Howard Carpendale in Berlin 2026
: So war das Konzert der Abschiedstournee

Es ist seine letzte große Tour: Howard Carpendale spielt in der Uber Arena Berlin ein Konzert, das sich nach Party anfühlt – und einen für Fans sehr wichtigen Satz enthält.
Von
Michael Heider
Berlin
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Howard Carpendale singt auf der Bühne bei seinem «Zeitlos» Album Releasekonzert. (zu dpa: «Wo alles begann: Carpendale 60 Jahre auf der Bühne») +++ dpa-Bildfunk +++

Seine Abschiedstournee führt ihn auch für ein Konzert in die Uber Arena in Berlin: Howard Carpendale.

Christoph Reichwein/dpa
  • Howard Carpendale gab in der Uber Arena Berlin ein Konzert seiner Abschiedstournee.
  • Die Show wirkte wie eine Party, alle Hits waren dabei – inklusive „Hello Again“ nach der Pause.
  • Er zeigte Humor trotz kleiner Pannen und sang auch Covers wie „Ich war noch niemals in New York“.
  • Politisch wurde es mit Kritik an Donald Trump, anschließend folgte „Ihr Großen dieser Erde“.
  • Eine Tour soll es nicht mehr geben, doch ein „Hello Again“ schließt er nicht aus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Adieu Again? Klar, über allem hier schwebt das so große wie bedauernswerte Wort vom Abschied. Eigentlich und wieder einmal. Wieder einmal, weil Howard Carpendale bereits 2003 Schluss machen wollte. Was folgte, war ein Comeback, neue Alben, neue Tourneen, mehr Fans. Und eigentlich, weil seine Berliner Anhänger an diesem Donnerstagabend derart viel Spaß an der Freude mitbringen, dass jedes Denken ans Aufhören doch wenigstens überdacht werden will!

„Komm wir drehen die Sanduhr einfach um“, singt er doch selbst (auch in der Uber Arena) in der schmachtenden Power-Ballade „Ist ein Leben genug“. Doch nun steht Howard Carpendale hier, gekleidet im schwarzen Anzug, und scheint es Ernst zu meinen. Diesmal wirklich, vollkommen Ernst. Dass er seine „Abschiedstournee“ in Berlin ausgerechnet mit „Let’s Do It Again“ eröffnet, wirkt vor so viel Frohsinn fast wie frecher Frevel, mindestens wie leichtfertiges Spiel mit den Herzen seiner Fans.

In Berlin ist Howard Carpendale nervöser als anderswo

Geht es nach ihnen, könnte sich an die zweite Abschiedstour, getrost ein zweites Comeback anschließen. So laut der Jubel, so fest das Klatschen. „Wir haben‘s geschafft, wir sind in Berlin“, sagt Carpendale sichtlich anerkennend zu seiner Band. Und sollte sich jemand fragen, ob der Sänger mit der samtigen Stimme nach sechs Jahrzehnten auf der Bühne noch Lampenfieber hat? Nein, nervös sei er vor dem Auftritt in Berlin nicht gewesen, gesteht er. Doch immerhin nervöser als in Magdeburg, wo er ein paar Tage zuvor spielte.

Da ist er, der schelmische Entertainer. Eine Rolle, die der gebürtige Südafrikaner an diesem Abend noch häufiger einnimmt. Er erzählt, scherzt, blickt zurück. „Ich bin kein Typ, der 25 Lieder nacheinander singt.“ Auch dafür gibt es von den Berlinerinnen und Berlinern viel Applaus. Sie weiß Howard Carpendale stets auf seiner Seite. Selbst spontane Textaussetzer wie bei „Es geht um mehr“ werden nachsichtig weggeklatscht.

Text vergessen? Zu früh eingesetzt? Es bleibt nicht die letzte kleine Panne. Egal! Die charmante Indifferenz des alten Routiniers weht darüber hinweg. Und der Dramaturgie des Abends tut es ohnehin keinen Abbruch. Sie lässt sich wiefolgt zusammenfassen: Howie, Hits und ganz viel Herz. „Du bist das Letzte…“, „Nachts, wenn alles schläft“ – keinen seiner Klassiker lässt Howard Carpendale in Berlin ungespielt.

Die Wucht seines warmen Bariton hat Carpendale noch

Über weite Strecken wirkt das Konzert der Abschiedstour wie eine große Party, etwa als alle Anwesenden „Alice? Who the fuck is Alice“ zu „Tür an Tür mit Alice“ brüllen. Auch dass der Sänger die Pause zur Mitte seines Konzerts mit „Hello Again“ beendet, stellt die hohe Betriebstemperatur direkt wieder her.

Die Wucht seines warmen Bariton hat Carpendale noch nicht eingebüßt. Sie zeigt sich auch dann, wenn er die Songs anderer singt. Bei „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens etwa. Der Evergreen dient als Verneigung vor einem großen Kollegen und als Erinnerung, dass Howard Carpendale einer der Letzten einer großen Generation musikalischer Entertainer ist. Dass er selbst den Status der Kultfigur generationsübergreifend genießt, zeigt sich beim Blick durch die Reihen der Uber Arena. Zwar sind Fans unter 30 die absolute Ausnahme, doch nicht nur sie dürften sich über „Sophia Loren“ freuen, ein weiteres Cover, diesmal von den Italo-Schlager-Wiederbelebern Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys.

Die Kulisse in Berlin ist groß, doch denkbar gediegen. Keine Pyro, keine Effekte, kein Schnickschnack. Im Zentrum der Bühne, meist auf einem weiß gepolsterten Barhocker sitzend, befindet sich allein Howard Carpendale. Unterstützt wird er von einer großartigen Liveband samt Bläser-Sektion, die Schlager-Klassiker mit ihren Arrangements auf Arena-Format skaliert, ohne dem Star des Abends die Show zu stehlen.

In Berlin lässt Howard Carpendale ein „Hello Again“ offen

Bei allem Witz, bei aller Feierlaune, gibt es auch ernste Momente. Vor Jahren habe er auf einem Golfplatz flüchtig einen Mann namens Donald Trump kennengelernt, erzählt Carpendale. Entsetzt beobachte er, mit welchem Ausmaß an Dummheit dieser Trump und andere aktuell Weltpolitik machen. Der laute Applaus zeigt: sein Publikum teilt das Entsetzen. Was folgt, ist der kritische Appell „Ihr Großen dieser Erde“.

Man darf Howard Carpendale die Aufrichtigkeit seines angekündigten Bühnenabschieds getrost glauben. Der Mann ist Anfang des Jahres 80 geworden. Davon abgesehen, hat er seinen Unmut über die moderne Musikindustrie und die Strapazen des Touralltags mehr als einmal deutlich Luft gemacht. Von einem Verlust der Freude am Auf-der-Bühne-Stehen war allerdings nie die Rede. Und davon kann man sich in Berlin überzeugen.

Die Abschiedstournee gerät also nicht zum  Abgesang. Und wie Howard Carpendale zum Ende präzisiert, auch nicht zum vollständigen Abschied. Eine Tour wird es zwar nicht mehr geben, das unterstreicht er. Ein weiteres „Hello Again“ schließt er aber nicht aus. Und so ist nach einem an Hits, Lachern und Höhepunkten reichen Konzert in Berlin das wohl größte Geschenk an die Fans ein Satz, den Howard Carpendale zum Ende sagt:  „Ich kann nicht leben, ohne zu singen.“