Pankow in Cottbus
: So war das Konzert der DDR-Kultband im Gladhouse

Ausverkauftes Gladhouse in Cottbus: Pankow starten mit dem Titel „Bis zuletzt“ ihre letzte Tournee. Es war ein Abend voller Erinnerungen.
Von
Thomas Klatt
Cottbus
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Abschiedstour der Band „PANKOW“: Die Musiker der Ostrock-Band PANKOW, Jürgen Ehle (l-r), Andreas Dziuk, André Herzberg, Stefan Dohanetz und André Drechsler stehen zu Beginn ihrer Abschiedstour auf der Bühne im Glad House.

Pankow in Cottbus: Die Musiker der Ostrock Jürgen Ehle (l.r.), Andreas Dziuk, André Herzberg, Stefan Dohanetz und André Drechsler stehen zu Beginn ihrer Abschiedstour auf der Bühne im Gladhouse.

Frank Hammerschmidt
  • Pankow startete ihre Abschieds-Tournee im ausverkauften Gladhouse in Cottbus mit dem Titel „Bis zuletzt“.
  • Die Band spielte Hits aus den 80ern, darunter „Paule Panke“ und „Langeweile“.
  • Frontmann André Herzberg begeisterte das Publikum; seine Stimme klang wie früher.
  • Die Tour endet im Sommer mit einem Open-Air-Konzert in Berlin.
  • Weitere Tour-Termine: 25.1. Potsdam, 14.2. Neuruppin, 15.2. Berlin, 1.3. Hoyerswerda, 12.7. Weißensee.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Komm fass’ mich hier an, ich fass’ dich da an (…) wenn du willst". Sexuelle Anspielungen sind das nicht mehr. Es geht beim Frontman André Herzberg von Pankow in diesen 80er-Jahre-Songs immer sehr direkt zu. „Mach's gut, Inge Pawelczyk, du wilde Wahnsinnsmaus / Wir haben die ganze Nacht geliebt, in deinem Hinterhaus." Die Identifikation war damals riesig. Das, was Herzberg beschreibt, spielt sich überall in der kleinen DDR ab. Liebe im Hinterhaus gab es von Schwerin über Frankfurt (Oder) bis Cottbus. Die Kohleöfen zogen nicht und qualmten, im Winter war es kalt und im Sommer zu heiß und alle 20 Minuten musste jemand aufstehen und die Schallplatte umdrehen.

Die Band Pankow, auch sie den Punk zumindest phonetisch im Namen, startete am Freitagabend (17. Januar) im Cottbuser Gladhouse ihre ausgedehnte Ostdeutschland-Tournee. Erst im Sommer wird sie mit einem Open-Air-Konzert in Berlin zu Ende gehen. Es ist wie verkündet die letzte und so trägt sie auch den Titel ihres aktuellen Songs: Bis zuletzt.

Pankow holen in Cottbus die 80er zurück in den Saal

In einem mehr als zwei Stunden dauernden Konzert ohne Pause gelingt es Pankow noch einmal diese Achtziger in den Saal zurückzuholen. Pankow, nach dem Berliner Stadtbezirk benannt, vollbringen damals etwas Besonderes: Ihre Texte sind konkret, sie beschreiben die Verhältnisse. Privat und in der Gesellschaft. Mit „Paule Panke“ entwickelt Pankow schon in den frühen Achtzigern eine Rock-Oper, die sich mit dem wenig aufregenden Alltag eines Lehrlings befasste. Logisch: „Paule Panke“ findet schnell seine aufgeregten Kritiker, denn so viel Realität will denn die Obrigkeit doch nicht zulassen. Auf eine richtige Bühne gelangt Paule erst im Jahre 1987 im Theater in Schwedt. Nach sieben Vorstellungen fiel dann der Zensurhammer, aus „politisch-ideologischen Gründen“, wie es später hieß.

Das Pankow-Publikum hat mit seiner Band etwas gemeinsam. Es ist unzufrieden mit den Verhältnissen. Es reibt sich an ihnen und es beginnt aufzubegehren. Dabei hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben: Die Puhdys? Zu artig. Karat? Zu romantisch. Gundermann? Klingt wie Singeklub. Stern Meißen? Damals schon Art-Rock. Und die Cottbuser lokalen Helden WK 13 und Sandow, die sich selbstbewusst nach ihrem Neubauviertel benennen, entdecken in den Achtzigern den Punk, brauchen aber noch etwas Zeit.

Pankow in Cottbus: Mit den Jahren immer besser

„In guten wie in schlechten Tagen, es war immer ernst gemeint / es war der Traum von der Welt / zusammen waren wir nie klein", singt Herzberg. Seine Stimme hat sich kaum verändert. Wie eine Säule steht sie klar und ohne zu „wackeln“ im großen Saal des ausverkauften Cottbuser Gladhouse. Mit dieser Stimme wirkt der fast 70-jährige wieder wie ein Dreißigjähriger. Und noch immer ist da der „Aufruhr in den Augen" unterm kurzkrempigen Hut.

Überhaupt: Pankow wird mit den Jahren musikalisch immer besser. Mit Stefan Dohanetz am Schlagzeug fehlt aber auch der Band von Wenzel ein wichtiger Musiker – zumindest zeitweise. Ebenso Gitarrist Jürgen Ehle. Der hält sonst die Formation von Andreas Dresen und Alexander Scheer mit feinem Spiel zusammen.

„Steht auf, geht raus, es gibt keine besseren Zeiten," ruft Herzberg dem Publikum entgegen. Das klingt nun gar nicht nach früher. Dazu passt aber auch „Langeweile“, der Song von 1988. „Ich bin rumgerannt“, singt Herzberg. „Das selbe Land zu lange geseh'n / Die selbe Sprache zu lange gehört / Zu lange gewartet, zu lange gehofft / Zu lange die alten Männer verehrt“. Fast als Zugabe kommt jene bis heute unbekannte „Inge Pawelczyk“. Na gut, Wahnsinnsmaus auf Hinterhaus zu reimen, das wäre Textern wir Werner Karma (unter anderem für Silly, City und Monokel) nicht eingefallen. Aber das zählt jetzt nicht. Keine Mäkeleien bitte! Herzberg weiß, dass die „Inge“ sein stärkster Song ist und kostet ihn gemeinsam mit dem Publikum aus.

Das Konzert endet wie es begann: Mit „Bis zuletzt". Ein Lied, das nur kurz zurückblickt auf das Vergangene und an den Zusammenhalt erinnert. Er erzählt von Zuversicht, von Freundschaft und Liebe zu den Fans. Man darf vergessen und vergeben, auch untereinander. Der Streit soll uns nicht zermürben und der Verrat ist vergeben.

Weitere Termine „Bis-zuletzt-Tour Pankow“: 25.1. Potsdam Lindenpark; 14.2. Neuruppin, Kulturhaus, 15.2. Berlin, Kesselhaus, 1.3. Hoyerswerda, Kufa, 12.7. Freilichtbühne Weißensee