Spreewaldkrimi im ZDF: So ist „Bis der Tod euch scheidet“ geraten

Schwierige Zusammenarbeit: Kommissarin Bohn (Alina Stiegler) ist enttäuscht, dass ihr Kollege Fichte (Thorsten Merten) sie nicht komplett in die Ermittlung einbezieht.
Arnim Thomaß/ZDFGut besetzt kann man die Polizeidienststelle in Lübben nicht gerade nennen: Nicht nur, dass Kommissar Krüger (Christian Redl) seit Episode 14 (2022) im Ruhestand ist und ein zurückgezogenes Rentnerdasein im Bauwagen am Spreekanal lebt. Von den Touristenführern wird er längst als Spreewald-Mythos vermarktet.
Auch Kommissar Martin Fichte (Thorsten Merten) muss nach einem Krankenhausaufenthalt kürzertreten und ist vorerst beurlaubt. Und die junge Kollegin Luise Bohn (Alina Stiegler) ist schwanger und wird von Kollegen immer noch angefeindet, weil sie ihren Vater, ebenfalls Polizist, damals angezeigt hat – die Episode „Zeit der Wölfe“ lief 2020. Auch eine Begegnung auf der Beerdigung ihrer Mutter verläuft wenig erfreulich. Es geht also viel um Familie, im Guten und vor allem nicht so Guten in diesem Film.
YouTube-Trailer zu „Zeit der Wölfe“ von 2020:
Katastrophe auf dem Polterabend
Dass sie alle im neuen Spreewaldkrimi „Bis der Tod euch scheidet“ unter Regie von Jan Fehse trotzdem zusammenfinden, liegt daran, dass es um ein Verbrechen geht, das sie alle berührt: Die Hamburger Journalistin Fina (Mercedes Müller) wollte im Spreewald heiraten, doch ein schreckliches Unglück auf ihrem Polterabend macht alle Hoffnungen zunichte. Und es zeigt sich: Involviert sind nicht nur zwei Spreewaldkahnfährmänner, sondern auch Martin Fichte, und zwar persönlicher, als der verschlossene Polizist es je erwartete. Allein, dass Fina und er auswendig Rilke zitieren und über ein fotografisches Gedächtnis verfügen, deutet auf eine Nähe hin, die sich auch mit einem historischen Holzhaus im Spreewald und Ereignissen von vor 30 Jahren verbindet.

Recherche in der Vergangenheit: Kriminalrat a.D. Krüger (Christian Redl) wird von Fina Jurisch (Mercedes Müller), einer Journalistin aus Hamburg, die sich für seine Polizeiarbeit interessiert, interviewt.
Arnim Thomaß/dpaWie gewohnt ist das eine düstere, stark psychologisierende Erzählung ohne große Action, aber mit landschaftlichen Schauwerten, mit nebligen und nächtlichen Kahnfahrten, Spreewald-Mythen und einem genialen Zusammenspiel von lauter Einzelgängern.
Insbesondere Mercedes Müller gibt ihrer Fina eine Zerbrechlichkeit und Zwiespältigkeit, die den Film souverän bis zum Ende trägt. Das Leben könnte für alle Beteiligten nach dem auf traurige Art offenen Ende eigentlich erst beginnen. Ob es das tut, und wer im Kommissariat künftig das Sagen haben wird, wird man in einem Jahr erfahren. Schauspieler Thorsten Merten hat bei der Filmvorstellung in Berlin jedenfalls einen Wunsch: Er würde am liebsten keine Uniform mehr anziehen, sondern in Zivilklamotten weiterermitteln.
„Bis der Tod euch scheidet“ läuft am 19. Februar um 20.15 Uhr im ZDF und ist auch in der ZDF-Mediathek

