Und in eben jenem wird wild herumexperimentiert. In den ersten Minuten wird der Zuschauer von Eindrücken überrannt und kommt nicht hinterher. Da muss man minutenlang den Polizisten beim Feiern einer Kostümparty zuschauen und fragt sich, was das soll. Immerhin, wir wissen jetzt, dass Polizeioberkommissarin „Bessie“ Charleston tanzen und ihre Beine schön hochwerfen kann.

Es werden Stilmittel eingeführt, aber nicht durchgehalten. Da schaltet sich einer der Pro­tagonisten als Erzähler aus dem Off ein, stellt ein paar der Mitwirkenden vor und taucht dann nie wieder auf. Seltsam.

Der Polizeiruf erinnert an ein Scripted-Reality-Format, eine Pseudo-Doku, in der reale Ereignisse vorgetäuscht werden. Die Kamera gibt sich mal als Beobachter, filmt mal aus dem Hinterhalt – schwer verständliche Dialoge inklusive –, ist mal mittendrin.

Es ist konfus, durcheinander, verwirrend, und nach einer Weile muss man sich überwinden, weiter zuzuschauen in der Hoffnung, man bekommt den roten Faden doch noch irgendwann in die Finger – oder man schläft eben ein . . .

Verena Altenberger spielt Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff.  Foto: BR/Tobias Hase/dpa
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Schade, schade, denn die Geschichte um korrupte Polizisten, die ein Unternehmen überwachen, um Insiderhandel mit Aktien zu betreiben, weil sie an die große Kohle wollen, hat was. Jeder ist hier korrupt. Selbst Bessie, die eigentlich gegen ihre Kollegen ermitteln soll, versucht, den Kopf eben derer aus der Schlinge zu ziehen. „Wie kann der Staat Menschen einsetzen, die nix anderes tun sollen, als die Interessen vom Kapital zu vertreten, ohne daran zu denken, dass die vielleicht mal ihren Anteil daran haben wollen“, wird Bessie gegenüber den internen Ermittlern ungehalten. Und auch die stecken wohl mit drin.

Und da wird dann die Standard-Kapitalismuskritik ausgepackt. Da geht es um unterbezahlte Polizisten. Und die sind am Ende nicht besser als der ganze gierige Rest. Es geht um Geld, Geld, Geld, und Bessies Kollegen drehen völlig durch. Es gibt Tote, Verletzte.

Tja, beim Versuch, jetzt mal so richtig experimentell sein zu wollen, sind die Macher übers Ziel hinausgeschossen. Experimentell sein ist eine Kunst, die man beherrschen muss. Leider geht auch die Figur der Bessie, die eigentlich eine coole Sau ist – taff, direkt, willensstark – unter. Schauspielerische Zwischentöne werden in den Strudel dieses Polizeirufs, dessen dramaturgisches Tempo viel zu hoch ist, hinabgesaugt.

Redakteurin Lydia Schauff hat den Münchner Polizeiruf unter die Lupe genommen.
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