• Vom Spreewaldkrimi im ZDF gibt es eine neue Folge: Die siebte Person.
  • Sendetermin ist am Montag, 30. Januar 2023, 20.15 Uhr im ZDF.
  • Mediathek: Ab 21. Januar 2023 bis Samstag, 20. Januar 2024 ist die Folge in der ZDF-Mediathek abrufbar.
Eine Frau stakst im Kahn nachts über die Kanäle, der Blick starr, hinter sich ein ganzes Boot von Begleitern. Ein Ferienhaus am Ufer brennt, sie erlebt einen Flashback, die Gefährten applaudieren. Das ist die erste Szene, und schon sie macht klar: Hier geht es um tiefe Verstörung, um Verletzung, um Traumata.
Die junge Maja Wiechmann, bravourös gespielt von Friederike Becht, leidet an einer dissoziativen Identitätsstörung, das heißt, sie spaltet verschiedene Persönlichkeiten von sich ab, deren Rolle sie im Wechsel übernimmt. Als ein Lokalpolitiker ermordet wird, gerät Maja in Verdacht, und holt sich Hilfe ausgerechnet bei Kommissar Krüger. Diesen und seine Kollegen führt die Begegnung zurück zu einem grauenhaften Verbrechen der Vergangenheit – und verlangt ihnen im Verein mit der Psychologin Jenny Trumaschek (Birge Schade) weit mehr an psychologischem Feingefühl ab als üblich.
Außer Dienst, aber trotzdem im Einsatz: Kommissar Krüger (Christian Redl) auf den Fließen bei seinen Ermittlungen.
Außer Dienst, aber trotzdem im Einsatz: Kommissar Krüger (Christian Redl) auf den Fließen bei seinen Ermittlungen.
© Foto: A.Thomaß//ZDF

Wie geht es Kommissar Krüger?

Nicht gut. Der von Christian Redl gespielte wortkarge Ermittler, der sich mit der 14. Folge „Tote trauern nicht“ 2022 aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat, ist krank: Er ist schmal geworden an den Schläfen, mit tiefen Augenringen und durchscheinender Haut und dazu noch einem ungewohnten Tick, mit dem er sich wieder und wieder wie bei jähem Schmerz an den Kopf fasst. Zwar haust er nach wie vor in seinem Bauwagen im Wald, kommt auch noch mal im Kommissariat vorbei, und sitzt am Ende mit seinen Kollegen Martin Fichte (Thorsten Merten) und Luise Bohn (Alina Stiegler) beim Bier, aber auch wenn er in einer Sonderermittlung als Vertrauensperson angefragt ist, kann er die Aufgabe kaum erfüllen. Und doch: Am Ende ist es Krüger, der den Anstoß zur Lösung gibt und gleichzeitig einen Menschen vor seinen Dämonen bewahrt. „Einen wie Krüger hätte man als Hilfe immer gern in seinem Leben, oder in seinem Inneren“, formuliert es die Vertreterin Brandenburgs beim Bund, Staatssekretärin Friederike Haase, bei der Berliner Premiere am 16. Januar. Dem kann man nur uneingeschränkt zustimmen.

Wie funktioniert das Team Fichte/Bohn inzwischen?

Immer noch läuft nicht alles rund zwischen beiden – Alina Stiegler gibt Luise Bohn als Ehrgeizige, aber auch Verständnisvolle, die genaue Kenntnisse von psychischen Erkrankungen hat – und mit einer krassen Erkrankung bekommt sie es in „Die siebte Person“ zu tun. Thorsten Merten ist als Polizeihauptkommissar Martin Fichte abgebrüht wie eh und je, hat immer einen unpassenden Spruch auf den Lippen und neigt zu voreiligen Schlüssen. Wie gut sie gleichwohl inzwischen aufeinander eingespielt sind, zeigt der Showdown, bei dem sie wie Rädchen ineinandergreifen. Da ist es weniger Reaktionsschnelligkeit als Mitgefühl, das ihnen die richtigen Worte und Gesten im Moment eingibt.
Unterschiedlich, aber eingespielt: Die drei Kommissare Fichte (Thorsten Merten, l.), Krüger (Christian Redl, M.) und Luise Bohn (Alina Stiegler).
Unterschiedlich, aber eingespielt: Die drei Kommissare Fichte (Thorsten Merten, l.), Krüger (Christian Redl, M.) und Luise Bohn (Alina Stiegler).
© Foto: Armin Thomaß/ZDF

Was sagt der 15. Spreewaldkrimis über die Lausitz?

Strukturwandel ist so etwas wie der Running Gag dieses Films. „Braunkohleausstieg, Strukturwandel, Renaturierung, Modellregion, 5G, meine neuen Lieblingsworte“, flucht Martin Fichte auf die Mitteilung hin, dass der abgebrannte Bungalow Lausitz-Investoren wie einem Konsortium, das hier schicke Ferienwohnungen bauen wolle, gerade recht wäre. Und auch der Lokalpolitiker Gernwart Voß (Thomas Lawinky) hat durchaus sein eigenes Verständnis von den Vorteilen, die der Strukturwandel mit sich bringt, wenn er über die Chancen doziert, die das Geld des Kohleausstiegs bringe, das man mit Projekten jetzt abgreifen könne. Feinde macht man sich in einer Gegend, wo unverhofft sehr viel neues Geld zu vergeben ist, so jede Menge. Und so gibt es nicht nur einen Start-Up-Unternehmer, der in Mordverdacht gerät.

Was macht die Spreewaldkrimis so besonders?

Keine Angst vor schweren Themen. Es sind immer eher Psychodramen als klassische Fernsehkrimis, und diesmal geht es ganz besonders tief in die menschliche Psyche. „Das ist das einzige Format, in dem man so eine Geschichte erzählen könnte“, sagt Drehbuchautor Nils-Morten Osburg, der den Staffelstab von dem Langzeit-Spreewaldautor Thomas Kirchner übernommen hat. Und auch Redakteur Pit Rampelt ist froh um die Freiräume, die sich diese seit 2006 mit einer Folge jährlich laufende Sonderserie nehmen kann: „Wir haben einen Exotenstatus beim ZDF“. Und der wird genutzt, um in komplexen Vor- und Rückblenden zu erzählen, mit jeder Menge Lausitz-Mystik und diesmal mit einer dissoziativen Persönlichkeit auch noch einer besonders komplexen Hauptfigur: „Wir haben 90 Minuten, um von einer unglaublich komplexen Krankheit zu erzählen“, erklärt Produzent Wolfgang Esser bei der Berliner Premiere. „Und wir haben damit Türen aufgestoßen, die wir nicht geahnt hatten aufzustoßen.“ Wohlgemerkt: „Das ist hier nicht das Traumschiff“. Aber ein Film, der einem lange nachgeht.