Michelle in Cottbus 2026
: Feierlicher Abschied – Konzert in der Stadthalle

In Cottbus spielt Michelle eines ihrer letzten Konzerte. In der Stadthalle bedauern Fans den Abtritt von der Bühne – und feiern mit der Schlagersängerin trotzdem eine riesige Party.
Von
Michael Heider
Cottbus
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Eine große Party zum Abschied: Schlagerstar Michelle bei ihrem Konzert in der Stadthalle Cottbus. Die Sängerin befindet sich derzeit auf ihrer "Zum letzten Mal"-Tour

Eine große Party zum Abschied: Schlagerstar Michelle bei ihrem Konzert in der Stadthalle Cottbus. Die Sängerin befindet sich derzeit auf ihrer „Zum letzten Mal“-Tour.

Michael Heider
  • Michelle gibt eines ihrer letzten Konzerte in der ausverkauften Stadthalle Cottbus.
  • Tour heißt „Zum letzten Mal“; Michelle sagt: „Für mich war’s das.“
  • Offenheit über Rückschläge prägt die Show; Videomontage vor „Flutlicht“.
  • Duett mit Eric Philippi („Falsch dich zu lieben“); er singt „Schockverliebt“ allein.
  • Finale mit „Das war's für mich“ und „Zum letzten Gang“; letztes Konzert in Berlin in einer Woche.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Deutliche Worte sind im Schlager eher selten. In keinem anderen Genre regiert der schöne Schein autoritärer. Da ist es mindestens bemerkenswert, dass ein Schlagerstar ein Konzert mit Sätzen wie „Strafbefehl“, „Panick-Attacke“ oder „Ihr Leben ist so eine Achterbahnfahrt“ einleitet. Michelle tut es an diesem Samstagabend in der Stadthalle Cottbus trotzdem.

Noch bevor sie den ersten Ton des Openers „Flutlicht“ singt, werfen Boulevard-Zitate ein solches auf die vielen Schicksalsschläge der Tanja Hewer, wie Michelle mit bürgerlichen Namen heißt. „Die, die immer wieder aufgestanden ist“, wird sie an einer Stelle genannt. Und es stimmt ja. Die einleitende Videomontage erinnert daran, dass die Sängerin Rückschläge selten versteckte – und sich nicht von ihnen unterkriegen ließ.

In Cottbus wird Michelle mit lautem Jubel begrüßt

Diese Offenheit hob Michelle stets vom kommerziellen Kitsch des deutschen Schlagers ab und machte sie für Fans zum nahbaren Star. Auch deshalb dürfte vielen in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadthalle der Abschied schwerfallen. Schließlich geht es an diesem Abend genau darum: Abschied.

„Zum letzten Mal“ hat Michelle ihre Abschiedstour getauft. Und sie scheint es ernst zu meinen. „Für mich war’s das“, betonte die 53-Jährige im Vorfeld. In Cottbus sorgt diese bittere Aussicht für vollumfängliches Auskosten jedes Moments. Lauter Jubel als die Sängerin die Bühne betritt, kraftvolles Klatschen im Takt. „Hast du Lust?“ singt Michelle als zweiten Song. Die Cottbuserinnen und Cottbuser finden auf die Frage eine deutliche Antwort.

Spielerisch wechselt Michelle beim Konzert in Cottbus die Register der Gefühlsklaviatur.

Spielerisch wechselt Michelle beim Konzert in Cottbus die Register der Gefühlsklaviatur.

Michael Heider

Als mit „Und heut’ Nacht will ich tanzen“ ihr erster großer Hit folgt, demonstrieren die Fans, dass es ihnen genauso geht. Massenhaft suchen sie den Weg vor die Bühne. Am Rand der Masse gibt es vereinzelt sogar schwungvolle Paartänze. Keine Frage: Dieser Abschied ist ein feierlicher.

Auch Michelles Partner Eric Philippi betritt in Cottbus die Bühne

Und Michelle geizt nicht mit Highlights. Zu „Falsch dich zu lieben“ holt sie ihren Lebensgefährten Eric Philippi für ein inniges Duett zu sich. Die Mitgröhl-Hymne „Schockverliebt“ singt der Sänger im Anschluss allein mit den Fans. Der Star des Abends nutzt die Zeit für einen Kostümwechsel, den ersten von vielen. Im schwarzen Abendkleid kehrt Michelle zurück und verwandelt mit Balladen wie „Das Hotel in St. Germain“ und „Der letzte Akkord“ die Stadthalle zum eleganten Nachtclub.

Die mit leuchtenden Stufen ausgestattete Showbühne ist mal Kulisse für frechen Pop-Schlager („Männer“), tanzbare Partysongs („Kopfüber in die Nacht“) und jeder Menge Schlager-Pathos. Spielerisch wechselt Michelle die Register der Gefühlsklaviatur. Ihre Bühnentalent hat auch am Ende einer so intensiven Karriere nichts an Kraft eingebüßt. Einzig in den höheren Tonlagen von Songs wie „Wer Liebe lebt“ hat ihre Stimme zu kämpfen. Dass sie es charmant zu überspien weiß, zeugt von jahrzehntelanger Entertainment-Erfahrung.

Vom Rhythmus ständigen Tourens hat Michelle nach drei Jahrzehnten trotzedem genug. In Cottbus lässt sie sich den unerbittlichen Rhythmus mit täglich wechselnden Städten und Nächten im Hotelbett aber nicht anmerken. Man spürt, dass sie ihren Fans ein letztes Mal unvergessliche Momente bescheren möchte. Immer wieder scherzt sie mit dem Publikum, spricht es mit „meine lieben Freunde“, fragt nach Lieblingssongs – und geht sogar Tuchfühlung. Für „Kleine Prinzessin“ holt sie junge Fans auf die Bühne.

Von Enkeln bis Großeltern – sie alle wollen Michelle sehen

In Cottbus zeigt sich, dass Michelle in so ziemlich jeder Altersklasse Begeisterung erzeugt. Teilweise sind Familien mitsamt Enkeln und Großeltern zum Konzert erschienen. Gemeinsam erleben sie den Rückblick auf eine Ausnahmekarriere mit einem geschickt sortiertem Best-of. Wer sich in der Pause des zweigeteilten Konzerts unter Fans umhört, stößt auf viel Begeisterung. „Ganz toll“, findet eine Gruppe von Freundinnen. „Schade, dass sie aufhört.“

Beim Konzert in Cottbus stellt Michelle ihre jahrzehntelange Bühnenerfahrung unter Beweis.

Beim Konzert in Cottbus stellt Michelle ihre jahrzehntelange Bühnenerfahrung unter Beweis.

Michael Heider

Von gedämpfter Stimmung ist allerdings auch in Hälfte zwei nichts zu spüren. Immer mehr Fans wollen ein letztes Mal Michelle möglichst nah sein. Über die ganze Breite der Stadthalle tanzen sie vor der Bühne, filmen, machen Selfies, prosten der Sängerin zu und geben sich kollektiver Feierlaune hin. Und der Schlagerstar zeigt sich erkenntlich: „Scheißkerl“, „So oder so“ – mit ihren Songs wie diesen liefert die 53-Jährige den passenden Soundtrack zur Party.

Erst zum Ende dürfte in Cottbus einigen dämmern, warum das Konzert unter dem Motto „Zum letzten Mal“ steht. Mit „Das war's für mich“ und „Zum letzten Gang“ beschließt Michelle ihren Auftritt in der Stadthalle. Da ist sie wieder, diese Offenheit. Nur noch eine knappe Woche trennt die Sängerin von ihrem allerletzten Konzert in Berlin. Mit ihm tritt sie endgültig von der Bühne ab. Doch in Cottbus zeigt sich eines deutlich: Michelle tut dies nicht, weil sie nichts mehr anzubieten hätte.