Toni Krahl in Cottbus 2025: So war das Konzert mit den Kinx in der Stadthalle

Bestens Gelaunt: Toni Krahl bei seinem Konzert mit den Kinkx vom Prenzlauer Berg in der Stadthalle Cottbus.
Michael Heider- Toni Krahl spielte am 20.12.2025 mit den Kinx in der Stadthalle Cottbus – drei Jahre nach dem City-Abschied.
- Die neue Formation präsentierte Songs des ersten Solo-Albums „Genauso war’s“ und City-Klassiker.
- Die Setlist umfasste bekannte Hits wie „Die Sonne geht auf“ und „Am Fenster“ sowie neue Stücke.
- Die Bandmitglieder haben eine enge musikalische Vergangenheit und begeistern mit Spielfreude.
- Krahl betonte, die Kinx seien eigenständig und keine Fortsetzung von City.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Weil Stillstand müde macht, muss man sich bewegen“, singt Toni Krahl mit unverkennbarer Reibeisenstimme. „Phönix“ heißt der Opener an diesem Samstagabend (20.12.) in Cottbus. Und man darf die rockig-bluesige Nummer wohl als Mantra des 76-Jährigen verstehen. Stillstand scheint der Mann mit Sonnenbrille jedenfalls zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Und das ist auch gut so!
Fast auf den Tag genau drei Jahre nachdem er mit City die letzte Runde gedreht und einen Schlussstrich unter knapp fünf Jahrzehnte Musikgeschichte gesetzt hat, steht die Ostrock-Ikone noch immer auf der Bühne. Auf derselben Bühne wohlgemerkt, auf der er vergangenes Jahr noch mit Silly und Julia Neigel etwas Elektrokakustik in die Stadthalle Cottbus gebracht hat.
„Wer aus der Asche aufersteht, muss erst verbrennen“, heißt es in „Phönix“ weiter. Nun, ganz so dramatisch mutet der Entstehungskontext von Toni Krahl und den Kinx vom Prenzlauer Berg nicht an. Doch dass mit dieser frischen Formation etwas Neues aus Altem hervorgegangen ist, daran besteht kein Zweifel. Sogar eine späte Premiere hat sie gezeitigt: Krahls erstes Solo-Album. „Genauso war’s“ heißt die Platte, die September erschien. Die dazugehörige Tour führt den einstigen City-Frontmann an diesem Samstag ein weiteres Mal nach Cottbus.
Toni Krahl hat Lust, das spürt man in Cottbus
„Hallo, liebe Gemeinde!“, begrüßt der Sänger in gewohnter Manier seine Cottbuser Fans. Musikalisch bilden die Begrüßung energiegeladene neue Nummern wie der Titelsong „Genauso war’s“. Krahl hat Lust, das spürt man. Er stampft die Füße im Takt, er animiert das Publikum mit schwingenden Armen – und er singt mit allem, was die Stimme mit der unvergleichlich heiseren Färbung hergibt. Wie eine raue Wolldecke legt sich sein Gesang über die Stadthalle.
Vom Überstehen der ersten Lieder des neuen Albums, wie Krahl es scherzhaft umschreibt, kann keine Rede sein. Doch die wärmende Kraft der Nostalgie ist stark an diesem kalten Winterabend in Cottbus. Entsprechend laut ist der Applaus, als die Kinx zum ersten Mal „in die Schatzkiste von City greifen.“ Den Anfang macht der hoffnungsvoll-nachdenkliche Klassiker „Die Sonne geht auf“.

Singt mit allem, was seine schwingende Stimme mit ihrer unvergleichlich heiseren Färbung hergibt: Toni Krahl (li.) und Kinx vom Prenzlauer Berg-Gitarrist Reinhard Petereit
Michael HeiderDie Musik von einst soll nicht nur das Publikum bei der Stange halten: „Ich hatte auch große Sehnsucht nach diesen alten Schinken“, sagt Krahl. Gemeinsam zelebrieren die Cottbuserinnen und Cottbuser mit den Kinx diese „Schinken“, klatschen und singen nicht nur zu Nummern wie dem eindringlichen „Vater glaubte“.
Die Fahne von City weht kräftig bei den Kinx vom Prenzlauer Berg
Dass er auf der aktuellen Tour auch kräftig die City-Fahne wehen würde, hatte Toni Krahl schon im Vorfeld verkündet. In Cottbus besteht rund die Hälfte der Setlist aus Songs der City-Ära. Nummern wie „Z.B. Susann“ und „Casablanca“ singt Krahl mit rauchiger Stimme. Die Kinx vom Prenzlauer Berg verbeugen sich tief vor der Leistung der Ausnahme-Band aus Ost-Berlin.
Doch auch Krahls Solo-Songs mit ihren persönlichen, nah am Leben stattfindenden Texten ziehen in den Bann. Sie erzählen Geschichten, die den meisten in der Stadthalle in der ein oder anderen Spielart bekannt sein dürften. „Mitten im Leben“ etwa, Toni Krahl singt darin von einer Frau, die Krankheit übersteht, Kinder großzieht, eine Kämpferin ist – und trotzdem mit einem Kündigungsschreiben auf dem Abstellgleis landet. „Mit 55 Jahren ist sie noch kein altes Eisen“, ist eine Zeile, die hier wohl alle unterschreiben.
Dem charismatischen Frontmann ist es ein Leichtes, seine Fans durch einen Konzertabend zwischen Euphorie, Sentimentalität und ganz viel Nostalgie zu leiten. Sogar eine weihnachtliche Note streut er ein. Mit „Must be Santa (Ja, das ist er)“ machen die Kinx vom Prenzlauer Berg Rolf Zuchowski ordentlich Konkurrenz. Wer glaubt, dass die fröhlich-kindliche Nummer mit Blick auf den Altersdurchschnitt die Zielgruppe verfehlt, wird durch die begeistert im Takt klatschenden Cottbuserinnen und Cottbuser eines Besseren belehrt.
Toni Krahl und die Kinx sind in Cottbus hervorragend eingespielt
Der Grund dafür ist das Quintett selbst zu finden. Toni Krahl und seine Kinx sind in Cottbus hervorragend eingespielt. Wohl nicht nur, weil die junge Formation seit Oktober durchs Land tourt. Sie alle sind Weggefährten, die ein und demselben musikalischen Dunstkreis entstammen. Rockhaus-Gitarrist Reinhard Petereit etwa spielte schon mit Silly und produzierte Musik von André Herzberg. Tobias Unterberg und sein Cello bildete noch im Sommer mit Dirk Zöllner und André Gensicke ein Trio Infernale. Keyboarder André Kuntze war viele Jahre Produzent von City. Und Carsten Klick ist einer der wohl bestvernetzten Schlagzeuger der deutschen Musiklandschaft.
Die Kinx vom Prenzlauer Berg haben hörbare Freude am gemeinsamen Musikmachen. Und in Cottbus ist diese Freude hochgradig ansteckend. Da macht es kaum einen Unterschied, ob eine rockige Eigennummern wie „Vergiss ihn, Baby“ aus den Verstärkern drängt oder der unvermeidliche City-Evergreen „Am Fenster“. Es ist ein Mix, der ganz offensichtlich von funktioniert – egal auf welcher Seite des Bühnengrabens.
„Ich bin froh, dass Lieder von City bei den Kinx wieder eine Heimat gefunden“, unterstreicht Krahl zum Ende. Doch eines stellt er unmissverständlich klar: „Wir wollen nicht City sein, wir sind die Kinx vom Prenzlauer Berg!“ Als die nach rund zwei Stunden die Bühne wieder verlassen, hat in der Stadthalle wohl niemand etwas einzuwenden. So bleibt eigentlich nur eines zu sagen: God Save the Kinx!



