Peter Maffay in Berlin 2024
: So war das Konzert der Farewell Tour in der Waldbühne

Peter Maffay ist ein letztes Mal auf Tour. Seine Fans in der Waldbühne Berlin lassen sich nicht zweimal bitten. Doch heißt es wirklich Abschied?
Von
Michael Heider
Berlin
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Peter Maffay

Gut in Form: Auf seiner Farewell Tour 2024 hat Peter Maffay (hier in Rostock) auch in der Waldbühne Berlin vorbeigeschaut.

Bernd Wüstneck/dpa

Plötzlich liegen sie sich in den Armen. Und das schon beim dritten Song! Wie sanfter Wellengang schunkeln sie in der Waldbühne als Peter Maffay „Du“ anstimmt. Der Hit seines Debütalbums, noch mehr Schlager-Schnulz als Deutschrock, – er trifft die Fans direkt ins Herz. „Du, du allein kannst mich versteh'n“, stimmen sie mit ein. „Du, du darfst nie mehr von mir geh'n“.

Nicht wenige singen mit geschlossenen Augen, die geballte Faust im Takt stoßend. Denn sie meinen es: Gehen?! Bitte nicht! Doch Peter Maffay ist auf „Farewell Tour“. Macht’s gut. Abschied. Leicht macht der Sänger das Abtreten seinen Berliner Fans an diesem Donnerstagabend nicht gerade. Statt Abgesang bietet er ihnen ein letztes Hurra. Und was für eines!

„Es macht Spaß, Leute!“, ruft Peter Maffay

Nach einem regnerischen Tag kam dafür pünktlich die Sonne raus. Beste Bedingungen für Maffay, der, stilecht gekleidet in schwarzem Leder, per Motorrad auf die Bühne fährt. An „diesem Ort, wie es ihn in Deutschland kein zweites Mal gibt.“ Das jedenfalls ruft er seinen über 20.000 Fans entgegen.

Vom Start weg lässt der Sänger keinen Zweifel: „Es macht Spaß, Leute!“ Sichtlich gut gelaunt spielt er sich durch den Abend. Und ist zum Scherzen aufgelegt. Etwa wenn er auf „die nächsten fünf Stunden“ Konzert einstellt. Zuzutrauen wäre es dem 74-Jährigen, mit dessen sportlicher Physis manch halb so Alter nicht mithält.

Nicht umsonst ist die Tour mit „We Love Rock’n’Roll“ untertitelt

Am Ende sind es gut zweieinhalb Stunden. Maffay präsentiert in ihnen einen großartigen Mix aus sechs Jahrzehnten Karriere. Vor allem frühe Rock-Nummern wie „Carambolage“ spielt er mit spürbarer Freude. Nicht umsonst ist die Tour mit „We Love Rock’n’Roll“ untertitelt. Das lässig-coole „Schatten in die Haut tätowiert“ ist ein treffsicherer Opener. Auch das bluesig-schwungvolle „Samstag Abend in unserer Straße“ verfehlt seine Wirkung nicht.

Den Fokus seiner Setlist legt Maffay klar auf seine Früh- und Spätphase. Das jugendlich-unbeschwerte „Und es war Sommer“ aus dem Jahr 1976 singt er genauso im Chor mit Publikum („Biu, biu, biu“) wie „Eiszeit“. Für die mächtig-gefühlvolle Anti-Kriegs-Hymne von 1982 kommt – sehr zur Freude der Fans – Überraschungsgast Johannes Oerding auf die Bühne. Dort leiht er auch dem 80er-Jahre Kracher „Liebe wird verboten“ seine Stimme.

Nicht nur Johannes Oerding ist Überraschungsgast

Doch damit nicht genug. Kaum hat Oerding sich verabschiedet, stattet Joy Denalane Maffay einen Besuch ab. Über beide Ohren strahlend singt sie ihren Song „Alles leuchtet“. Später betritt noch Rea Garvey für „Gib die Liebe nicht auf“ die Bühne. Peter Maffay lässt sich in Berlin nicht lumpen.

Auch Hits gibt es reichlich. Den Tabaluga-Evergreen „Nessaja“ etwa. Und, klar, das Jahrhundert-Lied und Karat-Cover „Über sieben Brücken mußt Du gehen“, das auch vor der Dämmerung für ein Meer aus Lichtern sorgt.

Anastacia erweist sich als Maffays größter Trumpf

Für den Mega-Hit „So bist du“ spielt der Sänger seinen wohl größten Trumpf: Anastacia. Mit ihr präsentiert er eine englische Neuinterpretation des Songs („Just You“). Das Duett funktioniert enorm gut! Schade nur, dass sich zur gleichen Zeit eine kleine Regenwolke über der Waldbühne ergießt. Das nasse Intermezzo hat zwar ein massenhaftes Zücken von Multifunktionsjacken zur Folge, aber keinen Abbruch der Stimmung.

Als „Feuerwerk“ kündigte Maffay seine prominente Tour-Begleitung vergangenen September an. Er sollte Recht behalten. Nicht nur das Wetter, auch die soulige Reibeisenstimme der 55-Jährigen erweist sich als Urgewalt. Mit ansteckender Kraft singt sie – ausgestattet mit schwarzem Kopftuch und Leder-Top – ihre beiden bekanntesten Stücke: „Left Outside Alone“ und „I’m Outta Love“. Zusammen mit Backgroundsängerin Linda Teodosiu covert sie „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC. Ordentliche Konkurrenz für deren Frontmann Brian Johnson, gerade selbst auf Tour.

Drei Generationen vor, zwei auf der Bühne

Die Fans in der Waldbühne – längst schon stehend, klatschend und jubelnd, gelegentlich sogar tanzend – wissen das fulminante Programm zu schätzen. „Drei Generationen“ hat Maffay vor sich ausgemacht. Falsch liegt er damit nicht. Nach 55 Jahren ohne nennenswerte Erfolgseinbußen wenig verwunderlich. Sogar auf der Bühne stehen zwei Generationen: Yaris Maffay unterstützt den Vater als Backgroundsänger und steht mit seinem Song „Abenteuer“ kurz selbst im Mittelpunkt.

Den Schlusspunkt des Abends setzt Peter Maffay mit „Mein Wort“, seiner zweiten Zugabe. Eine frisch veröffentlichte Power-Ballade, die Hoffnung macht. Immerhin heißt es darin zu Irish Folk-Klängen: „Auch wenn der letzte Vorhang fällt / Ich geh noch nicht fort / Ich geb euch mein Wort“. Seine Berliner Fans, jedenfalls jene, die noch nicht Richtung S-Bahn los sind, nehmen ihn gern bei eben jenem Wort. Gut, dass er kommenden Dienstag (9. Juli) ein weiteres Mal in der Waldbühne auftritt. Mindestens einmal dürfen sie sich also noch zu Maffays Musik in den Armen liegen.