum in Zukunft noch halten können. Bei Haushalten mit weniger als 2.500 Euro Nettoeinkommen steigt der Anteil auf 28 Prozent. Bei mindestens 4.000 Euro netto sind es 18 Prozent.

Auch an geplanten Sanierungen zeigt sich der finanzielle Druck. Nur 16 Prozent der Eigentümer wollen derzeit energetisch sanieren. Unter Eigentümern mit weniger als 2.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen sind es lediglich neun Prozent.
Von den Eigentümern, die keine energetische Sanierung planen, nennen 40 Prozent zu hohe Kosten als Grund. Ein Viertel gibt an, derzeit nicht über das notwendige Kapital für Modernisierungsmaßnahmen zu verfügen.

Der Wunsch bleibt – die finanziellen Hürden wachsen

Die Umfrage zeichnet damit ein widersprüchliches Bild. Das Eigenheim hat für viele Menschen nichts von seiner Attraktivität verloren. Gleichzeitig hält eine große Mehrheit den Erwerb heute für schwieriger als noch vor fünf Jahren.

Allen voran werden dafür die gestiegenen Baukosten verantwortlich gemacht. Doch die Ergebnisse zeigen auch: Es ist nicht eine einzelne Ursache, an der der Traum vom Eigenheim scheitert. Hohe Lebenshaltungskosten, Nebenkosten, Zinsen und fehlendes Eigenkapital kommen für viele Haushalte zusammen.

Die Ergebnisse beruhen allerdings auf den Einschätzungen der Befragten. Die Umfrage misst nicht, wie sich die tatsächlichen Gesamtkosten eines konkreten Immobilienkaufs verändert haben. Befragt wurden 2.248 deutschsprachige Menschen ab 18 Jahren in Privathaushalten in Deutschland. Forsa führte die Untersuchung im Auftrag des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) zwischen dem 8. Juni und dem 27. Juli 2026 durch. Die statistische Fehlertoleranz der Gesamtstichprobe liegt laut Forsa bei plus/minus zwei Prozentpunkten.