Die Sendung mit der Maus läuft neuerdings täglich. Der WDR strahlt die ach so beliebte Kindersendung jeden Vormittag um 11.30 Uhr aus. Der Sender versteht das als Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise. Ich verstehe das gut. Alle wollen jetzt etwas Hilfreiches tun. Und schicken dafür ihre besten Kräfte los. Beim WDR ist das die Maus, eine Zeichentrickfigur mit 49 Jahren Fernseherfahrung. Die Maus mach ein Wohlfühl-Programm, vor dem Eltern ihre Kinder guten Gewissens parken können.

Wenn die Quarantäne für Schulkinder bis jetzt etwas Gutes bewirkt hat, dann ist es eine Explosion an Kreativität bei der Frage, wie Unterricht ohne Schule gelingen kann. Im Netz ist ein Wettbewerb um Ideen ausgebrochen, welche Lernprogramme gut sind und welche Youtube-Lehrer angesagt. Digitale Lernformate, die bislang in der Nische blühten, werden plötzlich von Hunderttausenden Schülern genutzt. Viel Neues ist zu entdecken und zu probieren. Doch vor lauter Verwirrung greifen viele doch auf das zurück auf das, was sie kennen: das gute alte Bildungsfernsehen.

Das ist der Moment für bewährte Kräfte wie die WDR-Maus. Ich bin mit ihr aufgewachsen. Der Teil der DDR, der mein Zuhause war, lag nahe genug an einem bundesrepublikanischen Sendemasten. Was das Fernsehen betrifft, habe ich schon 1985 mit den Füßen abgestimmt. Die Maus war bunter und lustiger als ihre Kollegen im Ost-Fernsehen. Ich entschied kapitalistisch.

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Fernsehen in der Quarantäne: Maus und Terra X

In der Sendung mit der Maus erklärte mir in den 80er Jahren der legendäre Armin Maiwald, wie seine Mutter nach dem Krieg aus aufgetrennter Armeewolle Pullover strickte. Ich fand das zwar eindrucksvoll, war aber ungefähr so begeistert wie meine drei Heimschülerinnen, als ich ihnen neulich den Fernseher anknipste.

Auch ich setze beim Homeschooling auf pädagogisches Fernsehen. Das ist im Lehrplan fest eingeplant. Nach drei Stunden lernen, Mittagessen und Lesepause müssen die drei Viertklässlerinnen dringend „chillen“, erklärten sie mir. Gut, sagte ich, dann gibt es jeden Nachmittag eine Folge Terra X. Die Entdecker-Dokumentation des ZDF ist mein Favorit seit 1985. Ich schaute es jeden Sonntag und fühlte mich wie eine Indiana Jones, wenn es wieder ins versunkene Atlantis ging. Ganz früher saßen bei Terra X ältere Herren mit blauen Hemden und großen Mikrophonen vor den Pyramiden. Heute jettet Dirk Steffens in einer Folge Faszination Erde durch fünf Kontinente. Steffens ist der Indiana Jones des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Meine Tochter findet ihn cool. Ihre beiden Freundinnen sind noch skeptisch. Vor uns liegt ein großes Abenteuer.

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