Von Daniel Schauff

Die Vögel, die über der Alvensleben-Kaserne kreisen, machen es richtig. Ganz nah wollen sie am Geschehen sein. Der Musik lauschen, die Tänzer beobachten, der Geschichte um Helena und Demetrius, Hermia und Lysander folgen.

Der Sommernachtstraum – eines der berühmtesten Werke Shakespeares – ist Grundlage für das diesjährige Sommertheater des Staatstheaters Cottbus. Ohne Frage, die übernatürliche Liebesgeschichte ist nicht nur eins der bekanntesten, sondern auch eins der verträglichsten Werke Shakespeares. Noch verträglicher, wenn sogar der mitunter schwierige Text fehlt.

Was geschieht, wird getanzt. Und auch wenn es dem Freund des elisabethanischen Dramas im ersten Moment schier unmöglich vorkommen mag, Shakespeare ohne Verse zu erleben, es funktioniert.

Leichtigkeit als Motto

Vielleicht, weil sich Jason Sabrou und Dirk Neumann in ihrer Choreografie eher auf die Leichtigkeit des Inhalts als auf das Gewicht der Lyrik konzentrieren. Der Tanz ist selten überraschend, immer sehr klassisch, immer perfekt ausgeführt. Leichtigkeit vermittelt das, was auf der Bühne geschieht und so gut auf die Vorlage passt.

Ohnehin steht Leichtigkeit wie ein großer Titel über dem gesamten Abend. Im Zelt neben der Bühne wird gebrutzelt, daneben wird Erdbeerbowle angeboten und kaltes Bier. Das Publikum hat sich in die Sommerklamotten geworfen, das ganz schicke Kleid, den Anzug zu Hause gelassen. Auch das – neben dem, was auf der Bühne geschieht – gibt dem Abend einen ganz besonderen Flair.

Der Zauberwald

Beeindruckend: das Bühnenbild. Kurz dekorieren die Bühne weiße Tücher, auf denen Filzstift-artig Säulen den Ort der Handlung darstellen sollen: Athen. Es dauert nicht lange, bis sich die Szenerie wechselt, aus der mit einfachen Laken dekorierten Bühne wird ein Zauberwald, und der macht seinem Namen alle Ehre. Hans-Holger Schmidts Bühne vermittelt genau diese Zauberhaftigkeit, die Shakespeare wohl seinem Wald geben wollte. Es wirkt, als blickte der Zuschauer in einen nicht enden wollenden Forst, in dem Handwerker Zettel (István Farkas) seinen Tanz probt und magische Wesen leben.

Eins dieser Wesen ist Puck, der Kobold, der die Irrungen und Wirrungen um die beiden verhinderten Liebespaare erst so richtig wirr werden lässt. Jhonatan Arias Gómez tanzt seinen Kobold mit so viel Energie, dass der Zuschauer kaum genug davon bekommen kann, ihm bei seinem Schabernack zu beobachten. Eine Freude.

Noch mehr Freude

Eine Freude auch, Stefan Kulhawec und Alexander Teutscher als Rivalen Lysander und Demetrius zu beobachten. Kulhawec wirkt zart, verletzlich in seinem Tanz, Teutscher stark, kraftvoll und impulsiv. Treffen sie aufeinander, erzählen sie allein dadurch eine spannende Geschichte.

Musikalisch bedient sich der Cottbuser Sommernachtstraum bei Simon Boswell, Guiseppe Verdi, bei John Williams’ Musik zum Film „Hook“, bei Felix Mendelsohn Bartholdy. Und da ist sie wieder, die Leichtigkeit, die so gut zu einem Sommerabend passt. Ja, ein bisschen lädt der Sommernachtstraum auf den Hof der Alvensleben-Kaserne tatsächlich zum Sommernachtsträumen ein.

Weitere Aufführungen: Dienstag, 25., Mittwoch 26. und Samstag 29.Juni; Dienstag 2. und Mittwoch 3. Juli um 19.30 Uhr; Sonntag, 30. Juni um 16 Uhr. Einlass und Gastronomie jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.