Fusion 2025 in Lärz: Wie aus einem Flugplatz ein Festival-Gelände wird

Bevor die rund 70.000 Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände des Fusion-Festivals feiern, entspannen und sich kreativ ausleben können, ist viel zu tun. (Symbolbildl)
Jens Büttner/dpa- Fusion-Festival in Lärz lockt jährlich 65.000 Besucher; Vielfalt und Nachhaltigkeit im Fokus.
- Gelände des Ex-Militärflugplatzes wird von März bis Juni zur Kleinstadt mit Infrastruktur.
- Nachhaltigkeitsmaßnahmen: Solarfelder, Komposttoiletten, kein Einweg-Geschirr, Foodsharing.
- Strikte Ablehnung rassistischer Künstler; Plattform für neue Musik und kreative Projekte.
- Nach Festival: Rückbau, Recycling und Übergabe des Platzes an die Natur bis März.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeden Sommer entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes in Lärz (Mecklenburg-Vorpommern) ein einzigartiges Musik- und Kunstfestival. Die Fusion, wie das Fusion-Festival meist genannt wird, lockt jedes Jahr rund 65.000 Besucher und Besucherinnen an. Aber wie wird aus dem tristen Flugplatz ein Festivalgelände? Und was ist das Besondere an der Fusion?
„Wir legen viel Wert auf Diversität, dass viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ideen zusammenkommen und einfach sein dürfen“, beschreibt Susi das Konzept des Festivals. Susi ist seit mehr als 25 Jahren ehrenamtliches Mitglied des Vereins Kulturkosmos Müritz, der das Festival organisiert. In ihrem „wirklichen Leben“, wie sie sagt, ist Susi im Gesundheitsamt einer Behörde angestellt.
Der Kulturkosmos-Verein arbeitet das ganze Jahr über daran, die nötigen Rahmenbedingungen für die Fusion zu schaffen. Zu diesen gehören laut Susi unter anderem Baugenehmigungen, die nötige Infrastruktur und die Erweiterung des Abwasser Zu- und Ablaufes.
Fusion-Festival in Lärz – Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema
Was für den Verein immer wichtiger wird, ist das Thema Nachhaltigkeit. So wurden in diesem Jahr Solarfelder angelegt, sodass sie sich selbst außerhalb der Festival-Saison mit Strom versorgen können. Es gebe kein Einmal-Geschirr mehr, dafür aber Foodsharing zwischen den Backstage-Küchen. Reste werden der Tafel gespendet. Um Wasser zu sparen, wolle man komplett von Spül-Toiletten und Dixis auf Komposttoiletten umsteigen – die ersten Bio-Klos gibt es schon.
Bis zum Festivalbeginn nehmen die Aufgaben zu. Damit alles rechtzeitig steht, sind temporär circa 50 Mitarbeitende fest angestellt. Die Hauptarbeit läge allerdings bei den mittlerweile rund 200 Vereinen und Gruppen, die ehrenamtlich helfen. Diese würden kochen, Strom verlegen, Toiletten installieren sowie die Anreise und den Empfang der Gäste organisieren – eben alles, was notwendig ist, „damit die Gäste hier eine schöne Zeit haben“, sagt Susi. Denn darum gehe es schließlich.
„Von März bis Juni stampfen wir eine Kleinstadt aus dem Boden, die letztendlich mit allem ausgestattet ist, was eine Stadt so braucht“, sagt Susi. Dazu zählen auch die medizinische Versorgung sowie ein Sicherheits- und Awarenesskonzept.
Was auch weit vor Festivalstart passiert, ist die Auswahl der Partner und Gruppen, mit denen die großen Bühnen betreut werden. Die ausgewählten Partner werden wiederum in das Booking der Musiker:innen mit einbezogen.
Kein Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus
Abgelehnt werden laut Susi nur Bands und Künstler:innen, die fremdenfeindlich und rassistisch oder dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. „Das hat bei uns definitiv keinen Platz, das schließen wir kategorisch aus“, betont Susi. Anfragen von sehr großen Bands werden auch berücksichtigt, allerdings sollten diese nicht Überhand nehmen. „Wir wollen neue Musik, Bands und Konzepte entdecken und ihnen hier die Möglichkeit geben, bekannt und sichtbar zu werden“, sagt Susi.
Fusion – Was für den Last-Minute-Ticketkauf wichtig ist
Das Fusion-Festival ist am Donnerstag, dem 26. Juni gestartet und läuft noch bis einschließlich Sonntag, den 29. Juni. Die Tickets für das gesamte Festival sind schon lange ausverkauft. Auch Sonntagstickets gibt es nicht mehr.
Online sind auf den üblichen Handels-Plattformen viele Betrüger unterwegs, die gefälschte Tickets anbieten oder gar keins haben und nur Geld kassieren wollen. Deshalb und wegen der Personalisierung der Tickets gilt die Empfehlung, Tickets nur über die offizielle Ticketbörse der Fusion zu kaufen.
Dort kann man die Tickets nach Registrierung nur zum Originalpreis kaufen. Dazu muss man einem potenziellen Verkäufer seine 5-stellige Nummer geben, die man während der Registrierung erhält. Wichtig: Betrüger fragen auch nach E-Mail-Adressen, Bankdaten, Preis-Budget und mehr. Diese Informationen sind für den Verkauf über die offizielle Ticketbörse nicht nötig.
Außerdem gehen Susi und ihre Vereinskollegen die Bewerbungen für die Projekte durch, mit denen sich Crews, Vereine und Initiativen an der Fusion beteiligen wollen: „Dann gucken wir gemeinsam: Passt das, ist das spannend, wie kann man das Konzept umsetzen, unter der Vorgabe der rechtlichen Rahmenbedingungen?“
Wenn alles stimmt, suchen Susi und ihre Teamkollegen einen Platz auf dem Gelände, auf dem die jeweilige Gruppe ab März aufbauen darf. Einen festen Zeitplan gebe es nicht. „Fakt ist, das muss zum Festivalbeginn stehen. Und Fakt ist, dass dann auch die sogenannten fliegenden Bauten von den Behörden abgenommen sind und den technischen Voraussetzungen entsprechen“, sagt Susi.
Das Festival lebt von der Vielfalt der Menschen, die mitwirken
Dafür, wie die Projekte und Bauten auszusehen haben, gebe es ebenfalls weder Vorgaben noch ein Motto, kein richtig oder falsch. Der Verein möchte Vielfalt präsentieren und den Gruppen Gestaltungsfreiraum geben.
Egal ob Installationen, Workshops oder Performances – solange es mit der Grundphilosophie und den rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar ist, haben die Gestaltenden freie Hand und können sich ausprobieren. „Das Festival lebt von der Vielfalt der Menschen, die sich aktiv daran beteiligen, etwas Schönes hier auf dem Platz zu zaubern“, bringt es Susi auf den Punkt.
Am Ende des Festivals bauen alle Mitwirkenden ihre Installationen, Bühnen und Angebote wieder ab. Was nicht mehr gebraucht wird, kommt auf den vom Kulturkosmos eingerichteten Recyclinghof am Flugplatz. Im nächsten Jahr bedienen sich die Mitwirkenden beim Aufbau daran und schaffen aus den Resten etwas Neues. „Der Recyclinghof ist am Ende des Jahres gefüllt und wenn das nächste Festival öffnet, ist er wieder leer“, sagt Susi.
Der Kulturkosmos kümmert sich – wie auch beim Aufbau – um den Rückbau von Strom, Wasser und Sanitäranlagen. Auch auf den Campingflächen werde alles aufgeräumt „bis zum letzten Zigarettenstummel“ sagt Susi lachend. „Im Oktober übergeben wir dann den Platz der Natur, bis wir Anfang März wieder anfangen.“


