Von Daniel Schauff

Mit einem Festakt sind am Sonntag im Großen Haus des Staatstheater die diesjährigen Max Grünebaum-Preisträger geehrt worden. Zwei der begehrten Auszeichnungen der Max Grünebaum-Stiftung gingen an Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg.

Einer der Preise ging an einen Künstler des Staatstheaters. Zusätzlich durften sich die beiden Pädagoginnen des Staatstheaters über den Karl-Newman-Förderpreis und die damit verbundene Studienreise nach London freuen.

Die Lausitzer Rundschau stellt die diesjährigen Grünebaum-Preisträger – die Grünebaum-Preise sind jeweils mit 500 Euro dotiert – vor:

Thomas Giersch Bis die Amtierende Präsidentin der BTU, Christiane Hipp, den vollständigen Titel der Dissertation von Thomas Giersch über die Lippen gebracht hatte, hatten die meisten Gäste auf den Rängen die ersten Worte wahrscheinlich schon wieder vergessen: „Numerical Models for the Vibration Response of High Pressure Compressor Rotors with Validation for Forced Response and Surge“ heißt das Werk, das der gebürtige Forster verfasst hat und das mit „summa cum laude“ bewertet wurde.

Im Grunde beschäftigt sich Giersch darin mit den Rotoren in Flugzeugtriebwerken. Mit einem von ihm entwickelten Simulationswerkzeug lassen sich Effekte, die auf die Rotoren im Betrieb einwirken, mit hoher Genauigkeit einbeziehen.

Thi Mai Hoa Häßler Auch ihre Arbeit hat einen anspruchsvollen Titel: „Identification of the state of stress in iron and steel truss structures by vibration based experimental investigations“. Darin beschäftigt sich die Wissenschaftlerin mit bestehenden Stahlbauten und deren Erhaltung und Ertüchtigung. Bisher, so heißt es vonseiten der Max Grünebaum-Stiftung, hätte der Mangel an geeigneten Verfahren nicht selten zum Abriss erhaltenswerter Gebäude geführt.

Mit dem von Thi Mai Hoa Häßler entwickelten Verfahren, das auf Vibration basiert, sei die Gefahr, dass auch historisch wertvolle Gebäude abgerissen werden müssten, kleiner geworden. Ihre Dissertation schloss die werdende Mutter mit „magna cum laude“ ab.

Im Oktober 2018 erhielt sie für ihre Forschungsergebnisse den Forschungspreis des Deutschen Ausschusses für Stahlbau.

Chuanru He Der Erste Konzertmeister am Staatstheater Cottbus, Chuanru He, ist in diesem Jahr der einzige Max Grünebaum-Preisträger von Staatstheater. Der gebürtige Chinese hat zunächst in Shanghai, später in Hamburg studiert. Als Gast kam er erstmals für die Opern „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und „Wozzeck“ sowie „Turandot“ nach Cottbus.

Seit August 2017 ist er Erster Konzertmeister. Insbesondere seine Soli seien bemerkenswert, sagte Laudator und Kommissarischer Generalmusikdirektor Alexander Merzyn. Die Stiftung lobt den Musiker als „Bindeglied zwischen Orchester und Dirigent“, eine Position, die er „in vorbildlicher Art und Weise“ ausführe.

Für die Preisträger des Karl Newman-Förderpreises geht es auf Studienreise nach London. Der Preis wurde in diesem Jahr an die beiden Pädagoginnen am Cottbuser Staatstheater vergeben.

Nadine Tiedge ist 2016 ans Staatstheater gekommen und arbeitet dort als Theaterpädagogin. Nach einem Diplom als Sozialpädagogin hat sie parallel zur Arbeit als Bildungsreferentin Theaterpädagogik studiert, dann freiberuflich in dem Gebiet der Theaterpädagogik gearbeitet.

In Cottbus habe sie sich „in kürzester Zeit (...) jene Kontakte erarbeitet, die für ihre Arbeit notwendig sind“, heißt es vonseiten der Stiftung. Die Anzahl der organisierten Schülerbesuche sei seit ihrem Amtsantritt „spürbar gewachsen“.

Stefanie Platzer ist Solo-Piccolo-Flötistin im Philharmonischen Orchester.

Nach einem berufsbegleitenden Studium „Musikvermittlung/Musikmanagement“ in Detmold arbeitet sie seit 2012 als Konzertpädagogin am Staatstheater. Die Grünebaum-Stiftung nennt sie „die ideale Vermittlerin zwischen professionellen Musikern und Kindern, beziehungsweise Jugendlichen“.

Zu ihrer Arbeit gehöre „eine schier unerschöpfliche Geduld, eine außergewöhnliche Bereitschaft, sich auf die Probleme Heranwachsender einzulassen“. Ihr sei es gelungen, im Vorschul- und Grundschulbereich in Cottbus viele Partner für Schulkonzerte des Philharmonischen Orchesters zu finden.

Den Vormittag im Staatstheater gestalteten das Ballettensemble und das Philharmonische Orchester mit Ausschnitten aus Casanova, Sängerin Rahel Brede und die Schauspielerin und Vorjahres-Preisträgerin Lisa Schützenberger.