Von Peter Blochwitz

Das Filmfestival Cottbus schaut am Sonntag gebannt nach Hollywood, wo der Publikumsliebling des Jahres 2018, „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ Oscar-Chancen hat. Und das Festival schaut schon auf seinen 29. Jahrgang vom 5. bis 10. November. Da hält es einige Neuerungen bereit.

Wie Programmdirektor Bernd Buder bekannt gab, werden in diesem Jahr Filme aus Finnland, Griechenland und der Türkei das Festivalprogramm bereichern. „Wir möchten damit den zahlreichen kulturellen und historischen Verbindungen Rechnung tragen, die zwischen den bisher beim Festival präsenten Ländern und den nun neu hinzukommenden bestehen“, erklärte Buder. „Diese Ergänzung der Ländervielfalt ermöglicht es, einen ganz neuen Blick auf Osteuropa und dessen östliche Nachbarn zu werfen.“
Für die Auswahl der Filme zeichnet ein Kuratoren-Team verantwortlich, dem ab diesem Jahr auch Nikolaj Nikitin angehört. Seit 2002 ist er unter anderem bei der Berlinale Delegierter für Mittel- und Osteuropa, Russland, das Baltikum, die Kaukasusrepubliken, Zentralasien, Mongolei, Finnland, Norwegen und Schweden.

Zudem initiierte Nikitin 2013 „SOFA – School of Film Agents“, ein Trainingsprojekt für Filmvermittler.
„Ich freue mich, zum renommierten Team des Festivals zu stoßen“, sagt Nikolaj Nikitin. „Über all die Jahre konnte ich die Entwicklung dieses hoch professionellen Festivals mit klarem Profil mit eigenen Augen beobachten, und für mich zählt es zum bedeutendsten fokussierten Treffpunkt zwischen Ost und West, nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern im gesamteuropäischen Kontext.“
Im Rahmen des 29. Festivals findet vom 6. bis 8. November der 21. Ost-West-Koproduktionsmarkt connecting cottbus statt. Wichtige Branchenvertreter wie Filmproduzenten, Förderer und Verleiher aus allen Teilen Europas kommen zusammen, um sich über neue Ideen und Trends internationaler Koproduktionen zu informieren und spannende Filmprojekte in der Anfangsphase sowie Arbeiten in der Postproduktion zu fördern. Erstmals gibt es einen zusätzlichen offiziellen Vorbereitungstag, an dem die Projektteilnehmer intensives, maßgeschneidertes Feedback und Beratung in den Bereichen Pitch, Finanzierung, Vertrieb und Marketing erhalten.

Der Special Pitch Award des vergangenen Festivals, der traditionell bei der Berlinale verliehen wurde, war an Sergey Dvortsevoy gegangen. Dieser Preis ermöglicht dem russischen Regisseur die Teilnahme am 21. connecting cottbus, wo er sein neues Projekt vorstellen wird. Dvortsevoy hatte beim 28. Filmfestival Cottbus mit seinem Film „Ayka“ den Hauptpreis für den besten Film und den Preis der Ökumenischen Jury gewonnen. Außerdem hatte „Ayka“ noch auf der Shortlist von insgesamt zehn Filmen gestanden, die sich in diesem Jahr Chancen auf einen Auslands-Oscar ausrechnen konnten. In die Endrunde schaffte es dann der Cottbuser Publikums-Preisträger von 2018, „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ von Pawel Pawlikowski. Der polnische Regisseur hat den Oscar für den besten fremdsprachigen Film schon einmal gewonnen: 2014 mit „Ida“. Kann er den Erfolg wiederholen? Die diesjährige Verleihung ist Sonntagnacht.

Ebenfalls während der Berlinale war der mit 4500 Euro dotierte Förderpreis der Münchener Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film und Fernsehrechten mbH (GWFF) verliehen worden. GWFF-Geschäftsführerin Gertraude Müller-Ernstberger hatte den Preis der 23-jährigen russischen Produktionsstudentin Larisa Glebova von der Staatlichen Universität für Filmkunst und Fernsehen Sankt Petersburg überreicht. Glebova ist unter anderem Produzentin des Streifens „Trabantenstadt“ (Regie: Stanislav Malkov), der 2017 im Wettbewerb Kurzfilm beim Cottbuser Festival zu sehen war.