Kreator in Berlin 2026: So war das Konzert der Metal-Legenden

Heizt seinen Fans auch nach Jahrzehnten noch ein: Thrash-Metal-Pionier Mille Petrozza (hier 2017 beim Wacken-Festival) machte auf der aktuellen Tour von Kreator Halt in der Uber Eats Music Hall in Berlin.
Christophe Gateau/dpa- Kreator spielte in der Berliner Uber Eats Music Hall und entfachte ein infernales Chaos.
- Auftakt mit „Seven Serpents“, später Klassiker wie „Endless Pain“ und „Pleasure to Kill“.
- Fans lieferten Moshpits, Crowdsurfing und eine „Wall of Death“ zu „Enemy of God“.
- Bühne zeigte dämonische Kulisse nach dem Cover von „Krushers of the World“ mit viel Feuer.
- Set umfasste 16 Songs – energiegeladen, laut und vom Publikum begeistert aufgenommen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Los geht es mit Barry McGuire und seiner beschwingt-pessimistischen Folk-Hymne „Eve of Destruction“. Ausgerechnet. Dazu animierte Bilder von Krieg, Gewalt, Zerstörung: Metzelnde Urvölker, kriegführende Römer, mittelalterliche Streitäxte, brennende Städte vom babylonischen Mesopotamien bis ins revolutionäre Frankreich.
Dieser blutige Ritt durch die Geschichte drängt die Frage auf, ob der von McGuire besungene Vorabend der Zerstörung nicht vielleicht Dauerzustand oder gar Conditio humana ist? Es ist zum verzweifeln, auch weil gegenwärtige Machthaber wenig Gegenargumente liefern. Dringend nötig, dass jemand diesem welthistorischen Mist etwas entgegenschmettert. Und das denkbar laut!
Auftritt: Kreator. Mit „Seven Serpents“ legen die Thrash-Legenden in Berlin los. Man darf in den Protagonisten des Songs wohl Kriege, Größenwahn, Hass und andere Sünden sehen. Dinge, die sich wie Schlangen um die Welt winden und sie zu ersticken drohen. Doch klein beigeben is nich! „Amor Fati“ schallt es im Chor über die temporeichen Riffs, Nietzsches Maxime von der Liebe zum Schicksal. Es ist eine metallene Durchhalteparole.
„Berlin! Kreator has returned!“, ruft Mille Petrozza
Herrlich, diese aggressive Hoffnung, dieser brutale Optimismus. Sie tun verdammt gut! Metal ist nicht umsonst ein musikalisches Ventil aller Frustrierten, die neue Kraft schöpfen wollen. Und da Kreator live ein außerordentlich lebensbejahender Faustschlag ins Gesicht sind, recken ihnen an diesem Samstagabend gut 4000 schwarz Gekleidete bereitwillig das Kinn entgegen.
„Berlin! Kreator has returned!“, ruft Mille Petrozza dem Meer aus hochgereckten und zu Teufelshörnern geformten Händen entgegen. „Es fühlt sich fantastisch an, wieder hier in der Hauptstadt zu sein.“ Doch damit genug der Nettigkeiten: „Die Zeit ist gekommen für die erste Wall of Death!“, findet der Frontmann. Als im Anschluss das Riff zu „Enemy of God“ einsetzt, enttäuscht das mittig gespaltene Berliner Publikum nicht und liefert das gewünschte Massaker.
Vor der Energie der Fans muss sich verneigt werden. Immerhin haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits ein regelrechtes Festival hinter sich. Als Gäste in Berlin waren nicht nur die Death Metal-Veteranen von Carcass und die mit Gründung in diesem Jahrtausend vergleichsweise junge Band Nails dabei. Auch die Trash-Metaller von Exodus stifteten heftigste Moshpits an.
Die Fans von Kreator moshen, brüllen und bangen
Für Kreator blieben jedoch genug Reserven übrig. Egal ob jüngere oder brandneue Titel wie „Satanic Anarchy“, „Hate über Alles“, „Loyal to the Grave“, Klassiker wie „Endless Pain“ oder das unvermeidliche und unverzichtbare „Pleasure to Kill“ – die Berlinerinnen und Berliner moshen, brüllen und bangen ihre Mähnen zur Double Bass von Jürgen „Ventor“ Reil. Mit freundlicher Ermutigung des Frontmanns kommt zu „Betrayer“ noch ausgiebiges Crowdsurfing dazu. Die Ordner der Uber Eats Music Hall haben an diesem Abend alle Hände voll zu tun.
Es ist ein fantastisch infernales Chaos, das passender nicht sein könnte. Die in feinster apokalyptischer Heavy-Metal-Epik gestaltete Bühne flankieren nicht nur meterhohe Dämonen. Im Zentrum thront ein gehörnter Diabolus mit finster leuchtenden Augen. Der gewaltigste aller Beelzebuben reckt die Hörner jedoch aus dem Bühnenboden und ist groß genug, um als Plattform für Reils Drumkit zu dienen. Entlehnt ist die teuflisch-rote Kulisse dem vom polnischen Künstler Zbigniew M. Bielak gestalteten Cover von „Krushers of the World“. Das im Januar erschienene Album ist Anlass der aktuellen Kreator-Tour.
Kreator liefern Orkan aus Energie, Geschwindigkeit und Lautstärke
Inmitten dieses mit viel Feuer versehenden Höllenkreises liefern Kreator einen brachialen Orkan aus Energie, Geschwindigkeit und unerbittlicher Lautstärke. Selbst über 40 Jahre nachdem die Band um Petrozza erstmals in einer stillgelegten Zeche in Essen Heavy Metal und Punk in besonders aggressive Riffs goss, hat ihr Sound nichts an Kraft eingebüßt. In Berlin beweist der 58-jährige gemeinsam mit Drummer Reil, Gitarrist Sami Yli-Sirniö und Bassist Frédéric Leclercq, einmal mehr, warum Kreator seinen Platz im Metal-Pantheon neben Bands wie Metallica, Megadeth, Slayer oder Anthrax redlich verdient hat.
Umso schmerzlicher, dass das Konzert der „Krushers of the World“-Tour mit 16 Songs viel zu schnell zu Ende geht. Auch einen Berlin spezifischen Titel wie „Tränenpalast“ vermisst man auf der Setlist. Es sind Klagen auf hohem Niveau. Der gewünschte Effekt stellt sich schließlich trotzdem ein. Als nach dem letzten Riff von „Pleasure to Kill“ die Lichter in der Halle angehen, lässt man die diabolische Kulisse beseelt und mit viel neuer Kraft zurück. Ganz gleich ob Vorabend der Zerstörung oder nicht: Die Dämonen abseits der Bühne wirken bereits um einiges kleiner.


