Gluck gluck, zieh zieh, schnief schnief. In der Westpfalz sind keine Kostverächter unterwegs. Zarten heißt der Ort, in dem sich der Dorfpolizist das Koks zwischen Traktor und Kinderspielplatz auf dem Dienstwagen-Heck in die Birne zieht. Ja, in Zarten knallen die Bierdosendeckel auf der verqualmten Wache, wenn der 1. FC Kaiserslautern auf dem Rasen stramm steht. In Zarten hausen die Ordnungshüter „An der Bullenweide“. Die ist dort, wo sich die Kollegen gegenseitig beim Aufhängen der Buchsen und beim Entsorgen der Müllbeutel zuschauen. Im idyllischen Zarten ist alles in bester Ordnung. Sagt auch die Kriminalitätsrate: Die ist nirgendwo im Bundesland niedriger. Doch dann kommt Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) vorbei. Es ist ihr 70. Tatort-Auftritt und gleichzeitig das 30. Dienstjubiläum. Das feiert sie. Gemeinsam mit einem alten Bekannten. Und mit weißem Pulver.

Die Schauspielerin Ulrike Folkerts ist seit 30 Jahren „am Tatort“.
© Foto: dpa/Uwe Anspach

In der Tat, dieser Geburtstagstatort ist speziell. Es geht um erschreckenden Lokalpatriotismus, Korruption und die Heimat als rechtsfreien Raum. „Hier sind wir das Gesetz“, sagt Provinz-Chef Stefan Tries (Ben Becker). Der „Freund und Helfer“ schaut weg - für die Gemeinde, den neuen Fußballplatz, die schicke Kita-Anlage. Drogenschmuggel an der deutsch-französischen Grenze? Nein! Also in Zarten gibt’s da nichts Auffälliges zu vermelden. Bis einer kommt, der eben doch was zu vermelden hat. Lena Odenthal will die Ordnung wiederherstellen. Und bringt die „Idylle“ durcheinander.

Das zweite Mal für Folkert und Becker

Flashback: Vor 28 Jahren haben Odenthal und Tries im Tatort „Tod im Häcksler“ schon einmal gemeinsam ermittelt. Damals waren beide keine 30 Jahre alt. Damals wäre Kommissar Tries noch als Marlon Brando durchgegangen. Heute schmücken ihn Accessoires wie Popelbremse und Kokstütchen. Was gleich geblieben ist: Odenthals Lederjacke.

Der Tatort aus Ludwigshafen in RUNDSCHAU-Visier Braintuning für alle

Es ist ein Tatort, der in die Tiefe geht. Existenz, Schicksal, Schmerz. Es geht um die eine Frage, die jeden von uns dann und wann umtreibt: Was wäre gewesen, wenn...? Wenn man an einem bestimmten Punkt im Leben anders abgebogen und nicht der Angst, sondern der Liebe gefolgt wäre? Wenn man diesen einen Anruf gemacht, dieses eine Gespräch geführt hätte. Es sind die vermeintlich kleinen Entscheidungen im Leben, die uns dahin führen, wo wir im Hier und Jetzt stehen. Und da steht er nun. Der Provinzpolizist mit der Pistole im Rachen. „Das Problem an der Gesetzlosigkeit ist, dass einen auch kein Gesetz mehr schützt.“ Dann trifft er sie. Die letzte Entscheidung seines Lebens. Der Tatort aus der Westpfalz zeigt, dass es sich lohnt, zu hinterfragen. Das kann lebensgefährlich sein, aber auch Leben retten. Würdiges Jubiläum.