Woah. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die improvisierten Psychospielchen rund um den Mord an vier Kommissaren enden mit einem weiteren Tod: dem von Nadeshda Krusenstern. Was soll das denn? Da stirbt Nadeshda quasi so nebenbei, und dass nicht mal im Münsteraner Tatort, sondern in einer experimentellen Folge außer der Reihe.

Und nu? Taucht sie im nächsten Münsteraner Tatort wieder auf, weil mal wieder keiner auf die Logik geachtet hat – es hängt mir bis heute nach, dass Batic wieder ermittelt, obwohl er doch in einer Folge für die Frau eines Opfers einen Mord auf sich nimmt.

Kommissar Faber ganz nett

Nein, zum Glück wird es wohl kein Logik-Larifari geben. Wie die ARD online verkündet, war es das endgültig für Nadeshda. Schnief. Vielleicht sehen wir sie im nächsten Münsteraner Tatort in Rückblenden.

Ich will hier aber generell festhalten, dass sich das Einschalten von „Das Team“ allein deshalb gelohnt hat, um großartigen Schauspielern, zusammengepfercht auf kleinem Raum, bei der Arbeit zuzusehen.

Etwas schade: Kommissar Faber kommt eine große Portion Arschloch-Manier abhanden, und Jörg Hartmann gibt einen Faber, der ungewohnt verträglich ist. Erwartet hätte man, dass Faber keinen Bock auf so eine „Psychokacke“ hat und den Haufen mal ordentlich aufmischt. Ist ja schließlich kein Kindergeburtstag hier.

Seine Kollegin Bönisch ist gewohnt schlagkräftig und setzt noch einen drauf und flucht und poltert. Nadeshda hat man noch nie so launig und ranzig erlebt. Liegt vielleicht daran, dass man ihr kurzerhand ein Kind angedichtet hat? Ben Becker gibt den abgehalfterten, psychisch angeknacksten, reizbaren Kommissar und ist einfach großartig. Genauso der Dauer-Angepisste, nahezu brutal Kaugummi kauende Kommissar Mitschowski (Nicholas Ofczarek), der eher aussieht wie ein Zuhälter. Bjarne Mädel und Charly Hübner spielen Coaches, die aussehen, als würden sie Immobilien verkaufen wollen, aber, vermeintlich für die Teambildung, vor allem die Nerven der Kommissare strapazieren, um alles rauszukitzeln, was an Emotionen geht.

Die Geschichte ist zäh

Und Emotionen gibt es viele. In diesem Tatort britzelt es, funkt es, knallt es. Doch so phänomenal er schauspielerisch ist, was diesem Tatort mit seiner „Der Mörder muss im Raum sein“-Manier à la Agatha Christies Poirot fehlt, ist, dass sich die Geschichte im Sinne der Tätersuche weiterentwickelt.

Aber sie ist teilweise zäh und oft nahezu festgeklebt. Da wird zu sehr darauf verharrt, die Emotionen der Akteure untereinander auszuspielen, da wird sich beharkt und beschimpft, aber in dem Kriminalfall an sich gibt es keinen Fortgang. In den letzten fünf Minuten wird dann aber schnell doch noch ein möglicher Täter präsentiert.

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Die Zähigkeit und teilweise fehlende Logik können einem dieses an sich großartige Kammerspiel madig machen. Etwa diese Logikfehler: Da ist Charly Hübner plötzlich nicht als Hauptkommissar Buckow unterwegs. Und Friedrich Mücke, der kurz als Hauptkommissar im extrem kurzlebigen Tatort Erfurt auftauchte, ist plötzlich auch jemand ganz anderes. Und Ben Becker war bei Lena Odenthal gerade noch Dorfpolizist Stefan Tries, ist er hier dann nicht mehr, er verhält sich aber trotzdem so.

Nein, warum nur? Mit festen Teams und Charakteren sind Polizeiruf und Tatort auf Kontinuität angelegt. Dann achtet darauf auch bitte liebe Drehbuchschreiber. Experimentell sein hin oder her. Denn, was wird denn nun mit Faber und Bönisch. Oh mein Gott, er hat ihr doch tatsächlich „Ich liebe sie“ ins Ohr geflüstert.

Das Fazit für den Tatort „Das Team“: Schauspielerisch eine Super-Wow-Show, dramaturgisch aber ganz schön mau.

Lydia Schauff
© Foto: Angelika Brinkop