Staatstheater Cottbus: Generalmusikdirektor Merzyn kündigt Abschied an

Das Staatstheater Cottbus ist das einzige Mehrspartentheater in Brandenburg.
Frank Hammerschmidt/dpa- Generalmusikdirektor Alexander Merzyn kündigt seinen Abschied zum 31. Juli 2028 an.
- Er leitet seit 2019 offiziell die Musiksparte des Staatstheaters Cottbus.
- Merzyn erweiterte das Konzertangebot – das Publikum wuchs seit 2018 deutlich.
- Mit gemischten Gefühlen begründet er den Schritt mit Bedarf an neuen Impulsen.
- Bis dahin plant er Projekte wie „Romeo und Julia“, „Fatıma, die Starke“, „Lohengrin“.
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Nach mehreren Jahren an der Spitze der Musiksparte verlässt Generalmusikdirektor Alexander Merzyn das Staatstheater Cottbus. Er gehe zum Ende der Spielzeit 2027/28, also zum 31. Juli 2028, teilten er und die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) mit.
Die Nachricht schlug ein wie ein gefrorener Blitz an einem heißen Sommertag. Der Generalmusikdirektor des Staatstheaters, Alexander Merzyn, beendet seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor zum 31. Juli 2028. Im Klartext bedeutet das: Merzyns Vertrag wird nicht verlängert. Die Mitteilung soll Einigkeit demonstrieren.
Merzyn kam 2017 als Erster Kapellmeister nach Cottbus, ein Jahr später übernahm er kommissarisch die musikalische Leitung. 2019 wurde er offiziell zum Generalmusikdirektor berufen. Nach Theaterangaben baute Merzyn das Konzertangebot deutlich aus - mit zusätzlichen Reihen, Formaten für Kinder und Familien sowie Crossover-Projekten. Auch das Konzertpublikum sei seit 2018 deutlich gewachsen. „Der Mut, auch neue Wege zu gehen und Perspektiven zu verändern, wurde belohnt“, hieß es.
Dank für elf Jahre Arbeit am Haus
Berthold Schneider, der in wenigen Wochen die Intendanz übernimmt, gegenüber dieser Zeitung: „Alexander Merzyn wird dann elf Jahre am Haus gewesen sein. Das sei eine lange Zeit und sicherlich schon eine Ära. „Wir haben hier unter seiner Leitung glanzvolle Momente erlebt. Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung im Haus und freue mich auf die verbleibende gemeinsame Zeit".
Merzyn lobt das Philharmonische Orchester, den Opernchor, das Solisten-Ensemble und die Administration, die mit Hingabe und Leidenschaft arbeiten. Er schreibt aber auch: „Veränderungen im Leben wie in der Kunst fordern uns oft einiges ab“.
Merzyns Leistungen für Cottbus und das Staatstheater sind unbestritten. Nach den Tobsuchtsanfällen seines Vorgängers, in deren Ergebnis man sich 2018 vom damaligen GMD und dann von der gesamten Führungsmannschaft trennte, hat Merzyn das Orchester aufgefangen und neu motiviert. Eine Mehrheit der Musiker und Solisten sprach sich damals für Merzyn als Generalmusikdirektor aus. Im Zuschauerraum erfährt der gebürtige Kieler bis heute große Sympathien. Mit seiner zurückhaltenden, norddeutschen Art mag ihn das Publikum. Und die Auslastungen in den philharmonischen Konzerten sind wieder permanent hoch.
Orchester hat bei Vertragsverlängerungen mitzureden
In der Pressemitteilung lässt eine Formulierung von Alexander Merzyn aufhorchen. „Nach einer langen, gemeinsamen Zeit wird es sowohl für das Orchester als auch für mich wichtig sein, neue künstlerische Impulse zu erhalten und neue Perspektiven zu entwickeln", formuliert Merzyn. Wer hier zwischen den Zeilen liest, könnte Selbstkritik erkennen. Dem Vernehmen nach habe es auch zwischen dem Orchester und seinem Chef unterschiedliche Auffassungen gegeben. Solchen Personalentscheidungen wie Vertragsverlängerungen auf Chefebene geht in der Regel eine Befragung der Sparte voraus. Das Ergebnis wird nicht veröffentlicht, hat aber maßgeblichen Einfluss.
Wer immer als Nachfolger oder Nachfolgerin kommt: Die Schuhe sind nicht klein, die Alexander Merzyn zurücklässt. Der oder die Neue muss zum Haus passen, er muss die Herzen des Publikums erobern, muss den Anforderungen des Intendanten gerecht werden und das Orchester zu Spitzenleistungen führen.
Bereits jetzt kann Alexander Merzyn auf erfolgreiche Spielzeiten verweisen. Er initiierte mehrere neue Konzertreihen, unter anderem die stets ausverkauften Feierabendkonzerte sowie vielfältige Konzertangebote für Kinder und Familien: Die neuen „Sandkastenkonzerte“ begeisterten in Cottbus und dem Umland in zahlreichen Kitas und Kindergärten mehr als tausend Kinder, mit Juri Tetzlaff konnte ein charismatischer und prominenter Protagonist für die Familienkonzerte gewonnen werden. Mit „mobile musiqa!“ wurde ein einzigartiges interaktives Musikangebot für die kleinsten Konzertbesucher geschaffen. Darüber hinaus setzte er mit Crossover-Formaten wie „Video Games in Concert“ und Soul-Konzerten neue programmatische Akzente und konnte damit neue Publikumsschichten begeistern. In der nächsten Spielzeit wird das Philharmonische Orchester mit dem neuen Format „Klangstation Cottbus“ auch den Stadtraum bespielen.
Bewusst wurde auf Spielzeit-Mottos gesetzt, die deutlich machen, wie die Konzertsparte auf die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen im Land reagiert: „Deutschlands Nachbarländer“ oder „Demokratie“. Bei allen Neuerungen wurden darüber nie die Traditionen vergessen, die die künstlerische Identität des Orchesters prägen, z. B. die zyklischen Aufführungen sämtlicher Bruckner- und Mahler-Sinfonien in ganz Brandenburg. Auch im Musiktheater wurde auf eine Balance aus Innovation und Tradition gesetzt: Erst- und Uraufführungen wie „Kleider machen Leute“ oder „Effi Briest“ stehen neben Klassikern von Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi oder Richard Wagners „Tristan und Isolde“ mit dem Bayreuther Star Catherine Foster.
Bis zum Ende seiner Amtszeit will Merzyn weitere Projekte in Cottbus umsetzen, darunter das großformatige Mehrspartenprojekt „Romeo und Julia“, die Uraufführung „Fatıma, die Starke“ von Marc Sinan, Richard Wagners „Lohengrin“ sowie vier der acht Philharmonischen Konzerte.


