Pink in Leipzig 2024
: So war ihr Konzert in der Red Bull Arena

Seit über einem Jahr ist Pink auf „Summer Carnival Tour“. Ihr zweite Konzert-Runde in Deutschland startete nun in Leipzig – mit einer absoluten Mega-Show.
Von
Michael Heider
Leipzig
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Pink (M) tritt bei einem Konzert ihrer "Summer Carnival 2023" Tour im Olympiastadion auf. +++ dpa-Bildfunk +++

Große Augen machte nicht nur Pink: die Sängerin (hier im Olympiastadion Berlin 2023) ist mit ihrer „Summer Carnival Tour“ wieder in Deutschland unterwegs. Los ging es in Leipzig.

Christophe Gateau/dpa

Große Augen machen sie alle. Anders geht es an diesem Mittwochabend in Leipzig  nicht. Nur: Wo zuerst hingucken? Auf die in Neonfarben gekleidete Tanzcrew? Auf die riesige, mit Nieten überzogene Eiswaffel neben ihnen? Auf das Feuerwerk, das schon beim ersten Song „Get the Party Started“ über der Red Bull Arena in die Luft schießt? Fragen, die sich erübrigen, als der Star des Abends per Trapez auf die Bühne einschwebt: Pink.

Ihren etwas verfrühten Einsatz beim Mega-Hit aus dem Jahr 2001, man möchte ihn als freudige Ungeduld interpretieren. Denn diese Party startet tatsächlich. Und zwar unverzüglich. Wie eine musikalische Dampfwalze rollt die Sängerin über ihre knapp 45.000 Fans hinweg. Und kaum einen hält es auf den roten Sitzen.

„Summer Carnival Tour“ - eine gut geölte Maschine

„Raise the Glass“, „Who Knew“, „Just Like a Pill“ und „What About Us“ - ein verschwenderisch guter Einstand. Zum Glück hat Pink in rund 25 Jahren zahlreiche weitere Hits vorgelegt.

Und live sind die gut geölt. Kein Wunder! Über ein Jahr tourt die US-Amerikanerin nun schon mit ihrem „Summer Carnival“ durch die Welt. Am Ende werden es 99 Konzerte sein. Ihre Show in der Leipziger Red Bull Arena - eine Premiere - leitet bereits die zweite Runde an Deutschland-Konzerten ein.

Pink rockt mit Power in der Stimme

Anzeichen von Müdigkeit weist die 44-Jährige nicht auf. Unter fast wolkenfreiem Himmel zeigt sie in Sachsen vollen Körpereinsatz. Mit Power in der Stimme rockt sie eigene Songs wie „F**kin‘ Perfect“ genauso wie „Heartbreaker“, die legendäre Rock-Hymne von Pat Benatar. Unterstützung erhält sie von ihrer wunderbar abgestimmten Live-Band und talentierten Backup-Stimmen (besonders eindrucksvoll beim Pop-Choral „I Am Here“).

Fleìßiger Popstar: Insgesamt 99 Konzerte spielt Pink auf ihrer Summer Carnival Tour

Fleìßiger Popstar: Insgesamt 99 Konzerte spielt Pink auf ihrer „Summer Carnival Tour“

Christophe Gateau/dpa

Da das Konzert in Leipzig auf den 49. Geburtstag ihres Ehemanns fällt, Motorcross-Profi Carey Hart, schlägt Pink auch romantische Töne an. Am weißen Flügel widmet sie ihm das Bob Dylan-Cover „Make You Feel My Love“.

Oft hängt Pink in den Seilen - auf beeindruckende Art

Doch ein „Carnival“ wäre kein „Carnival“ ohne Showeinlagen. Und so verbringt Alicia Moore - so Pinks bürgerlicher Name - viel Zeit in der Luft. Ihre Trapez-Choreografien, ob allein oder im ballettartigen Duett mit Tänzer, stehen echten Zirkusnummern in nichts nach. Umso beeindruckender, dass die Sängerin stimmlich nie in den Seilen hängt. Als Kulisse für ihre luftige Akrobatik dient ein Mix aus Strand, Punk und Disco. Die Bühnencollage aus verchromten Palmen, Neonbögen und überlebensgroßen Comicfiguren gleicht einer Explosion von Farbe.

Weitere Deutschland-Konzerte von Pink 2024

Stuttgart: 19. Juli 2024 in der MHP Arena

Mönchengladbach: 21. Juli 2024 im Borussia-Park

Die Fans in Leipzig kommen vorbereitet: Pinke Shirts und Accessoires, pinke Haare und Fingernägel - farbbewusster geht es kaum. Das gilt auch für Lottie und ihre Mutter Christin. „Ich liebe ihre Songs“, sagt die Siebenjährige, gekleidet in Glitzer und Hut mit pinkfarbener Krempe, über die Sängerin. Deren Texte drehen sich oft um Auseinandersetzungen mit Eltern, Partner, der Erwartung anderer. Sie greifen Ängste und Selbstzweifel auf, weisen aber auch Wege aus der Misere und feiern das Leben. Für Christin macht das Pink zur „besten Songwriterin aller Zeiten“. Und dann ist da noch diese „unheimliche Bühnenperformance“.

„Sie klingt live genauso gut wie auf ihren Studioalben“

Um diese zu erleben, werden auch weite Anfahrten nicht gescheut. Jessi und Lina, ebenfalls Mutter-Tochter-Duo, sind extra aus Kiel bzw. Hamburg nach Sachsen gekommen. Für beide ist es nicht das erste Pink-Konzert. Warum sich der Weg lohnt? „Sie klingt live genauso gut wie auf ihren Studioalben“, weiß Jessi zu berichten. Das gilt auch für die Show in Leipzig.

Dort nimmt sich Pink viel Zeit für ihre Fans. Die weit ins Publikum reichenden Bühnenstege nutzt sie für Tuchfühlungen, Selfies oder das Anprobieren von Mützen und Sonnenbrillen, die ihr vor die Nase gehalten werden. Sogar aus der Masse gereichte Käsebällchen probiert sie.

Verneigung vor 4 Non Blondes-Frontfrau Linda Perry

Und weil es so schön, singt man auch gemeinsam. Am lautesten das Cover des 4 Non Blondes Evergreens „What’s Up“, mit dem sich Pink vor deren Frontfrau und ihrer langjähriger Produzentin Linda Perry verneigt.

Pink bietet in Leipzig ein großartig gemischtes Programm - auch wenn der „Summer Carnival“ auf seiner zweiten Deutschland-Runde schlanker ausfällt. Auf das lieblich-leichte „Cover Me in Sunshine“, vergangenes Jahr in Berlin noch mit ihrer 13-jährigen Tochter Willow Sage Hart im Duett gesungen, verzichtet sie diesmal. Auch ihren feministischen Protestsong „Irrelevant“ singt sie nicht.

Klagen auf hohem Niveau. Denn als Pink nach gut zwei Stunden mit dem trotzig-stimmungsvollen Radio-Kracher „So What“, Unmengen von Konfetti und einem Trapez-Flug durch die gesamte Arena ihre Show beendet, machen sie in Leipzig noch immer große Augen.