Langsam wird es unheimlich. Mit den Ermittlungen der Kommissare Falke und Grosz rund um einen Mord im Rotlichtmilieu bekommt der Zuschauer den dritten sehenswerten Tatort in Folge verpasst. Da kann man jetzt schon mal allen „Ne, der Tatort, das ist doch eh immer dasselbe, das lohnt sich nicht mehr“-Sagern zurufen: Die letzten drei Wochen habt ihr echt was verpasst.

Das falsche Spielzeug

Was diesen Tatort besonders sehenswert macht, ist wie Michael „Eisen“ Lübke, eine Art massiger, ungepflegter Robert de Niro im schwarzen Ledermantel, und der rumänische Junge Matei, der zart und zerbrechlich und viel jünger wirkt, als er eigentlich ist, aufeinanderprallen. Eigentlich will Lübke den Jungen, der kurz zuvor Kiezgröße und Bordellbesitzer Egon Pohl abgestochen hat, umbringen, sind für Lübke die Pohls doch das was der Mafia „la familia“ ist. Doch dann entspinnt sich zwischen beiden fast eine Art Vater-Sohn-Beziehung.

Toll gespielt. Nur vereinzelt wird Matei so extrem überzeichnet kindlich dargestellt, dass es ein wenig zu viel des Guten ist. Während Lübke dem Jungen gerade eine Waffe in die Hand drückt, damit dieser einen aus dem Albaner-Clan erschießt, denkt der Zuschauer eher: Gib dem Kind doch mal einen Ball, damit er was zum Spielen hat.

Der obercoole Neue

Dieser Tatort hat viele Graustufen. Nicht immer ist alles entweder gut oder böse. Aber vieles ist alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Der Albaner-Clan, der scheinbar ständig beim Friseur sitzt und immer schön in der Shisha-Bar hockt, der Zuhälter mit gemustertem Hemd und italienischen Designerschuhen, ja, es gibt in diesem Tatort vieles, das schrammt so am vermeintlichen Klischee entlang. Als Zuschauer ahnt man aber, da ist wohl viel Wahres dran. Das liegt auch daran, dass sich der Tatort Herummoralisieren erspart. Es ist eben wie es ist. Aber es war irgendwann mal besser. Mit diesem Gefühl endet der Abend.

Andersherum ist es aber bei Falke und Grosz. Die harmonieren zunehmend besser. Und als kleiner Frischekick wurde beiden in dieser Folge ein neuer Kollege spendiert, bei dem schnieke Karohose auf obercoole Flechtfrisur trifft. Noch bemerkenswert: Die Regisseurin dieses Tatorts ist gerade mal Mitte dreißig.

Lydia Schauff
Lydia Schauff
© Foto: Angelika Brinkop