„Hase Hase“ von Coline Serreau hat am Sonnabend auf den Senftenberger Brettern Premiere. Regie führt die Berliner Schauspielerin und Regisseurin Johanna Schall, die schon mit „Die Mausefalle“ und „Der nackte Wahnsinn“ das Publikum in der Neuen Bühne begeistert hat.

Die Neue Bühne ist das zweite Theater, das das überarbeitete Stück „Hase Hase“ aufführt. In der Erstaufführung des von der Autorin Coline Serreau nach den Terroranschlägen in Frankreich aktualisierten und von ihr selbst inszenierten Stückes in der Komödie am Schiller-Theater in Berlin haben Sie mitgespielt, Madame Duperri, eine lästige Nachbarin der Familie Hase. Gerade noch Schauspielerin in – und jetzt Regisseurin von „Hase, Hase“...Frau Schall, was ist Ihnen lieber?

Schall: Das ist schwer zu sagen. Es ist jeweils eine andere Situation, und ich bin dann ein ganz anderer Mensch. Wahrscheinlich bin ich aber wohl eher Regisseurin.

In Ihrem Blog „Theaterliebe“ haben Sie das Spiel beschrieben mit „Es ist toll. Es ist anstrengend. Es ist toll.“ Was genau ist toll, was ist anstrengend?

Schall: Toll ist, dass der Saal in Berlin immer voll war. Anstrengend ist, wenn man sich fragt: Habe ich den Satz heute schon gesagt oder war das gestern? Ich habe seit 1995 – also nach recht langer Zeit – wieder gespielt, und das hat mir Spaß gemacht. Aber wir hatten ab Januar hintereinanderweg 32 Vorstellungen – fast jeden Abend. Jeder Tag ist darauf ausgerichtet. Das ist eben auch anstrengend.

Die erste Version von „Hase Hase“ wurde 1992 am damaligen Berliner Schiller-Theater bis zu dessen Schließung gespielt, in der Regie von Benno Besson, dem Lebenspartner der Autorin Coline Serreau. Den hatte Jahrzehnte zuvor Ihr Großvater Bertolt Brecht ans Berliner Ensemble geholt. Haben Sie die Inszenierung gesehen?

Schall: Ja, ich habe sie sehr gemocht und weiß noch, dass ich mit ungewöhnlich guter Laune aus dem Theater gekommen bin.

Wie erzählen Sie die Geschichte in Senftenberg?

Schall: Sie hat eine starke Vorgabe durch die Autorin – und die nehme ich auch gern an. Es ist die Geschichte einer Arbeiterfamilie, die in dieser Zeit, da sich viele bedroht fühlen sozial abzurutschen, trotz immer wieder neuer Hiobsbotschaften zusammenhält und sich wehrt. Eine manchmal tragische und ebenso wieder komische Geschichte, die keineswegs Sozialkitsch ist. Statt in schwieriger Situation zu verharren oder abzuwarten, unternimmt die Familie etwas, kämpft ums Überleben, auch mit Selbstbetrug und Tränen, aber vor allem mit viel Herz, Liebe und Energie. Die Familie Hase schafft, obwohl es in ihrer Wohnung immer enger wird, auf eine wunderbare Art miteinander ein Über-Lebensmittel. Das ist toll, auch mit einer Sprache, die viel Musikalität und Rhythmus hat. Ich habe viel Spaß beim Inszenieren.

Was machen Sie als Regisseurin anders als Coline Serreau?

Schall: Ich bin ein anderer Mensch, also wird es deshalb schon anders. Wie gesagt, die Vorgabe steht ja, aber beispielsweise haben wir eine andere Art Musik, auch eine Szene ist umgestellt, wir werden einen ganz anderen Schluss haben, aber das verrate ich noch nicht. Und natürlich haben wir andere Schauspieler. In Berlin hat Katharina Thal­bach sowohl im Jahr 1992 als auch im Jahr 2019 das jüngste Familienmitglied Hase, Hase gespielt, also eine Frau verkörperte einen elfjährigen Jungen, der angeblich ein Außerirdischer ist.

Und in Senftenberg?

Schall: Für mich war von Anfang an klar, dass diese Rolle Tom Bartels spielt. Ich mag ihn einfach, sein natürliches Talent für Komik und den Charme, den er auf die Bühne bringt. Und er ist irrsinnig fleißig. Es sind für so ein kleines Theater recht viele Rollen, die zu besetzen sind. Und da ja auch noch viele andere Stücke vom Ensemble zu besetzen sind, haben wir auch zwei Gäste engagiert.

Es ist Ihre dritte Komödie in Senftenberg. Was mögen Sie an Komödien?

Schall: Bei Komödien kommt es sehr aufs Handwerk an. Die Pointen müssen sitzen. Komödien sind so etwas wie ganz schnelles Tischtennis. Die französischen sind da noch einmal besonders. Da kommt viel mehr Essen vor. Bei uns gibt es drei große Essszenen, in denen die Familie aufeinander trifft.

Sie arbeiten diesmal wieder mit Ulrike Reinhard als Bühnenbildnerin und Ihrer Schwester Jenny als Kostümbildnerin. Sind Sie schon ein eingespieltes Team?

Schall: Auf jeden Fall. Mit Jenny bin ich natürlich geübt in der Zusammenarbeit, und mit Ulrike Reinhard arbeite ich zum zweiten Mal. Es sind einfach Profis, die Verantwortung für ihre Bereiche tragen, da äußere ich meine Vorstellungen – aber rede nicht ständig rein.

Die Landesbühnenrolle der Neuen Bühne erfordert zunehmend reisefähige Inszenierungen. Ist „Hase Hase“ reisefähig?

Schall: Ja, natürlich. Die Anforderung steht. Bis auf einen Effekt, an dem wir noch arbeiten. Schon die zweite Vorstellung wird im Rahmen des Theaterverbundes in Brandenburg/Havel sein.

Und wohin reisen Sie weiter?

Schall: Zu den Volksschauspielen Ötigheim, der größten Freilichtbühne Deutschlands. Da inszeniere ich „Münchhausen“. Dann geht es nach Konstanz für die Regie von Brechts „Die Tage der Kommune“, nach Halle für das „Abschiedsdinner“ und schließlich wieder zur Shakespeare Company nach Bremen, für ich schon öfter gearbeitet habe. Also bis Mai 2020 habe ich gut zu tun.

Mit Johanna Schall
sprach Heidrun Seidel.