Jazz in Peitz
: Mit dem Karpfen-Shuttle zum Konzert

Mit Marie Blobel geht die legendäre Jazzwerkstatt in Peitz in die nächste Generation – es soll sich einiges ändern.
Von
Ingrid Hoberg
Peitz
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Besichtigung vor Ort: Ein besonderes Ambiente bietet die Halle im Hüttenwerk, die auch bespielt werden soll.

Besichtigung vor Ort: Ein besonderes Ambiente bietet die Halle im Hüttenwerk, die auch bespielt werden soll.

Ingrid Hoberg

Jazz ist mehr als nur Musik. Jazz ist Identifikation, Erinnerung und Neugierde“, schreibt Marie Blobel im Flyer zur 61. Jazzwerkstatt. Sie will den Geist von Freiheit und internationalem Flair, mit dem die Stadt Peitz in den 1970er-Jahren dank der Jazzwerkstatt assoziiert wird, mit der Suche nach neuen Klängen verknüpfen.

Im Jahr 2011 war das  Festival unter der Regie von Ulli Blobel erfolgreich an neue Orte mitten in der Stadt zurückgekehrt. Das legendäre Filmtheater,  zu dieser Zeit noch einmal Spielstätte mit magischem Erinnerungswert,  ist inzwischen abgerissen und das Grundstück wird neu bebaut.

Seit der 57. Jazzwerkstatt im Jahr 2020 arbeitete Marie Blobel an der Seite ihres Vaters bei der Organisation mit – und nun konzipiert sie das erste Jazzwerkstatt-Festival in eigener Regie. Mit Spannung erwartet das Stammpublikum, das bei den Treffen in Peitz immer noch gern in Erinnerungen schwelgt, diesen Generationswechsel. Dessen ist sich Marie Blobel bewusst – und der Tatsache, dass es nur dann gelingen kann, das Festival auch zukünftig zu etablieren, wenn sich ein junges Publikum aus der Region und darüber hinaus für diesen Veranstaltungsort begeistert.

Im Gespräch mit dem Peitzer Bürgermeister Jörg Krakow stimmte Marie Blobel ab, welche Unterstützung die Stadtverwaltung bei der Festivalorganisation geben kann.

Im Gespräch mit dem Peitzer Bürgermeister, Jörg Krakow, stimmte Marie Blobel ab, welche Unterstützung die Stadtverwaltung Peitz bei der Festivalorganisation geben kann.

Ingrid Hoberg

Und da setzt sie gleich an mehreren Punkten an. „Die Umstellung spiegelt sich schon visuell wider. Es soll optisch klar zu erkennen sein, dass es sich jetzt um mein erstes eigenes Festival handelt“, unterstreicht  Marie Blobel. Neues Design, eine eigene Website gehören deshalb zu ihrem Konzept mit dem Open Air auf dem Gelände des Industriedenkmals am Hüttenwerk – direkt neben den Karpfenteichen.  „Ich glaube, das ist eine charmante Lösung“, sagt sie.

Festivalbesucher können wie in alten Zeiten per Bahn auf dem Bahnhof  Peitz-Ost anreisen, müssen aber keinen langen Fußmarsch absolvieren wie in den 1970er-Jahren. Marie Blobel hat beim „Mitmach-Preis Lausitz“ der DB Region Nordost einen Preis für das Projekt „Mit Bahn und Bähnchen zum ‚Woodstock am Karpfenteich‘“ bekommen. So ist es möglich, dass Festivalbesucher das eigene Auto stehen lassen, bequem vom Bahnhof und aus der Innenstadt zum Festivalgelände fahren – mit dem „Karpfenbummler“, den die Stadt Peitz gerade angeschafft hat und zur Verfügung stellt.

Jazzpreisträger Alexander Schlippenbach kommt zum Artist Talk

Und was erwartet die Konzertbesucher? Es kommen Musikerinnen und Musiker, die in vergangenen Jahren schon in Peitz zu hören waren wie der Trompeter Peter Evans, der Pianist Stefan Schultze, der Saxofonist Peter Ehwald und Carl Ludwig Hübsch an der Tuba. Alexander von Schlippenbach wird nicht nur mit „Monk’s Casino“ dabei sein. Der Preisträger des Deutschen Jazzpreises 2024 ist auch Gast beim Artist Talk. Els Vandeweyer (Vibraphon, Percussion) wird in der Großen Halle am Hüttenwerk mit Rieko Okuda (Piano, Electronics) spielen. Es gibt neue Formationen wie Schnellertollermeier oder Mieke Miami’s Birdland.

Beibehalten wird der Jazzgottesdienst am Sonntagmorgen. „Den Abschlusstag möchte ich noch ausbauen“, sagt Marie Blobel. Es wird auf dem Gelände am Hüttenwerk unter anderem einen Workshop Instrumentenbau für kleine und große Kinder geben und die Verleihung des Jazzpreis Brandenburg mit Konzert. Den Award zum Jazzpreis hat der Künstler Helge Leiberg gestaltet. Der Zutritt zu den Konzerten am Sonntag am Hüttenwerk ist kostenlos. Kinder bis 16 Jahre haben für das gesamte Festival freien Eintritt. Zum Abschluss des Festivals werden am Sonntagnachmittag in der Stüler Kirche am Marktplatz Daniel Erdmann (Saxophon) und Aki Takase (Piano) sowie Marek Pospieszalski (Saxophon) und Max Andrzejewski (Schlagzeug) spielen.

Kein Inflationsausgleich für Kultur

Marie Blobel freut sich auf drei Tage Festival in der Lausitz. Sie hat nicht nur viel Arbeit und Zeit in die Programmgestaltung und die Organisation gesteckt. Sie hat um Fördermittel gekämpft, die dann doch nicht bewilligt wurden und geplante Projekt nicht ermöglichen. „In anderen Bereichen der Gesellschaft  gibt es einen Inflationsausgleich, für die Kulturarbeit nicht“, stellt die Festivalkuratorin fest.

Die Honorare für Jazzmusiker bewegen sich schon an Untergrenzen. Die Anerkennung ihrer Arbeit mit dem Applaus Award 2023 für ihre Konzertreihe jazzexzess in Berlin habe sie bestärkt, dem Festival in Peitz ihre eigene Handschrift zu verleihen. „Ich möchte Leute zusammenbringen“, sagt sie und betont, dass es wichtiger denn je sei, dass zahlreiche Gäste kommen. Es stehen an drei Tagen 17 Konzerte und weitere kostenlose Angebote auf dem Programm.

61. Jazzwerkstatt Peitz, 16. bis 18. August, Programm auf www.jazzwerkstatt-peitz.de. Bis 30. Juni gibt es Frühbucher-Tickets.

Neu im Jahr 2024 – der 1. Jazzpreis Brandenburg

Erstmals wird in diesem Jahr von der Jazzwerkstatt ein Jazzpreis Brandenburg verliehen. Preisträger ist der Schlagzeuger Will Kellers, der in Jakobshagen in Boitzenburger Land lebt. Geboren 1950 in Münster, ist Kellers seit über 45 Jahren im Bereich des Free Jazz und der Improvisierten Musik aktiv und arbeitete mit Keith Tippett, Marylin Crispell, Peter Brötzmann, Charles Gayle, Albert Mangelsdorff und vielen anderen zusammen. Der Preis wird am Abschlusstag (18. August) verliehen. Im Anschluss findet ein Konzert des Gewinners Open-Air am Eisen- und Hüttenwerk Peitz bei freiem Eintritt statt.