Sido in Dresden 2024
: Letztes Open Air – von Ton-Quietschern und Zahnspangen

Für das letzte „Live mit dir“-Open-Air-Konzert2024 tritt Sido in Dresden auf. Sein Auftritt in der Freilichtbühne überzeugt nicht nur junges Publikum.
Von
Janine Reinschmidt
Dresden
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Schon früh in seiner Karriere stellte Sido sein Faible für das Fest der Liebe unter Beweis.

Der Rapper Sido spricht mit dem Gesundheitsminister Lauterbach über das Thema der Cannabis-Legalisierung bei einem Gespräch. +++ dpa-Bildfunk +++

Sido in Dresden: im Rahmen seiner Live-mit-dir-Open Ader-Konzerte tritt der 43-jährige Rapper in der Freilichtbühne auf. So lief die Show.

Fabian Sommer/dpa

Das Motto des Abends in der Freilichtbühne Dresden lautet Sidos Kleidungsstil zu urteilen nach: All in white (alle in Weiß). Auch seine Backgroundsänger (DJ Desue, Adesse und Karen Firlej) stehen lässig in weißer Kleidung auf der Bühne - Desue kommt sogar im Partnerlook mit Sido. Lediglich ein paar schwarze Längsstreifen sind auf den Shirts zu sehen. Doch an diesem Abend gibt es keinen Wet-T-Shirt-Contest, sondern ein Rap-Konzert. Mit seinem letzten Open-Air-Auftritt für 2024 holt Sido noch mal alles raus und überspielt ganz locker die anfänglichen Tonprobleme.

Seine Fans scheinen die kurzen Quietscher im Mikrofon nicht sonderlich zu stören. Sie wollen einfach den Abend genießen - ob jung oder alt. Denn das Publikum reicht vom Grundschulkind bis hin zu jungen Erwachsenen und Ü-60-Besuchern. Dass einige Zuschauer aber besonders jung sind, fällt dem Rapper sofort auf.

„Die ein oder andere Zahnspange glitzert mich an“, sagt Sido, als er auf die Bühne kommt und seinen Hit „Bilder im Kopf“ (2013) anstimmt. Alle Generationen, von Jung bis Alt, heben gleichzeitig die Arme und schwenken sie im Takt von links nach rechts oder oben nach unten. Schultertraining gibt es über den Abend verteilt gratis dazu. Was aber finden Fans an dem 43-Jährigen so toll?

Das sagen Fans zum Sido Konzert in Dresden

„Sido ist einfach cool“, sagt ein 9-jähriger Junge. Er ist mit einem Familienfreund aus Berlin zum Konzert angereist. Er kommt sogar im Sido-Merch zum Auftritt nach Dresden und will damit zeigen, dass er ein echter Fan ist. „Ich war auch auf Rügen dabei“, erzählt der Junge ganz stolz. Dass so viele Kinder zum Auftritt gekommen sind, freut den Berliner Rapper, der mit bürgerlichem Namen Paul heißt.

Eine perfekte Überleitung für Sido, um den Song „Augen auf“ (2008) aus seiner Masken-Zeit zu performen. Die metallglänzende Maske war lange Zeit Sidos Markenzeichen. Sein Image vom bösen Jungen hat sich jedoch geändert. Seine Fans loben das. „Ich mochte Sido damals mit Maske nicht“, sagt eine junge Frau. Sie ist mit einer Freundin aus Meisen zum Konzert gekommen. Eine andere Dame aus Chemnitz stimmt zu und ergänzt: „Ich bin quasi mit ihm aufgewachsen. Dass er jetzt ein gestandenes Image hat, finde ich viel besser.“

Ein weiterer Grund, warum der 43-jährige Rapper bei vielen Menschen gut ankommt, sei sein Auftreten. „Er macht gute Musik, interagiert viel mit dem Publikum und ist locker und cool drauf“, sagen die Freundinnen aus Meisen. Die beiden sorgen an dem Abend für gute Stimmung, jubeln laut mit, machen Selfies und erfreuen sich an der Show. „Das Konzert ist einfach klasse“, sagen sie.

Dass Sido während des Konzerts zu den Fans in der ersten Reihe hüpft und ihnen die Hand reicht, wird mit lauten "Wuhuuus" und Pfeifen belohnt. Dort steht ein 63-jähriger Gast, den Sido zuvor von der Bühne erblickt hat. „Wie bist du hierhin gekommen? Wurdest du mit einer Trage hergebracht?“, fragt er den Mann und bringt damit das gesamte Publikum zum Lachen.

Sido-Fan kommt mit Maske zum Konzert

Ein anderer waschechter Sido-Fan hinkt noch ein wenig den alten Masken-Zeiten hinterher und hat daraufhin gleich eine Maske zum Auftritt angezogen. Um damit die Treppe hoch- und herunterlaufen zu können, benötigt der junge Mann jedoch Unterstützung von seinen Freunden. Nicht aber, weil er Krücken hat, sondern weil die Sicht durch die Maske eingeschränkt ist.

Egal ob Sido, mit oder ohne Maske - die Besucher freuen sich beim Konzert über eine Mischung aus alten und neuen Songs. Bei den Hits „Mein Block“ (2004), „Astronaut“ (2015) und „For You“ (2018) singen alle lautstark mit. Und apropos laut - ein kleines Sido-Lautstärke-Battle zwischen der linken und rechten Besucherseite teilt die Freilichtbühne in eine „schöne“ und eine „laute“ Hälfte ein. „Rechts ist lauter als links, aber dafür seid ihr Linken schöner“, sagt Sido.

Und wer bei all dem jetzt denkt, der Rapper hat keinen Funken Romantik parat, täuscht sich. Auch wenn der Berliner in seinen Zeilen kein Blatt vor den Mund nimmt, sorgt er mit seinem Lied „Liebe“ (2013) für Kribbeln im Bauch und zeigt ein Herz mit seinen Händen zum Publikum. Bei dem Hit „Der Himmel soll warten“ kommt sogar ein wenig Wehmut auf: „Ich ruf' es nach oben (Aha), der Himmel soll warten (Yeah). Denn ich hab' noch was vor (Aha), der Himmel muss warten.“

So soll es sein, denn Sido will vorher noch ein weiter auf den Bühnen feiern und das Leben genießen.